Fichten fallen, um Moore zu retten

Fichten fallen, um Moore zu retten

Im Nationalpark Hunsrück-Hochwald werden im Rahmen eines Naturschutzprojekts ehemalige Moore wieder in ihren natürlichen Zustand versetzt. Dafür haben bei Thranenweier im Hunsrück umfangreiche Fällarbeiten begonnen. Die Kreisstraße 49 bleibt daher bis zum Monatsende gesperrt. Nationalparkbesucher aus dem Hunsrück müssen daher einen Umweg fahren.

Thalfang/Thranenweier/Neuhütten. Wer in den vergangenen Tagen die K 49 von Börfink in Richtung Thranenweier entlanggefahren ist, dem sind vielleicht die Schilder am Straßenrand aufgefallen: "Hier entsteht ein Moor, wir bitten um Ihr Verständnis", ist darauf zu lesen.
Aufgestellt wurden die Tafeln von Mitarbeitern des Nationalparkamtes Hunsrück-Hochwald, das sich derzeit gemeinsam mit der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz einem besonderen Naturschutzprojekt widmet.
Das EU-Projekt Life unterstützt den Erhalt und den Wiederaufbau natürlicher Lebensräume. Im Nationalpark sollen die ehemaligen Moore am Südhang des Erbeskopfes wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden. Die ersten Arbeiten an der Kreisstraße 49 bei Thranenweier haben schon begonnen.
Deshalb ist die Straße seit dem 1. September für den Verkehr gesperrt. Das wirkt sich auch auf Nationalparkbesucher aus dem Hunsrück aus. Denn statt von Thalfang aus den normalen Weg über das Hunsückhaus zu fahren, empfiehlt es sich jetzt, die Route über Malborn und Thiergarten zu wählen, um die wöchentlich angebotene Ranger-Tour zu besuchen. Diese startet jeden Dienstag um 14 Uhr am Forsthaus in Thranenweier, Sauerstegweg 18, wie Sören Sturm, Pressesprecher des Nationalparkamtes in Birkenfeld, erklärt.Tiere und Pflanzen retten


Was genau bei Thranenweier passieren wird, haben Projektverantwortliche kürzlich in Neuhütten vorgestellt. Dort erläuterte Georg Bauer, Abteilungsleiter für Biotop- und Wildtiermanagement im Nationalparkamt, wie die Renaturierung der Moore abläuft.
Insgesamt gebe es im Schutzgebiet rund 1300 Hektar Hangmoore, die nun nach und nach wiederhergestellt werden sollen, erklärte Bauer. Der Schwerpunkt liege zunächst bei Thranenweier. Dort werde versucht, die vom Menschen in der Vergangenheit stark beeinflussten Flächen wieder ihrem natürlichen Zustand näherzubringen. "Unsere Vorfahren haben die Moore entwässert und dort Fichten gepflanzt, um die Flächen irgendwie nutzbar zu machen."
Die Mitarbeiter des Projekts würden nun die auf den Moorstandorten wachsenden Fichten entfernen. Dazu wird laut Bauer eine "schonende, aber auch aufwendige Methode" eingesetzt: Die gefällten Bäume werden per Seilkran aus dem Moor gehoben. In den kommenden fünf Jahren sollen im gesamten Schutzgebiet rund 131 Hektar Fichtenbestände entfernt werden. Zusätzlich wolle man alte Entwässerungsgräben schließen und störende Wege in den Mooren zurückbauen. "Die Arbeiten laufen jetzt so richtig an", sagte Bauer.
Bis Jahresende werde zwischen Riedbruch und Thranenbruch gearbeitet. Die K 49 bleibe bis zum 30. September gesperrt, danach verlagerten sich die Arbeiten ins Waldinnere. Ziel des Projekts ist laut Bauer, "das bedeutende Ökosystem Moor zu sichern" - und damit den Lebensraum vieler seltener Tier- und Pflanzenarten. Forscher der Universität Koblenz würden zudem untersuchen, wie sich die Reaktivierung von Mooren auf das Zurückhalten von Regenwasser und damit auf den Hochwasserschutz auswirke.
Die Fällarbeiten werden vom Kompetenzzentrum Waldtechnik Landesforsten in Hermeskeil überwacht. Dessen Leiter Michael Schimper betonte, dass die "massive Holzentnahme" im Winter schon eine "Herausforderung" sei. Es werde "sehr viel Holz anfallen", das entlang der Straße gelagert, dort aber schnellstmöglich weiterverarbeitet und abgefahren werde. Man werde "großräumige Umleitungen" ausschildern. Sören Sturm vom Nationalparkamt ergänzt, dass anschließend mit keinen weiteren Straßensperrungen gerechnet werden müsse. Auch wenn es manch einen verwundere, dass im Nationalpark Bäume gefällt werden, sei dies nötig. "Die Fichte ist ein nicht standorttypischer Baum, der dort angesiedelt wurde. Deshalb müssen sie weg", erklärt Sturm. Nur so könne das natürliche Gleichgewicht und damit auch die Moore wieder hergestellt werden.

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