Feierlaune mit edlen Tropfen und Majestäten

Oberemmel · Ein Umzug durch den Ort, Weine auf jedem Tisch, ein lauer Sommerabend mit Vollmond, so erleben die Besucher des traditionellen Oberemmeler Weinfestes einen ersten Höhepunkt dieser kulturellen Großveranstaltung. Viel Musik, Kirmesrummel und fröhliche Menschen kommen auf dem Festplatz zusammen.

Oberemmel. Elf Winzer, elf Weinmajestäten, Musik, Karussells, ausgelassene Stimmung: Das Weinfestival ist das kulturelle Großereignis in Oberemmel, zu dem Ortsvorsteher Hermann-Josef Benzkirch und sein Komoderator Lutwin Schmitt am Samstagabend rund 500 Gäste auf dem Festplatz begrüßen.Von Bläsern und Napoleon


Zunächst sieht der Platz noch recht leer aus. Doch dann ist Musik zu hören, die immer näherkommt: Die Winzerkapelle führt den Festzug an, in dem auch die elf Repräsentantinnen regionaler Weinerzeugung und der Protektor, Ewald Endres, mitmarschieren. Die Jagdhornbläser Ehrbachklamm mit ihrem Leiter Georg Ritt haben zum Sammeln vor dem Weingut Albrecht Schmitt geblasen.
Der Jagdpächter des Konzer Stadtteils hat, nach eigenen Angaben, erst einmal für gutes Wetter gesorgt, was allerdings nur einen Tag lang halten soll. "Ein Protektor ist ja so eine Art Schutzpatron", findet Endres. Er habe auch die Parforcehörner engagiert.
In Oberemmel werde beim Wein nur beste Qualität geboten, so Endres weiter. Er könne das beurteilen, denn er stamme aus einer Winzerfamilie. "Bereits Napoleon hat Oberemmeler Wein genossen", behauptete der Protektor und eröffnet mit dieser Feststellung das Fest der fröhlichen Menschen. "Das Weinfestival ist ein fester Bestandteil des Oberemmeler Kulturlebens", erklärt Besucherin Hildegard Kopp, die aus dem Ort stammt, dem TV. Diese Veranstaltung sei eine ganz besondere Weinprobe. Aus Westfalen ist Thorsten Groeger gekommen, der findet: "Der Wein ist super. Nur die Reden könnten etwas kürzer sein."
Etwas Kritik übt Schaustellerin Walburga Klein. Die 71-Jährige fordert: "Leute, bringt doch eure Kinder mit, damit diese Karussell fahren können." Tatsächlich sind das Kinderkarussell und der "Scheibenwischer", der die Insassen hoch in die Luft wirbelt, auch bei gutem Betrieb auf dem Festplatz zur schwach genutzt.
Die Schnupperweinerlebnisführung der beiden Kultur- und Weinbotschafter Claudia Kausch und Stefan Britz von der IHK in Trier fällt am Sonntag zwar nicht komplett ins Wasser, doch wegen des Starkregens wird an den Weinständen auf dem Festplatz über die edlen Tropfen informiert, statt die Winzer auf ihren Gütern zu besuchen. Die Teilnehmer erfahren, dass Riesling auf den Schieferböden eine Art "Wurzelheizung" hat, denn, so Kausch: "Die Sonne wärmt am Tag den Schiefer auf, der diese Energie wieder an die Pflanzen abgibt." Die Oberemmeler Lagen seien südlich oder südwestlich ausgerichtet. Außerdem gebe es im ehemaligen Bett der Urmosel ein ganz besonders günstiges Klima für Riesling, Burgunder und Rivaner. Die Kelten, die bereits Weinbau betrieben, nannten Oberemmel Embilacum, was so viel heißt wie sumpfige Flussaue.
oberemmel.deExtra

Heute geht das Weinfestival weiter. Höhepunkt ist um 15 Uhr die Kochshow von Starköchin Léa Linster, die auch ihr neues Buch vorstellen will. Um 14 Uhr werden eine Schnupper-Weinerlebnisführung und ein Spielenachmittag mit Kaffee und Kuchen angeboten. Um 14.30 Uhr starten die Workshops des Oberemmeler Kindergartens. Ab 17.30 Uhr spielt die Winzerkapelle. In den Musikpausen versteigert Max von Kunow Weinraritäten zugunsten sozialer Zwecke im Ort. Ab 21 Uhr spielt die Leiendecker Bloas. Aufgrund der schlechten Witterung am Sonntag entschieden sich die Verantwortlichen kurzfristig, die geplante Weinprobe auf den heutigen Montag, 18 Uhr, zu verlegen. Die Karten behalten ihre Gültigkeit. Wer am Montagabend verhindert ist, kann seine Karte an den Weinständen zurückgeben. Auch das Feuerwerk wurde von Sonntagabend auf Montag um 23 Uhr verlegt. doth