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Flüchtlinge und Arbeitsmarkt in Trier und im Kreis Trier-Saarburg

Arbeitsmarkt : Flüchtlinge auf dem schwierigen Weg zum Job

Der Syrer Mousa Alkoubi ist einer von 1985 Flüchtlingen in Trier und im Kreis, die arbeiten dürfen. Jobcenter und Handwerkskammer wollen möglichst alle in Lohn und Brot bringen. Obwohl das nicht einfach ist, herrscht Optimismus.

Mousa Alkoubi hat es geschafft. Der 28-jährige Syrer hat vor einem Jahr einen Ausbildungsplatz bei einem Optiker in Konz ergattert. Er ist einer von 1985 Flüchtlingen im erwerbsfähigen Alter in der Stadt Trier und im Kreis Trier-Saarburg. Noch bezieht Alkoubi wie die meisten Syrer, Afghanen, Eritreer, Iraker, Iraner oder Somalier Leistungen vom Jobcenter. Als arbeitslos gelten jedoch nur 385 (knapp 20 Prozent) Menschen mit Fluchthintergrund. Alle anderen sind mit Sprachkursen, Schule, Ausbildung oder anderen Fortbildungsmaßnahmen beschäftigt (siehe Info). Die Integration der Geflüchteten in den deutschen Arbeitsmarkt läuft also. Doch wie beurteilen die Beteiligten das Erreichte?

Der Azubi und sein Arbeitgeber Während die meisten der Geflüchteten laut Agentur für Arbeit mit sozialversicherungspflichtigen Jobs in der Gastronomie oder als Hilfsarbeiter tätig sind, gehört Azubi Mousa Alkoubi zu den Privilegierten mit Ausbildungsplatz. Er sagt: „Natürlich macht das Spaß, aber die Sprache ist schwer.“ Er ist 2015 aus der Stadt Nawa bei Damaskus geflohen. Dort hat er eine Fachhochschule besucht, um Buchhalter zu werden. Praktische Erfahrung fehlte ihm komplett, als er nach Deutschland kam. In Trier durchläuft er seit 2015 den üblichen Weg: Zunächst das Asylverfahren, dann den Sprachkurs. Schließlich landet er in der Handwerkskammer Trier und absolviert mehrere Praktika. Dann tut er etwas sehr Mutiges: Bei einem Sehtest für den deutschen Führerschein fragt er den Optiker Jörg Kranz von Fricken, ob er einen Ausbildungsplatz für ihn habe. Der Konzer Geschäftsmann ist so beeindruckt von dem Mut des Syrers, dass er Kontakt mit dem Jobcenter aufnimmt und ihn anschließend einstellt.

Bereut hat Kranz von Fricken das nicht: Pünktlichkeit, Fleiß und Ehrgeiz sind aus seiner Sicht kein Problem. Praktisch führe Alkoubi alle Arbeiten zuverlässig aus. Er füge sich auch in das Team ein, das sonst größtenteils aus Frauen besteht. Doch der Optiker aus Konz sagt trotzdem: „Dieses Projekt hatte ich mir einfacher vorgestellt.“ Er habe schon vorher Mitarbeiter mit ausländischen Wurzeln gehabt – zum Beispiel eine Russin, eine Turkmenin und eine Türkin. Aber Alkoubi habe kaum Deutschkenntnisse gehabt. Und genau das sei in einem Beruf zwischen Handwerk und Dienstleistung mit Kundenkontakt besonders problematisch, sagt der Optiker. Auch in der Berufsschule hat es der Syrer wegen mangelnder Sprachkenntnisse schwer. Das liegt wohl auch an seiner Art zu lernen: Zuerst übersetzt er den Stoff aus dem Deutschen ins Arabische, dann lernt er und übersetzt das Gelernte zurück. Das erste Berufsschuljahr muss er wiederholen.

Deswegen besucht Alkoubi auch einen Feierabend-Deutschkurs. Sein Chef unterstützt ihn dabei. Und der Konzer Optiker hat seinen Azubi dazu gebracht, in einen Verein einzutreten. Alkoubi ist seit kurzem bei den Schachfreunden Konz-Karthaus. Da werde zwar nicht viel geredet, aber es sei immerhin etwas, scherzt sein Arbeitgeber. Kranz von Fricken geht davon aus, dass die Ausbildung vier Jahre dauert, ein Jahr länger als normal. Aber: „Ich möchte, dass er nachher einen Gesellenbrief in der Tasche hat“, sagt der Konzer. Dazu brauche Alkoubi die Unterstützung der Arbeitsagentur.

Jobcenter und Handwerkskammer Und die Verantwortlichen im Jobcenter wollen laut eigener Aussage helfen und dafür sorgen, dass mehr Geflüchtete einem Job nachgehen. Immerhin kostet jeder Arbeitslose – unabhängig von seiner Herkunft – die Agentur für Arbeit rund 20 000 Euro pro Jahr. Geld, das aus Sicht der Jobcenter besser in Fortbildungen angelegt wäre. Das Ziel, möglichst viele in einen Job zu bringen, ist jedoch angesichts von etwa 70 Prozent Ungelernten unter den Zugewanderten eine Herausforderung, die nur gemeinsam zu bewältigen ist. Die Kammern, Berufsschulen und Jobcenter versuchen mit Projekten wie dem Praxis- und Vermittlungscenter der HWK gegenzusteuern (siehe Info).

Rüdiger Schneider, Geschäftsführer des Jobcenters Trier-Saarburg, sagt: „Menschen über 40 Jahre tun sich sehr schwer auf dem Arbeitsmarkt. Unser Ziel ist es vor allem, die jungen Menschen in Arbeit zu bringen.“ Genau darin besteht auch die Hoffnung der Handwerkskammer, die von Jahr zu Jahr mit unbesetzten Ausbildungsplätzen zu kämpfen hat. Carl-Ludwig Centner, verantwortlich für die Ausbildung bei der HWK Trier, sagt: „Wir zählen auf die Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund. Die Anstrengungen fruchten, aber es braucht Zeit.“ Bei einem Pressegespräch mit dem TV gehen er und seine Kollegen davon aus, dass es etwa fünf Jahre dauert, bis die Geflüchteten als Facharbeiter für den deutschen Arbeitsmarkt taugen. Schneider: „Was da an Integrationskraft auf den Arbeitsmarkt kommt, ist beachtlich.“