Farbenzauber unter Putz

Die Restauration der St. Joseph- Kapelle in Mettlach enthüllte sakrale Gemälde, mehr als 100 Jahre alt. Jetzt werden die Arbeiten freigelegt und restauriert.

Mettlach. Mit schlafwandlerischer Sicherheit wechselt Nora Mrziglod die Pinsel mit den Farben - Strich für Strich zieht sie die Ornamente in leuchtendem Orange-Rot nach, mit einem warmen Gelb-Grün wird die Umrahmung ausgebessert, mit einem satten Schwarz-Braun der Adler - Symbolbild des Apostels Johannes. Noch verdeckt ein Gerüst im Altarraum der St. Joseph-Kapelle Mettlach die farbenfrohen Bilder - Relikte aus dem späten 19. Jahrhundert.

"Ich schätze, dass die Gemälde um 1880 entstanden sind", sagt Restaurator Marco Mrziglod. Unter weißem Putz aus Jahrzehnten wurde dieses Fest der Farben im November vergangenen Jahres entdeckt. Zurzeit sind die Restauratoren dabei, Gemälde freizulegen und ihnen - wo nötig - frische Farbe zu geben. "Drei Anstriche waren darübergelegt", verrät Architekt Wolfgang Neis. Seit 2003 leitet er die Sanierungsarbeiten an der Kapelle, einem wunderschönen Erbstück der Familie von Boch. Die Außenfassade des hohen fünfachsigen Saales, der an die Sainte Chapelle in Paris erinnert, erstrahlt bereits in dem für den Sandstein so typischen Rot-Braun, ebenso die Westfassade und das Portal, in grauem Sandstein gehalten. Vor zwei Jahren sind die Restauratoren ins Innere der Kirche gewandert, haben farbige "Mettlacher Platten", eine Wandbemalung und das Fries freigelegt, die unter der Putzschicht entdeckt worden sind. Vor gut drei Monaten dann stießen die Restauratoren auf die Gemälde im Altarraum. "Das Besondere daran ist, dass Wandmalereien in einer Secco-Technik aufgetragen sind, und zwar mit Öl und Tempera mit organischen Bindemitteln", sagt Restaurator Mrziglod. "Das ist sehr selten im Saarland." Seit Wochen sind Mrziglod und sein Team dabei, Christus und seine Apostel aus ihrem "Dornröschenschlaf" zu wecken. Stück für Stück tragen die Restauratoren Knochenleim auf. "Die Masse zieht sich schnell zusammen und baut im trockenen Zustand eine hohe Spannung auf", kommentiert Mrziglod. "Die Schicht löst sich von den Gemälden schnell ab, und das schont die Gemälde", sagt Mrziglod. Derweil hat Kollegin Nora die oberste Etage des Gerüstes erreicht, um Ornamente im Gewölbe zu kolorieren. Der Löwe, Symbol des Apostels Markus, und der Engel, Symbol für Apostel Matthäus, warten noch auf ihren Anstrich. Wann die Restauratoren die komplette Galerie zum Leuchten gebracht haben, wissen sie noch nicht.