Feuchttücher beschädigen Pumpen in Klärwerken 90000 Euro Schaden allein in Konz

Problematische Kosmetikprodukte : Warum Hygienetücher im Klärwerk zum teuren Problem werden

Einmal-Waschlappen und feuchtes Klopapier beschädigen Abwasserpumpen. Werden solche Dinge in der Toilette runtergespült, verursacht dies allein in Konz jährliche Folgekosten von bis zu 90 000 Euro. Die Betriebe befürchten, dass es für die Kunden teurer wird.

Gerhard Kaiser klagt sein Leid: Feuchtes Toilettenpapier ist aus Sicht des Betriebsleiters Abwasserbeseitigung bei den Verbandsgemeindewerken Konz ein „Pumpenkiller“. Die Anlagen im Klärwerk an der Saarmündung leiden darunter. Etwa einmal wöchentlich taucht das Problem auf. Die Wartungs- und Reparaturfrequenz nimmt laut Kaiser zu. Das führe zu zusätzlichen Kosten von 80 000 bis 90 000 Euro pro Jahr. Diese Summe stecken die Werke in Ersatzteile und Arbeitszeit.

„Eigentlich könnte man das Geld in die Modernisierung von Anlagen investieren“, sagt Ralf Zorn, Leiter der VG-Werke. In den vergangenen fünf Jahren habe sich der Aufwand durch die achtlos heruntergespülten Tücher verdoppelt – „Tendenz steigend“. Mit der Belastung wachsen nicht nur die Kosten für den Betrieb von Kläranlagen. Das wirkt sich aus Sicht der Abwasserexperten auch auf die Verbraucher aus: Die Entsorgung von einem Kubikmeter Schmutzwasser könnte in Konz um sechs bis sieben Cent teurer werden. Statt 2,65 Euro würde sie 2,71 oder 2,72 Euro kosten.

Pumpenkiller Kaiser führt den TV durch die Kläranlage an der Saarmündung, um die Probleme zu veranschaulichen. An einem Becken laufen gerade mehrere Kreiselpumpen. Sie bringen Abwasser aus großen Teilen der VG durch schnelle Drehung von einem tiefer gelegenen Becken nach oben. An Schrauben am Rand der Pumpanlage haben sich vereinzelt Stofffetzen verfangen. Auf einem Gitter über dem tiefer gelegenen Becken liegt ein großer grauer Klumpen aus Tüchern. Solche Brocken beschädigten die Pumpen, sagt Kaiser. „Durch die Drehung der Pumpe werden die Dinger zusammengeflochten und stabil gemacht wie ein Seil. Dann sind sie irgendwann unkaputtbar“, führt er aus. Diese „Lumpen“, wie er sie bezeichnet, bremsten die Pumpen. Irgendwann müssten diese repariert werden. Das Problem habe sich verschärft, weil manch einer nicht nur Toilettenpapier oder Feuchttücher aus Vlies, sondern auch Einmal-Putztücher in die Toilette werfe, sagt Kaiser.

Deutschlandweites Problem Fest steht laut einer Studie, welche die Technische Universität Berlin mit Unterstützung der Deutschen Vereinigung Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) erstellt hat, dass Tücher aus Vlies besonders schädlich für Pumpen sind. Einer Umfrage unter 226 Abwasserbetrieben in Deutschland zufolge haben die Probleme bei 90 Prozent der Betriebe zugenommen. Vor allem sind – wie auch in Konz – Abwasserpumpen betroffen. Neben Vliestüchern seien auch Tampons und Damenbinden im Kanal problematisch. Textilien und Windeln tauchen laut der Studie seltener im Abwasser auf. Die Studie sagt auch etwas zu den finanziellen Auswirkungen der Tücher: Pro Jahr liegen die zusätzlichen Kosten für Personal, Material und Energie der Abwasserbetriebe zwischen 9175 und 33 500 Euro.

Feuchttücher beschädigen Pumpen

Unklare Produktbeschreibungen Während Einmal-Putzlumpen, Damenbinden oder Windeln auf keinen Fall im Kanal landen sollten und das so auch auf den Packungen steht, lassen die Produktbeschreibungen bei Feuchttüchern, feuchtem Toilettenpapier oder anderen Kosmetiktüchern oft offen, was mit ihnen geschehen soll. Von „leicht herabspülbar“, über „biologisch abbaubar“ bis hin zum Hinweis, dass die gebrauchten Tücher nicht in die Toilette geworfen werden sollten, ist alles auf den Verpackungen vertreten.

Laut der Studie spielt es aber keine Rolle, ob die Tücher als „spülbar“ oder „nicht spülbar“ verkauft werden. Die Betreiber fordern von den Herstellern der Tücher, dass sie „zersetzbar“ sind. Und die Tücher sollten nicht nur auf Toilettenspülbarkeit, sondern auch auf Verträglichkeit mit dem Abwassersystem hin geprüft werden. Das müsse eine unabhängige Einrichtung vor Markteinführung sicherstellen. Eine einheitliche Kennzeichnung wünschen sich die Abwasserbetriebe ebenfalls: Statt „spülbar“ soll bei unproblematischen Tüchern „unschädlich für das Abwassersystem“ auf der Verpackung stehen.

Die Tücher verstopfen Teile der Pump­anlagen, die dann ausgebaut und ausgetauscht oder gesäubert werden müssen. Foto: TV/Christian Kremer
Ein dicker, grauer Klumpen aus zusammengeflochtenen Tüchern liegt vor den Kreiselpumpen im Klärwerk an der Saarmündung. Foto: TV/Christian Kremer

Meinung eines Herstellers Aus der Wirtschaft äußert sich auf TV-Anfrage die umsatzstärkste Drogeriekette Deutschlands zu den Problemen mit den Feuchttüchern. Miriam Hopprich, verantwortliche für den Bereich im dm-Produktmanagement sagt, dass feuchtes Toilettenpapier „schon länger im Trend“ sei. Für die Eigenmarken gelte: „Alle bei dm verwendeten Toilettenpapiere im Erwachsenenbereich verfügen über eine spezielle Fasermischung, um Probleme bei der Spülung und im Klärwerk zu minimieren.“ Die bei den Eigenmarken verwendeten Materialien seien extra für die Entsorgung in der Toilette entwickelt worden und zersetzten sich beim Spülen, um Probleme in Kläranlagen zu vermeiden. „Die Spülbarkeit wurde von einem unabhängigen Institut getestet“, betont sie. Die Nachfrage, ob dieses Institut auch die Verträglichkeit mit Kläranlagen prüfe, beantwortet die dm-Sprecherin bis Redaktionsschluss nicht. Sie verweist aber auf den Verpackungshinweis, dass maximal zwei Tücher pro Spülgang genutzt werden sollten. Grundsätzlich bemühe sich dm, „sowohl eine hohe Reißfestigkeit bei der Anwendung als auch eine rasche Auflösung des Toilettenpapiers nach der Benutzung zu gewährleisten“.

Mehr von Volksfreund