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Fee Gina hilft verletzten Seelen: Keller Autorin öffnet ihre Märchenwelt für Flüchtlingskinder

Fee Gina hilft verletzten Seelen: Keller Autorin öffnet ihre Märchenwelt für Flüchtlingskinder

Einmal Zwerg oder Prinzessin sein, mit anderen basteln, singen, sich geborgen fühlen: Das bietet Monserrat Fonts Salas den jungen Besuchern ihrer Märchen- und Traumwelt in der Alten Mühle in Kell. Seit kurzem lädt die Kinderbuchautorin auch Kinder aus Flüchtlingsfamilien ein, mit ihr in ihre Fantasiewelt abzutauchen.

Kell am See. Sie lebt im Land der Fantasie. Sie heißt "ImaGinación". Und sie wohnt in einer großen Bibliothek zusammen mit Zwergen und anderen Fabelwesen. Heute hat Fee Gina, wie sie von allen genannt wird, allerdings Besuch aus dem Menschenreich: Oula, Tuka, Mahdya, Sadaf, Shanaz erkunden ihre zauberhafte Märchenhöhle in der alten Mühle in Kell am See.
Fee Gina - dahinter steckt Monserrat Fonts Salas. In ihrer spanischen Heimat ist die 51-Jährige eine bekannte Kinderbuchautorin. Aber auch im Hochwald ort Kell ist sie sehr beliebt, vor allem bei ihren jungen Gästen. Gemeinsam mit ihnen arbeitet sie seit 2008 an der "Biblioteca de la imaGinación", einem Literaturprojekt, mit dem sie Kinder fürs Lesen und Geschichten erzählen begeistern will. Die Kinder fügen ihre Gedanken, Ideen und Bilder in vorgefertigte Manuskripte ein. Die Geschichten werden zu Büchern gebunden - und Stück für Stück füllt sich die Bibliothek.

Ihr Refugium im alten Mühlentrakt öffnet Fonts Salas seit kurzem auch für Kinder aus den Flüchtlingsunterkünften im Ort. Sie dürfen den Nachmittag in der bunten Traumwelt verbringen. Gemeinsam mit den ehrenamtlichen Helfern Kathrin Baulig-Harth und Carsten Lichtenknecker arbeitet Fonts Salas zwei Stunden in der Woche mit Kindern aus Afghanistan, Syrien und dem Irak. "Fantasie und Kreativität sind der Schlüssel, damit verletzte Seelen heilen können", sagt die Autorin, die auch therapeutisch mit Kindern arbeitet.
In ihrem mit Tüchern, Lichterketten und Plüschpilzen liebevoll dekorierten Fantasiereich sollen die Kinder vor allem eines: ruhig werden, sich geborgen fühlen. Denn man spüre, sagt die seit 18 Jahren in Kell am See lebende Spanierin, dass die Kinder aus "einer Welt voller Angst, Tod und Gewalt kommen". Ihre Bilder seien nicht bunt, zeigten keine Sonne oder Blumen. "Diese Kinder malen tote Menschen, die auf dem Boden liegen."
Bei Monserrat Fonts Salas alias Fee Gina können sie die schlimmen Erfahrungen der vergangenen Monate für ein paar Stunden vergessen. Sie basteln, spielen, singen, hören Musik. Die Mädchen dürfen heute eine Krone aufsetzen und in Prinzessinnenkleider schlüpfen. Die Jungs können den Zwerg Edom in seiner Weihnachtshöhle besuchen.Glücksfall für alle Beteiligten

 Monserrat Fonts Salas alias Fee Gina. Foto: RuH
Monserrat Fonts Salas alias Fee Gina. Foto: RuH Foto: (h_hochw )

"Für uns ist Gina ein Geschenk", sagt Katharina Schmidt, die für die Caritas die Betreuung der Flüchtlingsunterkünfte in Kell koordiniert. Über die Online-Spendenplattform der Caritas www.tat-sachen-spenden.de sei Geld eingegangen, mit dem man Bastel- und Malmaterialien habe kaufen können. Ein Kindertreff mit therapeutischem Arbeiten sei "ein Glücksfall", sagt Schmidt. "Und es helfen alle mit", lobt sie auch den Einsatz der ehrenamtlichen Unterstützer. Kathrin Baulig-Harth engagiert sich bereits seit Ende 2015, als die ersten Familien in Kell ins Containerdorf einzogen. "Ich spiele einmal die Woche mit den Kindern draußen Fußball und helfe Gina hier in der Bibliothek", erzählt sie. Auch Carsten Lichtenknecker, Vater zweier Grundschulkinder, hilft von Anfang an mit: "Es macht Spaß zu sehen, dass was passiert. Und dass man gebraucht wird."
Das Projekt von Fonts Salas ist auch ein Aushängeschild der Ortsgemeinde. Denn es kommen sogar Schulklassen aus Spanien angereist, um mit Fee Gina zu arbeiten. "Es ist es wichtig, dass Kinder wieder anfangen, selbst kleine Geschichten zu schreiben und dazu passende Bilder zu malen", sagt die Autorin. "Damit wird der kleine Künstler, der in allen Kindern steckt, gefördert."
Die Ortsgemeinde Kell stellt die zwei Räume für das Projekt zur Verfügung. Ortsbürgermeister Markus Lehnen begrüßt es sehr, dass die Arbeit mit den Kindern nun auch auf die Flüchtlingshilfe ausgeweitet wurde: "Die Kinder sind sicher diejenigen, die mit am meisten unter den traumatischen Erfahrungen leiden. Hier bringt man ihnen auf wunderbare Art und Weise eine ganz andere Welt näher."
Bis Oula, Tuka, Mahdya, Sadaf und Shanaz ihre Geschichten erzählen, wird es zwar noch eine Weile dauern. Aber bis dahin finden sie bei Fee Gina einen Platz, an dem sie sich wohl und sicher fühlen können.