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Feste, Kurse, Spielplätze: Netzwerk Hafen bietet Familien im Hochwald Hilfe an

Soziales : Feste, Kurse, Spielplätze: Netzwerk Hafen bietet Familien Hilfe an

Eine Gruppe Engagierter aus Hermeskeil könnte 2019 den Deutschen Kitapreis gewinnen. Was die Arbeit des vor vier Jahren gegründeten Familiennetzwerks so besonders macht, hat sich der Trierische Volksfreund genauer angeschaut.

An diesem lebhaften Abend in der Hermeskeiler Jugendherberge muss man schon etwas genauer hinsehen, um die Mitglieder des Familiennetzwerks Hafen zu erkennen. Teenager aus Hermeskeil, Kinder aus Syrien, ältere Menschen, Geistliche und Mitarbeiter der Jugendherberge plaudern miteinander und lachen, während sie am Büfett für duftendes Taboulé, gefüllte Weinblätter und Fleischbällchen anstehen. Darunter sind auch Karen Alt, der Hermeskeiler Diakon Andreas Webel und Kita-Leiterin Katja Ludes. Alle drei sind engagierte Mitstreiter des Familiennetzwerks.

Ohne sie würde die Veranstaltung vermutlich auch ohne Probleme ablaufen. Denn sogar die Gerichte haben die Gäste selbst gekocht und in Schüsseln mitgebracht. Doch ohne die Initiative der Netzwerker hätte es den interkulturellen Abend vermutlich gar nicht erst gegeben. Es brauchte jemanden, der den Anstoß gibt, der die richtigen Helfer zusammentrommelt und alles koordiniert.

Und darin ist die Gruppe, die sich Hafen nennt – das steht für die Schlagworte Hochwälder achtsam Familien engagiert Netzwerk –, richtig gut. Für ihre Initiativen in vielfältigen Lebensbereichen, inbesondere für junge Familien, könnte sie im kommenden Jahr mit dem Deutschen Kitapreis ausgezeichnet werden. Das Netzwerk ist einer von 15 Bewerbern, die Chancen auf die Auszeichnung in der Kategorie „Lokales Bündnis für frühe Bildung“ haben (siehe Hintergrund).

Karen Alt ist Koordinatorin von Hafen. „Im Hochwald gibt es viele Menschen und Initiativen, die etwas können und die sich für ihre Mitmenschen einbringen wollen“, sagt sie. „Aber oft kommen Angebot und Nachfrage nicht zusammen. Wir haben es uns deshalb zur Aufgabe gemacht, zu vermitteln.“ Im Zentrum der Vermittlungsarbeit stehen Familien mit Kindern im Kindergartenalter. Das Netzwerk möchte Ansprechpartner sein, Anlaufstelle für Rat und Hilfe – aber auch zu Eigeninitiative anspornen. Unterstützt wird es dabei von Partnern wie dem Dekanat Hermeskeil-Waldrach, der lokalen Politik, Vereinen und Beratungsstellen.

Am Beispiel des ehemals maroden Spielplatzes in der Kranicher Straße in Hermeskeil lässt sich das Prinzip des Netzwerks gut erklären: Laut Karen Alt wünschten sich viele Eltern, den Spielplatz wieder ansehnlicher und besser nutzbar zu machen. Also trommelte Alt 2014, im Jahr nach der Gründung des Netzwerks, eine Gruppe Eltern und anderer Helfer zusammen, die beim Bauen und Streichen der Spielgeräte halfen. Mit dabei: zwei Helfer, die Sozialstunden abzuleisten hatten. Den Kontakt zu ihnen hatte das Netzwerk bei einem runden Tisch zum Thema Jugendhilfe geknüpft, an dem auch ein Bewährungshelfer teilnahm. Auch die Stadt Hermeskeil war mit im Boot, stellte aufgrund der Elterninitiative ihre 19 öffentlichen Spielplätze auf den Prüfstand und legte einige still, um dafür andere attraktiver zu gestalten.

Die Unterstützungs-Angebote von Hafen sind mittlerweile breitgefächert. Wer zum Beispiel einen Raum für einen Kindergeburtstag, einen Babysitter oder einen Kurs für Schwangerschaftsgymnastik sucht, dem kann Karen Alt weiterhelfen (siehe Infobox). Die gelernte Erzieherin arbeitet dank einer Finanzierung durch Land und Landkreis derzeit mit einer 16,5-Stunden-Stelle für das Netzwerk. Weitere Mitstreiter sind die Hermeskeiler Kindertagesstätten Adolph Kolping und Rosa Flesch sowie St. Wendalinus in Beuren, das Mehrgenerationenhaus Hermeskeil und die Pfarrei St. Franziskus.

Für wie viele Projekte Hafen schon Helfer zusammengebracht hat, lässt sich kaum aufzählen. Eltern konnten zum Beispiel an Erste-Hilfe-Kursen teilnehmen, Jugendliche lernten, wie man Babys sittet, Migranten und Einheimische haben sich beim Kochen und Feiern kennengelernt. Zu den jüngsten Projekten, hinter denen Hafen steht, gehört ein Kurs mit dem Hunsrücker Künstler R.O. Schabbach, der für seine Lichtinstallationen an Bauwerken bekannt ist – zuletzt unter anderem am Hochmoselübergang bei Zeltingen-Rachtig. Schabbach unterstütze Kita- und Grundschulkinder aus Hermeskeil und Beuren dabei, beeindruckende Bilder auf Glas zu gestalten (der TV berichtete). Fast alle Angebote des Netzwerks sind dank Spendern kostenfrei und ohne verpflichtende Anmeldung nutzbar.

Ob diese Bemühungen 2019 mit dem Deutschen Kitapreis honoriert werden, wird sich bald entscheiden. 1600 Einrichtungen und Initiativen haben sich beworben. 25 Kitas und 15 lokale Bündnisse für frühe Bildung wie das Hochwälder Familiennetzwerk sind nun in der engeren Auswahl. Letzteres ist als einziges Bündnis aus Rheinland-Pfalz dabei. Im Mai 2019 werden die Sieger in Berlin gekürt. Dann stehen die Netzwerker, die sonst eher im Hintergrund arbeiten, vielleicht selbst einmal im Rampenlicht.