Fakten statt Meinungen

KONZ. Harte Zahlen, harte Urteile und viel zu tun: Dass Konz als Einkaufsstadt nicht in allen Punkten gut dasteht, wird weithin diskutiert. Eine neue Studie unterfüttert diesen Eindruck mit teils überraschenden Fakten – und zeigt Chancen für die Zukunft auf.

Über die Schwächen der Stadt Konz als Einkaufsstandort wird viel diskutiert: Der eine sieht das Hauptproblem in der Unattraktivität der zerschnittenen und kaum als solchen auszumachenden Innenstadt, der andere in den vielen leer stehenden Geschäften und der nächste in der Konkurrenz zu Trier. "Fakten statt Meinungen" - das ist der Titel einer Studie, die am Mittwochabend im Rathaus vorgestellt wurde. Sie bringt mit harten Zahlen und dem für Konz in manchen Punkten auch harten Urteil Licht ins Dunkel - und sie hält so manche Überraschung bereit. Die von der "Markt und Standort Beratungsgesellschaft mbH" aus Nürnberg und "TL KommunalDialog" aus Borken in den vergangenen Wochen erarbeitete Standortanalyse spiegelt den Ist-Zustand wieder - und gibt Handlungsempfehlungen für eine bessere Zukunft (siehe Hintergrund).Der Branchenmix stimmt nicht

Die Beschreibung des Makrostandorts lässt sich freundlich an: Von den knapp 19 000 Einwohnern sind nur 5,8 Prozent arbeitslos. Die Kaufkraft des Konzers liegt knapp über dem Bundesschnitt, und es pendeln - überraschenderweise - mehr Menschen zum Arbeiten von Trier nach Konz (3162) als umgekehrt (2860). Denn Konz ist mit seinen zahlreichen Unternehmen ein wichtiger Arbeitgeber in der Region. Seiner Funktion als kleines Mittelzentrum kommt Konz mit seinem großflächigen Einzelhandel und einzelnen Einkaufsmagneten nach. Problematisch ist allerdings, dass der Branchenmix nicht stimmt. Das Angebot an Nahrungs- und Genussmitteln, Gesundheits- und Körperpflegeartikeln ist groß, ebenso wie jenes an Möbeln. Die Nahrungsmittelbranche erzielt alleine knapp 40 Prozent der gesamten Einzelhandelsumsätze. Eine deutliche Schwäche der Stadt liegt darin, dass kaum Güter angeboten werden, die andernorts zum klassischen Innenstadt-Sortiment gehören: Herrenbekleidung, junge Mode, Spielwaren, Parfum oder Sportartikel. Wenige starke Anbieter wie Kaufland, Rewe, Möbel Martin oder hagebau wirken in Konz wie Magnete. Sie erzielen deutlich mehr Umsatz, als im Einzugsgebiet der Stadt an Kaufkraft vorhanden ist. In vielen anderen Bereichen, vor allem Bekleidung, Uhren, Schmuck, Bücher oder Elektrowaren wird das vorhandene Kaufkraftpotenzial bei weitem nicht ausgeschöpft. Das Geld wird stattdessen in Trier oder Saarburg ausgegeben. Konz' Zentralität für das Umland ist deutlich geringer als es für eine Stadt dieser Größe üblich ist. Ein weiteres großes Problem sind die überdurchschnittlich vielen Leerstände. Im Bundesschnitt stehen bei einer Stadt dieser Größe 10,8 Prozent der Geschäftsflächen leer. In Konz sind es 17,7 - oder in absoluten Zahlen: von 141 Einzelhandelsbetrieben liegen 25 brach. Das daraus resultierende triste Bild verschlechtert die Situation der Verbleibenden. Auch der Blick in die nahe Zukunft ist nicht rosig: Der Analyse zufolge sind nur 22 Prozent dieser Leerstände auf Anhieb wieder für den Einzelhandel nutzbar. Der Großteil müsste renoviert oder umgebaut werden. Rund 16 Prozent entsprächen gar nicht mehr den heutigen Ansprüchen, heißt es in der Studie. Als wären dies der Probleme nicht schon genug, geben die Ergebnisse einer Befragung von Konzer Einzelhändlern weiteren Grund zur Sorge: Pessimismus und Einzelkämpfertum sind offenbar weit verbreitet. 56 Prozent der Befragten glauben, dass ihre maßgebliche Konkurrenz in Konz liegt und nur ein Viertel plant, in den eigenen Betrieb zu investieren. All diese Fakten belegen Mängel, die mehr als eine Ursache haben - und sie eröffnen Wege aus der Krise (siehe Hintergrund). Die Studie soll Auftakt sein, ein Auftakt für einen langfristigen Revitalisierungsprozess - der Beginn der "Konzer Stadtgespräche".

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