Feilschen um Agrarzentrum: Perl oder Mertert?

Feilschen um Agrarzentrum: Perl oder Mertert?

Luxemburgische Bauerngenossenschaften planen eine neue Futtermittelfabrik. Zurzeit prüfen sie, ob das Agrarzentrum ins saarländische Perl oder an den Merterter Hafen kommt. Egal, welcher Standort es wird: Der Bauernverband Trier-Saarburg verspricht sich Vorteile für die Landwirte in der Region.

"Wir haben sie nicht mehr alle", meinte Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker Ende Juni zu Plänen des luxemburgischen Verbands Group. Der Zusammenschluss aus lokalen Landwirtschaftsgenossenschaften will 61 Millionen Euro in ein neues Agrarzentrum mit zwei Standorten, investieren. So sollen neue Märkte erschlossen werden.

Einer der Standorte wird Colmar-Berg bei Ettelbrück. Dort sollen für 38 Millionen Euro ein Getreidesilo, das 13.000 Tonnen fasst und 100 Arbeitsplätze entstehen. Am zweiten Standort sollen etwa 20 Arbeitsplätze, eine Futtermittelfabrik und eine Umschlagstelle für den Binnenschiffverkehr entstehen.

Als klar wurde, dass der Verband das saarländische Perl im Auge hatte (der TV berichtete), mischte sich der luxemburgische Ministerpräsident ein. Der Plan, nach Deutschland zu expandieren, stieß Juncker übel auf. So ließ er sich zu dieser Bemerkung hinreißen. Auch der Unabhängige Gewerkschaftsbund Luxemburg (OGBL) plädierte für eine nationale Lösung. In der Folge tat die luxemburgische Regierung alles dafür, den Standort Perl zu verhindern.

Die Verband Group erklärte wochenlang, dass die Errichtung einer Futtermittelfabrik am Standort Perl eine einzigartige Gelegenheit sei, die luxemburgische Landwirtschaft auf lange Sicht abzusichern. Mit dem neuen Zentrum könnten höhere Kapazitäten und niedrigere Kosten erzielt werden. Nach Junckers Intervention begann trotzdem die Suche nach einem Alternativstandort.

Weil der Verband unbedingt einen Zugang zur Mosel und dadurch zur Binnenschifffahrt wollte, kam nur ein Standort infrage: der Hafen in Mertert. Dort sei ebenso wie in Perl ein Ladekai vorhanden, argumentierten die Politiker. Die Absicht, insgesamt 360.000 Tonnen Güter (Futtermittel, Dünger und Weizen) von der Straße auf den Fluss zu bringen, könne auch dort verfolgt werden.

Der Verband ließ sich beeinflussen, prüfte mit Unterstützung der Regierung erneut, ob die Einrichtung auch in Mertert möglich ist. Die Hafenbetreiber von Luxport zeigten sich interessiert. Zurzeit laufen Machbarkeitsstudien in Perl und in Mertert. Ende Juli verkündete der Verband dann, dass die Standortfrage offen sei und wahrscheinlich im Herbst entschieden werde. Unabhängig von der Standortfrage soll möglichst schon ab Frühjahr 2012 gebaut werden. Der Verband rechnet mit einer Bauzeit von 18 Monaten.

Der Standort Mertert hat für den Verband den Vorteil, dass für den Bau der Fabrik laut dem luxemburgischen Agrargesetz ein staatlicher Zuschuss von 30 Prozent möglich ist. Für Perl sprechen laut dem Verbandspräsidenten Jos Jungen vor allem wirtschaftliche Gründe. Davon profitierten vor allem die luxemburgischen Bauern, erklärte er. Das Projekt in Perl werde nicht subventioniert. Dennoch seien die Baukosten niedriger als in Luxemburg.

Walter Clüsserath, Vorsitzender des Bauern- und Winzerverbands im Kreis Trier-Saarburg, geht davon aus, dass die Landwirte in der Region unabhängig von dem Standort einen Vorteil von dem Bau dieses Agrarzentrums hätten. "Die Nähe zu einer Einrichtung mit Zusammenhang zu den grünen Berufen wirkt sich auf jeden Fall positiv aus", sagt Clüsserath. Konkurrenz belebe schließlich das Geschäft. Egal ob Perl oder Mertert, die Nähe sei für die Landwirte vom Hochwald bis an die Sauer gegeben. Zum Teil kauften sie schon jetzt ihre Düngemittel im Hafen Mertert.