Fest der Nationen in Wincheringen 2019

Internationale Feier an der Obermosel : Wo Menschen aus vielen Ländern an einem Tisch sitzen

Eine kulinarische Weltreise, bei der jeder etwas einbringen kann: Das internationale Fest führt in Wincheringen 13 Kulturen zusammen.

„Petrus ist unser Schutzpatron, und der arbeitet gut für unser Dorf“, sagt Karl Donkel, Vorsitzender  der Wincheringer Initiative für Heimat und Kultur, die zum vierten Mal das Fest der Nationen organisiert hat. Regnen könne es ja überall, aber nicht hier. 13 von den 50 im Dorf beheimateten Nationen präsentierten sich und vor allem die Gaumenfreuden ihrer Heimat an 16 Ständen, denn Hamburg, Nordrhein-Westfalen und der Verein mit eigenem Stand sind auch vertreten.

Eine kulinarische Reise rund um den Globus war so an einem einzigen Tag möglich. Über den Tag verteilt kamen mehr als 3000 Besucher an einem großen Tisch zusammen und fanden schnell Gesprächsthemen. „Alteingesessene und Neubürger finden so auch schnell zueinander“, sagt Donkel. Die Liebe gehe doch letztlich immer durch den Magen, auch die unter den Nationen.

Man hört Menschen lachen. Alle paar Meter steigt ein anderer Duft in die Nasen der Festgäste. Die Spezialitäten aus 13 Ländern wirkten einend. Donkel witzelt: „Wenn bei uns der Russe vor der Tür steht, will er uns nicht erobern, sondern mitfeiern.“

Das Fest wirkt auch nach. Dauer­hafte Freundschaften sind daraus erwachsen. Das Sprachengewirr aus Deutsch, Luxemburgisch, Englisch, Französisch, Portugiesisch, Moselfränkisch und sogar Chinesisch wirkt belebend.

Tanja Pais ist gebürtige Portugiesin und lebt seit 2013 in Wincheringen. In Landestracht ihrer Heimat bietet sie frittierte Stockfischbällchen an und sagt: „Das ist eine echte Spezialität.“

Kati Weyand, geborene Pecuchova, kommt aus Tschechien. Mit ihrem Mann Stefan und den Söhnen Oliver und Leonard bieten sie Hochprozentiges, bereiten aber auch eine Schlachtplatte oder schmieren Schmalzbrote mit Zwiebeln. Sie schätzen, wie schnell man in Wincheringen Freunde findet. „Internationalität macht doch nur beim Zusammenleben Sinn“, findet Kati.

Eine Deutsch-Chinesische Verbindung sind Yiping Li und Christian Knitterscheidt eingegangen. Sie lassen ihre Kunden staunen: „China verbindet man meist mit Reis. Wir bieten viele Nudelgerichte und gefüllte Pfannkuchen.“

Wie unterschiedlich die Mentalitäten schon in Deutschland sind, können Achim und Verena Unger beurteilen, die von Hamburg nach Wincheringen gezogen sind, sozusagen von der Elbe zum Elbling. Zwischen Fischbrötchen und süßen Leckereien erklärt Achim: „Hier sind die Leute viel offener. Man kann jemanden auf der Straße ansprechen und bekommt geholfen.“

Kunst aus Kenia bieten Sally Schuster und Jeannot Scheid an. „Damit unterstützen wir mit dem Verein Kenia-Freunde Luxemburg Projekte für Jugendliche“, erklärt Jeannot. Die meisten der anderen Stände spenden, was unterm Strich übrig bleibt, ebenfalls wohltätigen Zwecken.

Stammgast auf dem Fest ist Rudolf Fisch aus dem saarländischen Weiten. „Ich sehe das hier immer noch als meine Heimat an“, sagt der gebürtige Wincheringer. Deshalb schnappt er sich ein Dutzend Freunde und fährt jedes Jahr mit ihnen los. Wann kann man sich sonst schon an einem einzigen Tag rund um den Globus essen?

Bauchredner Andreas Fuchs hat den frechen Vogel „Rasputin“ dabei. Er nimmt in seinem Gastspiel Bezug auf das Fest, denn es handelt sich um einen Wandervogel, der schon viele Länder kennengelernt hat.

Gut 3000 Freunde internationalen Flairs besuchten das Wincheringer Nationenfest. Foto: Herbert Thormeyer

Und dann sind da noch die Briten. Brexit? Nein, danke, sagen de Engländer Adam Long, die Schottin Michelle Green und der Deutsche Ralf Nottmeier. Sie sind glühende Europäer.

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