Flusskreuzfahrtschiff rammt Konzer Eisenbahnbrücke

Kostenpflichtiger Inhalt: Unfall auf der Mosel : Flusskreuzfahrtschiff rammt Konzer Eisenbahnbrücke (Update/Fotos/Video)

Ein Flussdampfer ist in der Nacht auf Donnerstag gegen eine Moselbrücke in Konz gefahren. Verletzt wurde niemand. Das Sonnendeck des Schiffs wurde schwer beschädigt. Der Unfall hatte zudem Auswirkungen auf den morgendlichen Bahnverkehr nach Luxemburg.

Das Sonnendeck des Flusskreuzfahrtschiffs Swiss Crown, das am Donnerstagmorgen im Trierer Hafen liegt, sieht aus wie ein Trümmerfeld. Das Boot ist Mitte September mit mehr als 70 Passagieren in Düsseldorf gestartet und sollte seine Fahrt ohnehin nach einem Abstecher nach Remich und Saarburg in Trier beenden. Bis 1.45 Uhr nachts am Donnerstag läuft alles rund. Die Passagiere schlummern glücklich in ihren Betten. Dann kommt das Schiff zu einer Bahnbrücke, die in Konz kurz vor der Saarmündung über die Mosel führt. Es knallt laut. Der Steuerstand des Schiffes stößt gegen die Brücke.

Ein Passagier beschreibt, wie er den Unfall erlebt hat: „Es hat fürchterlich gerummst“, sagt er. „Das Schiff hat gewankt.“ Er sei aus dem Bett gesprungen und habe aus dem Fenster geschaut. Dann habe er die Brücke gesehen, das Schiff sei weitergefahren. Andere Passagiere erzählen, dass sie zwar erschrocken seien, aber zu keinem Zeitpunkt Angst gehabt hätten. Am nächsten Morgen erfahren die Kreuzfahrtreisenden laut eigener Aussage beim Frühstück, was passiert ist. Der Trip mit dem Schiff nach Saarburg und Remich fällt aus. Es fährt stattdessen nach Ehrang in den Trierer Industriehafen, wo es repariert werden soll. Für sie sei alles normal weitergegangen, erzählen die Passagiere. Die Reederei sorge für Shuttlebusse, die sie nach Trier oder Luxemburg brächten, wo das Tagesprogramm geplant sei. Die Firma sei sehr bemüht. Ein Passagier sagt noch: „Ich freue mich, dass dem Schiffsführer nichts passiert ist.“

Schiff rammt Bahnbrücke in Konz

Und dieser scheint, blickt man auf die Trümmer, wirklich Glück gehabt zu haben. Das Dach des Führerhauses der Swiss Crown, das eigentlich vorne vor dem Sonnendeck angebracht ist, liegt am Heck. Trümmer des Aufbaus sind überall verteilt. Die Reederei selbst – die Scylla AG mit Sitz in Basel (Schweiz) – verweist auf TV-Anfrage auf einen Pressesprecher, der in Belgien arbeitet. Unter der von den Schweizern angegebenen Telefonnummer ist er für die Redaktion bisher nicht erreichbar gewesen.

Zum Unfallhergang gibt es deshalb bisher nur die  Darstellung der Polizei: „Der Schiffsführer verschätzte sich beim Absenken seines Steuerhauses und fuhr dieses nicht auf die für die Durchfahrt erforderliche Höhe herunter.“ Deshalb sei das Steuerhaus mit der Brücke kollidiert und erheblich beschädigt worden.

Auf Nachfrage bei der zuständigen Wasserschutzpolizei in Trier erklärt deren Leiter Achim Bartholome noch, dass unter den Steuerhäusern eine Hydraulik angebracht sei. Die Kapitäne müssten dafür sorgen, dass sie ihr Steuerhaus rechtzeitig vor einer Brücke senkten. „Es obliegt der Verantwortung des Schiffsführers, das richtig einzuschätzen“, sagt Bartholome, der davon ausgeht, dass der Kapitän zum Unfallzeitpunkt im Steuerstand war. Beim derzeitigen Pegel der Mosel hätte das Schiff aus seiner Sicht eigentlich unter der Brücke durchpassen müssen. Obwohl die Durchfahrtshöhen an Saar und Mosel zum Teil gering sind, ist sich Bartholome in einem sicher: „Bei diesem Unfall hat der Wasserstand keine Rolle gespielt.“

Nach dem Unfall durfte der Kapitän laut Polizei trotz eingeschränkter Manövrierfähigkeit des Bootes in den Trierer Hafen einfahren. Über die Höhe des Sachschadens könne er nichts sagen, erklärt Bartholome mittags. Schon am frühen Morgen heißt es in einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa, dass der Sachschaden laut Polizei im sechsstelligen Bereich liege. Die Ermittlungen zu dem Unfall dauern jedenfalls an.

Der Schiffsunfall hat am Donnerstag auch Auswirkungen auf den Verkehr: Schiffe dürfen den Bereich an der Brücke bis 5.30 Uhr nicht befahren. Der Bahnverkehr ist ebenfalls betroffen. Die Bahnbrücke ist mehrere Stunden bis 8 Uhr morgens gesperrt. Erst danach gibt ein Bahnsachverständiger die Strecke wieder frei. Normalerweise fahren an Wochentagen zwischen 5.30 und 8 Uhr fünf Züge von Trier nach Luxemburg. Die Berufspendler, die normalerweise darin zur Arbeit kommen, müssen am Donnerstag  auf Busse umsteigen. Zeugen des Unfalls gibt es auch auf dem Campingplatz in Konz, der direkt an der Brücke liegt. Zwei der Camper sind Willi und Uschi Rohner aus Appenzell (Schweiz). Sie seien von einem lauten Knall wach geworden, dann habe es nochmal  geknallt, erzählen sie. Neben den Rohners steht der Wohnwagen von Andreas und Sylvia Grigo aus Brandenburg. „Wir haben gedacht, die Brücke stürzt ein“, sagen sie. Ein lautes blechernes Schaben habe sie gehört, sagt Sylvia Grigo noch. Das Schiff sei zunächst Richtung Saarmündung gefahren. Die Rückfahrt nach Trier haben die Camper nicht beobachtet.

Foto: TV/Christian Kremer

Laut Ralph Nettekoven, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamts in Trier, darf das Schiff ohne Erlaubnis seiner Behörde nicht weiterfahren. Zuerst muss das Ausmaß des Schadens festgestellt werden. Dann sind Reparaturen notwendig, bevor die Swiss Crown wieder auslaufen darf.

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