Faszination der alten Mechanik

SCHWEICH. 180 Jahre ist es her, da bauten Christoph Denhard und Nikolaus Scholzen eine Mühle am Schweicher Föhrenbach. Sechs Jahre später ging sie in Familienbesitz über. Heute klappert sie wieder als Museumsmühle.

Es rumpelt gewaltig. Da drehen sich große Schwungräder, lederne Antriebsriemen sirren durch die Luft, gewaltige Holzkästen vibrieren, als würden sie gleich auseinander fliegen. Der 15 Zentner schwere Mühlstein dreht sich munter und mühelos wie ein Kinderkreisel und einzelne Sonnenstrahlen, die durch die Fenster fallen, bahnen sich einen mühseligen Weg durch dichte weiße Mehlstaubwolken. Erstaunlich, was Gisela Scholtes alles in Bewegung setzt, wenn sie mit einem einfachen Handgriff den Wassereinlauf der Mühle freigibt. Wo sich früher ein mächtiges Wasserrad behäbig drehte, strömen heute 70 Liter Wasser pro Sekunde durch eine Turbine. Die erzeugt immerhin 3,8 PS und ist damit der Energielieferant für all das Gerumpel und Gedröhne, das zwischen den alten Mauern der Molitorsmühle hallt.1997 endete der Dornröschenschlaf

1824 erbaut, seit 1830 in Familienbesitz, hat die Mühle unter der Regie der Familie Molitor viele tausend Zentner Getreide zu Mehl verarbeitet, bevor sie im Jahr 1972 stillgelegt wurde. 25 Jahre dauerte es dann, bis das historische Gebäude 1997 wieder aus seinem Dornröschenschlaf geweckt wurde. "Da gab es schon richtig was zu tun, bis hier alles entrümpelt und aufgeräumt war", erzählt Gisela Scholtes, eins von sieben Geschwistern, denen die Mühle heute gehört. Wer die Müllerstochter bei einer ihrer Führungen durch die vier Etagen der Mühle begleitet, spürt sofort ihre Begeisterung für die alte Technik. Scholtes Bruder, der vier Jahre vor Schließung der Mühle noch den Beruf des Müllers lernte, gab sein Wissen an seine Schwester weiter. Da sprudeln jede Menge Fachausdrücke wie selbstverständlich, und Gisela Scholtes kennt jede Maschine bis auf die letzte Einstellschraube in- und auswendig. Gut verständlich erfährt der Besucher vom langen Weg des Korns. Wer dachte, eine Mühle sei einfach ein Mahlwerk, Korn rein, Mehl raus, wird eines Besseren belehrt. Weizen, Roggen und Hafer durchlaufen in der Mühle viele Stationen, bis sie das historische Gebäude als Mehl verlassen. Dass erst mal gewogen und gesiebt wird, erscheint selbstverständlich. Aber wer weiß schon, dass das Korn anschließend im Aspirateur durchgepustet, im Trieur sortiert, in der Schälmaschine geschält und in der Bürstmaschine poliert wird. Über den Walzenstuhl, der mehrmals durchlaufen wird, geht es in den Plansichter. Das sind die großen Schüttelkisten mit den Sieben. Hier wird immer wieder gesiebt und sortiert. Erst danach verschwindet das Korn zwischen den großen Mühlsteinen und wird endgültig zu feinem Mehl. Und wer denkt, Mühlstein sei Mühlstein, irrt erneut. Da gibt es die "Franzosen", zusammengesetzt aus verschiedenen Steinen oder die Mühlsteine aus der Eifel, die immer in einem Stück gearbeitet wurden. Und wenn dann noch der Unterschied zwischen Vollkorn-, Steinmetz- und Auszugsmehl geklärt wurde und eine Probe von jedem durch die Finger gelaufen ist, dann ist Gisela Scholtes mit ihrer Führung zufrieden. Mehrmals pro Woche kommen Besucher zur Mühle. Kindergarten- und Schulgruppen, aber auch interessierte Erwachsene sind gern gesehene Gäste. Bis Ende Oktober ist samstags, sonntags und an Feiertagen von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Es können auch ganzjährig individuelle Termine vereinbart werden. Das Angebot reicht von der einfachen Führung über einen Erlebnistag bis hin zum "Vini e Pane". Weitere Informationen unter Telefon 06502/2253 oder im Internet unter www.molitorsmuehle.de.Morgen in unserer Serie: Föhren aus der Sicht einer Familie mit Kindern.