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Revierleiter verabschiedet sich in den Ruhestand: „Förster – das war ein Kindheitstraum“

Revierleiter verabschiedet sich in den Ruhestand : „Förster – das war ein Kindheitstraum“

Michael Marx hat mehr als drei Jahrzehnte das Schillinger Forstrevier betreut. Ende März endet sein Dienst. Dem TV hat er erzählt, was ihm an seinem Beruf Freude bereitet hat und warum er mit einem Prominenten auf die Jagd ging.

Wer das große gelbe Haus am Ortsrand von Hentern betritt, der erkennt schnell, dass sich die Bewohner mit Wald und Natur verbunden fühlen. Im Wohnzimmer hängen Geweihe an den Wänden. Vor dem Kamin, in dem Holzscheite glimmen, döst Hund Max. Auf Einrichtungsstücken sind überall Motive mit Rehen und Hirschen zu entdecken – auch auf der Tischdecke. „Der Bezug zur Natur war bei mir schon immer da“, sagt Michael Marx. Seit etwa zehn Jahren lebt er mit seiner Frau Elsbeth in dem alten Forsthaus. Seit 34 Jahren leitet er das Forstrevier Schillingen. Ende des Monats geht der 65-Jährige in den Ruhestand.

Dass er sich so lange Zeit um die Pflege des Waldes kümmern würde, war zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn kaum absehbar, sagt Marx. Mit Krankenpfleger-Examen in der Tasche hatte er anderes geplant: „Es lief alles auf einen Pflegeberuf hinaus. Förster – das war ein Wunschtraum aus der Kindheit.“ In seinem Geburtsort Neuhütten (VG Hermeskeil) habe damals der Großvater im Wald gearbeitet. Der Förster habe häufig beim Skatspielen von seinen Abenteuern im Wald erzählt. Und im Winter die Kinder eingeladen, die Fütterung der Tiere zu beobachten. „Das waren tolle Erlebnisse.“

Förster zu sein, sagt Marx, das sei damals noch eine „recht elitäre Sache“ gewesen. „Da standen meist richtige Forstdynastien dahinter.“ Doch er versuchte sein Glück. 1981 bestand er die Aufnahmeprüfung bei der Forstdirektion in Trier, 1985 schloss er in Rottenburg am Neckar die Ausbildung für den gehobenen Dienst als Forstbeamter ab. Am 1. März 1986 übernahm er das Revier Schillingen. Aktuell betreut er dort 1750 Hektar Wald und 17 Waldbesitzer, darunter die Gemeinden Schillingen, Hentern, Lampaden, Heddert, Paschel und Vierherrenborn.

23 Jahre lebte das Ehepaar in Schillingen. Dann habe man ihnen zufällig das um 1871 erbaute Henterner Forsthaus zum Kauf angeboten, sagt Marx. Er habe es komplett umgestaltet. „Es ist schön, ein wenig abseits des Dorfs zu wohnen.“ Ein Gefühl von Freiheit – das schätzt der Förster auch an seinem Job. „Es gibt keine Stechuhr, kein Chef sitzt mir im Rücken.“ Besonders freue ihn, wenn er an vor Jahren gepflanzten Bäumen vorbeifahre und deren Entwicklung sehe: „Es ist toll zu sehen, wie man die Natur mitverändert.“

Seine Arbeit habe sich in den 34 Jahren aber auch gewandelt. Stark zugenommen habe der Dienst am Schreibtisch, beispielsweise zum Erstellen von Rechnungen für den Brennholzverkauf oder von Stellungnahmen des Forsts zu Bauprojekten. „Vieles erledigt man abends nach Feierabend.“

Ruhe und Entspannung finde er bei der Jagd, seiner großen Leidenschaft, die er im Staatswald auch dienstlich ausübe. „Ich bin dabei vielen interessanten Menschen begegnet“, sagt Marx. Etwa einem Mediziner, Ohrenspezialist aus Bremen, der seine Frau vor einer möglichen Taubheit bewahrt habe. Oder einem Verwandten von Campino, dem Sänger der Punkband Die Toten Hosen. Der prominente Rechtsanwalt aus Düsseldorf sei Jagdpächter im Hochwald gewesen und habe ihn gebeten, mit ihm zu jagen. Mit Marx’ Hilfe habe er sein erstes Wildschwein erlegt. „Ein ganz umgänglicher Mensch, überhaupt nicht abgehoben.“

Mehrere Revier-Reformen und die Zuständigkeit dreier Forstämter – Hermeskeil-West, Saar-Hochwald und aktuell Saarburg – hat der Förster erlebt. Schwierige Situationen gab es immer wieder. Die aktuelle Krise durch Klimawandel, Borkenkäfer und sinkende Holzpreise bereite ihm aber keine allzu großen Sorgen, sagt Marx. Die Sturmschäden von 1990 seien heftiger gewesen: „Da lag das Fünffache des üblichen Jahreseinschlags am Boden, jetzt ist es das Anderthalbfache.“ Er glaube daran, „dass sich die Natur mit der Zeit selbst hilft“.

Viel Spaß habe es ihm bereitet, touristische Projekte mit dem Verein Hochwald-Ferienland umzusetzen. „Ich bin für sanften Tourismus: die Menschen in den Wald holen und ihnen etwas Wissen mitgeben.“ So entstanden Barfußpfad, Baumlabyrinth und Naturlehrpfad in Schillingen sowie in Hentern ein Wissenspfad zur Jagd und ein Achtsamkeitspfad, auf dem man den Wald mit allen Sinnen erfährt. Seit 2014 ist Marx Ortsbürgermeister in Hentern und arbeitet mit vier Nachbarorten an der Einrichtung eines Bestattungswalds. Im Forst, stellt er fest, laufe vieles unbürokratischer als in kommunalen Verwaltungen: „Ich hadere oft damit, wie langsam man dort in die Gänge kommt.“

Offiziell aus dem Dienst verabschiedet wird der Förster am 31. März. Im Wald wird er danach trotzdem noch oft unterwegs sein. Denn künftig kümmert er sich um einen Privatwald im Saarland. „Ich freue mich darauf, den Job mal von einer anderen Seite kennenzulernen.“