Fischer Geschichte in zehn Schritten

Seit Anfang dieses Jahres sind die Fischer in besonderer Feierlaune: Den 850. Geburtstag ihrer Gemeinde würdigen sie mit Veranstaltungen über das ganze Jahr verteilt. Ein Glanzlicht steht mit dem Patronatsfest des heiligen Jakobus und dem offiziellen Festakt am kommenden Sonntag bevor.

Die Jakobus-Kirche der Pfarrei Litdorf-Rehlingen ist ein beliebtes Pilgerziel, auch für Irmgard Hofmann aus Siegburg. Am Sonntag findet in der Kirche der Festakt zur 850-Jahr-Feier statt. TV-Foto: Hermann Pütz

Fisch. "Unter dem Strich ist es vielleicht alles ein bisschen viel. Aber schließlich werden wir nur einmal 850 Jahre alt, und das muss man gebührend feiern", sagt Dieter Schmitt, Ortsbürgermeister der Saargau-Gemeinde Fisch.

Bei einer großen Silvesterparty im Rittersaal des Jakobushauses ließen die Fischer die Korken knallen und läuteten das Jubiläumsjahr ein. Ausgiebig gefeiert wurde dann auch beim Fastnachts-Marathon, dem ersten kulinarischen Abend des Ortes in einer Scheune sowie beim Motorrad-Spektakel Ende Juni mit Biker-Gottesdienst und Motorrad-Segnung.

"Ein Höhepunkt war der kulinarische Abend, der restlos ausverkauft war, ein anderer wird das Viezfest im September und der nächste ist der Festakt am kommenden Sonntag", sagt Dieter Schmitt.

Gefeiert wird in der Kirche



Ungewöhnlich ist der Ort, den Ortsbürgermeister und der Fest-Ausschuss gemeinsam ausgewählt haben: In ihrer Pfarrkirche in Litdorf-Rehlingen wird die Gemeinde den offiziellen Part erleben. "Der heilige Jakobus, unser Schutzpatron, hat über Jahrhunderte den Menschen in Armut Halt gegeben - der Glaube hat stets eine Rolle gespielt. Warum also sollten wir die offiziellen Reden und den Festakt nicht in die Kirche legen?", erklärt Schmitt.

Dabei haben sich die Aktiven des Fest-Ausschusses etwas Besonderes für diesen Vormittag überlegt. Der Sonntag, 20. Juli, beginnt um neun Uhr mit einem Sektempfang vor der Kirche. Begleitet vom örtlichen Musikverein und dem Viezkönig-Paar werden die Besucher in die Kirche einziehen, wo für zehn Uhr die Messe vorgesehen ist.

Als besondere Gäste dieses Hochamtes kündigt Schmitt den ehemaligen Fischer Pastor Wilhelm Ehlen und Prälat Maximilian Hommens aus Ayl an. Der heimische Kirchenchor und der Musikverein Körrig werden die Messe mitgestalten.

Danach steht das Experiment auf dem Programm, für das sich auch Pastor Peter Leick nach Auskunft Schmitts spontan begeistern konnte.

Mit "Zehn Schritte durch die Fischer Geschichte" ist die einmalige Aufführung in der Kirche überschrieben. Gemeinde- und Pfarrgemeinderats-Mitglieder werden - gewandet in Original-Kostümen - die Epochen von der Römer- über die Franken- bis in die heutige Zeit jeweils in drei Minuten darstellerisch skizzieren. Dabei werden die Kirchenbesucher auf "alte Bekannte" treffen wie den Namensgeber Hermann von Fisch, den "Schworzen", der 1736 die nach Mannebach entführte Glocke zurück nach Fisch brachte, den letzten Bruder, der als Eremit lebte und die erste Schule Fischs gründete oder schließlich den heutigen Ortsbürgermeister, der einen Blick in die Zukunft der 360-Einwohner-Gemeinde wirft.

"Wenn man unsere Geschichte ernst nimmt, dann ist sie ganz stark mit der Kirche verwurzelt. Wir können uns bei dieser Vorführung an diesem Ort fragen, was sich für die heutige Zeit daraus ableiten lässt", beschreibt Schmitt.

Zum Darüber-Nachdenken, aber auch einfach nur zum gemeinsamen Genießen treffen sich Dorfbewohner wie Gäste beim anschließenden Kirmes-Essen vor der Kirche. Mit Märschklößchen-Suppe und Rindfleisch mit Remouladen-Sauce tischen die Vereine ein Essen auf, was heute noch bei einigen Fischer Familien als typisches Kirmes-Gericht in den Kochtöpfen gart.