Fischer spielen Eishockey ohne Eis

Ungewöhnlicher Verein : Fischer spielen Eishockey ohne Eis

Was in Fisch als Schnapsidee begann, hat dann doch konkrete Formen angenommen. Einige Fischer haben einen Eissportclub gegründet. Allerdings trainieren sie nicht auf Eis, sondern auf einem Kleinspielfeld, das eigentlich für Fußball konzipiert ist.

Die Forelle aus dem Fischer Wappen hält auf den Trikots den Schläger. Statt Pucks schlagen die Spieler rote Bälle. Mit Begeisterung für ihren neuen Sport trainieren die Mitglieder des Eissportclubs (ESC) Fisch – in Ermangelung von Eisflächen – auf dem Kleinspielfeld am Rande von Mannebach. Immerhin 20 Aktive sind dabei, allesamt Eissportfans. ESC-Präsident ist Matthias Wenzel.


Mehrere Fischer hatten Pläne geschmiedet, wie Eishockey im Ort etabliert werden könnte. Ortsbürgermeister Otmar Wacht war einer von ihnen. Er sagt: "Wir wussten schon, dass es bei uns selten Eis gibt." Es gab auch schon Überlegungen, Eisflächen anzulegen, aber, so Wacht: "Da macht uns der Klimawandel einen Strich durch die Rechnung." In Beaufort in Luxemburg steht die nächste Eishalle. Doch damit gibt es ein Problem. "Oft ist die Halle ausgebucht und wir bekommen keine Trainingszeiten", bedauert Wenzel.


Erschwerend kommt hinzu: Nicht jeder, der diesen Sport liebt, kann Schlittschuhlaufen, auch nicht jeder ESCler in Fisch. Deshalb spielen die Fischer ihr Eishockey eben ohne Eis. Beim Trockentraining werden Spieltechniken und Taktiken eingeübt. Ein Team besteht aus fünf Feldspielern und einem Torwart.

Fast alle Vereinsmitglieder sind Fischer Neubürger. Es gibt keine Beschränkung im Alter oder Geschlecht. Jeder darf mitmachen. Nicht einmal aus Fisch muss er sein.

Isabelle Thiltgen wurde im Jahr 2011 Neubürgerin in Fisch. Die 40-Jährige erklärt: "Bei einem Bierchen haben wir mit Freunden und Nachbarn beschlossen, hier mitzumachen." Das sei einfach eine tolle Sache.

Sechs Damen und sechs Jugendliche sind dabei. Einer der Jüngsten ist Melvin. Der Zehnjährige findet Eishockey richtig cool: "Es ist ein schneller Sport und macht richtig Spaß."


Der "Präsi" Matthias Wenzel ist aktiver Hobbyspieler bei den Bad Nauheimer Tornados. Er lebt seit 2007 in Fisch. Ortsbürgermeister Otmar Wacht ist aktiver Fan der Kölner Haie. Beide besuchen sie oft die Spiele ihrer großen Vorbilder.


Professionell ausgestattet sind die Spieler aber schon mit Trikots der gleichen Qualität wie die Profis. Schläger können geliehen werden. Ganz normale Handschuhe und Sportschuhe genügen.


Ortschef Wacht sieht den neuen Verein als einen weiteren Baustein um die Dorfgemeinschaft zu stärken: "Unsere Vereine sind sehr gut geführt und engagieren sich." Auch die Eissportler packten bei Festen mit an.


In Fisch gebe es wohl mehr Vereinsmitglieder als die 403 Einwohner, schätzt der Ortschef. Der ESC ist der sechste Verein in Fisch.


Eine weitere Überlegung hat eine größere Chance: Ein Gauditurnier. Wacht ist Mitglied im Fanclub bei den Kallbach-Haien. Deren Präsident, Karl-Heinz May, brachte die Fischer Eiscracks auf diese Idee. Der Fischer Clubtrainer Alexander Küstner, ein professioneller Fitnesstrainer, wird sein Team dafür fit machen.
Zum Thema Sicherheit sagt Wacht: "Eishockey ist eine sehr faire Sportart, auch wenn es hart zur Sache geht."

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