"Fest gemauert in der Erden...

BEUREN-PROSTERATH/OTZENHAUSEN/THALFANG. Der frühere Bergbautechniker Edgar Schwer stöbert denkmalgeschützten Glocken nach.

Seit mehr als zehn Jahren beschäftigt sich Edgar Schwer mit Glockenforschung. Wo immer in der Region ein Glockenguss ansteht oder die Sanierung eines Kirchturms, begibt er sich auf die Fährte "der alten Meister". Die ansonsten in oft unzugänglichen Türmen verborgenen Werke sind für den früher im Bergbau tätigen Otzenhausener wahre Kleinode. Daher widmet sich der Rentner an der Theologischen Fakultät in Trier intensiv den Studien der Kirchengeschichte. Daneben nimmt der Forscher, der Mitglied des Deutschen Glockenmuseums auf Burg Greifenstein (Westerwald) ist, an internationalen Kolloquien teil, wie kürzlich in Utrecht. Was ihn so sehr an Glocken fasziniert, weiß der Endfünfziger nur zu genau.Kulturelles Erbe kleiner Ortschaften

Bei ihrer Weihe werde die Glocke ehrfürchtig bestaunt. Danach verschwinde sie für immer im Turm, und nur ihre eherne Stimme sei noch zu hören. Alte Glocken seien "Artefakte, von denen sich die Genesis einer Ortschaft ableiten lässt." Mangels Reichtümern seien Kirchen, Kapellen und Glocken das kulturelle Erbe kleiner Ortschaften. Und alte Glockengießermeister seien wahre Künstler gewesen. Abgesehen von der Begabung, den Ton vorher zu bestimmen, zeige sich ihr Können in der Glockenzier. Schwers Freude ist daher groß, wenn er ein Exemplar von oft unschätzbarem Wert entdeckt. So etwa Glocken aus der Prosterather Gießerei Cornely. Begründet von Johann Adam Cornely, ist deren Ära zwar kurz, aber bedeutsam. Denn Cornely und seine Söhne Peter und Ewerhardus hatten es von 1779 bis 1832 mit schwierigen politischen Verhältnissen zu tun. So sind laut Schwer aus dem frühen 19. Jahrhundert im gesamten Trierer Land nur wenige Glockengüsse bekannt. Wegen des hohen Rohstoff-Bedarfs der napoleonischen Armee sei damals "Buntmetall für die Glockenspeise" schwer zu beschaffen gewesen. Daneben gab es ein konfessionelles Problem, wie etwa der Umguss einer Glocke der evangelischen Kirche Mülheim dokumentiert. Um sicherzustellen, dass diese den Hinweis auf das Eigentumsrecht der "Lutheraner" erhält, transportierten Pfarrer und Presbyterium sie heimlich nach Prosterath.Vier Glocken sind noch erhalten

Die Gießerei hatte ihren Sitz in einem Ort, der bis zur Eingliederung des linken Rheinufers in die Französische Republik (1794) als einzige katholische Gemeinde zum Amt Dhronecken zählte. Dazu Schwer: "Ob Cornely als katholischer Untertan der protestantischen Wild- und Rheingrafen in Kurtrier Glocken gießen durfte, ist unklar." Denn die Gießerei goss keine großen Geläute, sondern kleinere Glocken, von denen nur wenige erhalten sind. Sofern nicht bei Kirchenbauten ausgangs des 19. Jahrhunderts in Zahlung gegeben, wurden viele während der Weltkriege beschlagnahmt. Bisher sind vier erhaltene Glocken bekannt - drei in den evangelischen Dörfern Burtscheid, Etgert und Rorodt und eine in der katholischen Kapelle Herl. Die Geschichte der Gießerfamilie, die es trotz aller Widrigkeiten zu Wohlstand brachte, endet, als die beiden Brüder kurz nacheinander sterben und Söhne im Kindesalter hinterlassen. Nachzulesen in Heft 43 (2004) der "Hochwälder Hefte zur Heimatgeschichte II". Herausgeber: Verein für Heimatkunde, Nonnweiler. Preis 7,50 Euro. Kontakt: www.heimatkunde-nonnweiler.de oder Edgar.Schwer@t-online.de, Telefon 06873/7716.