Fließende Grenzen

Als Filiale der luxemburgischen Pfarrei Wasserbillig gehörte die Gemeinde Oberbillig bis zum Wiener Kongress 1815 zum Großherzogtum Luxemburg. Die kirchliche Verbindung bestand aber noch wesentlich länger - sie löste sich erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Oberbillig. (kbb) Diese enge Verbindung zu Luxemburg findet sich heute noch im Oberbilliger Gemeindewappen wieder. Die untere Hälfte des geteilten Schildes ist abwechselnd mit blauen und silbernen Wellen gestaltet. "Diese symbolisieren natürlich die Lage an der Mosel", sagt Rudolf Molter, Konzer Heimatforscher und Ordinariatsrat im Ruhestand. "Aber durch die Farbgebung ergibt sich natürlich auch die Anlehnung an das luxemburgische Wappen."Politische und klerikale Gemeinschaft

Wasserbillig und Oberbillig bildeten über Jahrhunderte eine politische und klerikale Gemeinschaft, die zum einen durch die territoriale Neuordnung Europas nach dem Wiener Kongress 1814/1815 und andererseits durch die kirchliche Abgrenzung in den Jahren 1843 bis 1866 aufgespalten wurde. "1816 wurde Oberbillig in Preußen eingegliedert", sagt Molter. Der heutige Ort Oberbillig hat aber eine wesentlich ältere Geschichte: Als keltische Siedlung entstanden, ist der Name römischen Ursprungs und geht zurück auf die Bezeichnung "billiacum", was so viel bedeutet wie "Besitz des Billius". Als "Billiche" wird der Ort - wobei nicht klar ist, ob damit Ober- oder Wasserbillig gemeint war - erstmals urkundlich im Jahr 992 erwähnt. Anhand einer Urkunde von 1293 kann Oberbillig aber zweifelsfrei als "Overbilliche" identifiziert werden. "In der Nähe der Kirche St. Barbara gibt es auch die ältesten römischen Funde in der Gegend", erklärt Molter. Übrigens kommt das Patrozinium der heiligen Barbara nicht von ungefähr - als Schutzheilige der Schiffer wacht sie auch heute noch über die Fähre, die Oberbillig und Wasserbillig täglich miteinander verbindet.