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Folgen von Sturm und Borkenkäfer: Zerfer Wald ist vorerst keine verlässliche Geldquelle mehr

Folgen von Sturm und Borkenkäfer : Zerfer Wald ist vorerst keine verlässliche Geldquelle mehr

Um die 200 000 Euro aus dem Forsthaushalt fließen fast jährlich in die Zerfer Gemeindekasse. Der Borkenkäfer und Sturm Sabine sind schuld daran, dass die Prognosen für 2020 deutlich bescheidener ausfallen. Dennoch wird in zwei größere Projekte investiert.

Mit 1300 Hektar Wald ist Zerf die waldreichste Gemeinde im Gebiet des Forstamts Saarburg. Satte Gewinne aus dem Holzverkauf waren bislang die Regel. Um die 200 000 Euro standen häufig als Ergebnis der jährlichen Forsthaushalte fest. „Die Gemeinde hat davon profitiert. Aufgrund der klimatischen Entwicklungen sieht es derzeit etwas anders aus“, erklärte Forstamtsleiter Helmut Lieser im Zerfer Gemeinderat. Dort stellte er den Wald-Wirtschaftsplan für 2020 vor.

Ein Plus von 2300 Euro kalkulieren die Forstleute für das laufende Jahr – laut Lieser „für Zerf ein sehr bescheidener Ansatz“. Für 2019 seien 130 000 Euro geplant gewesen, erreicht würden wohl immerhin noch 90 000 Euro. „Im Moment ist es leider so, dass wir für die nächste Zeit nur die schwarze Null anvisieren können“, verkündete der Forstamtsleiter und erläuterte die Hintergründe.

Dem Sturmtief Sabine seien im Februar viele Bäume und damit rund 1000 Festmeter Holz zum Opfer gefallen. Weitere 15 000 Festmeter seien angefallen durch vom Borkenkäfer geschädigte Fichten. Der Schädling habe sich wegen der trockenen Sommer 2018 und 2019 rasant vermehrt. Weil riesige Mengen dieses Käferholzes den Markt überschwemmten, fielen laut Lieser die Preise in Mitteleuropa drastisch. Zu den finanziellen Verlusten komme der Aufwand für die Käfer-Bekämpfung und die Aufforstung der kahlen Flächen. Sollten sich die Holzpreise stabilisieren, sagte Lieser, dann falle das Ergebnis womöglich besser aus als die kalkulierten 2300 Euro.

Die Ratsfraktionen bedankten sich beim Forstteam für dessen gute Arbeit, die noch schlimmere Folgen für Zerf verhindert habe. Stefan Schmitt (CDU) beruhigte, dass es auch wieder aufwärts gehen werde. Theo Hasse (GfZ) mahnte: „Wir dürfen das nicht als Katastrophe sehen, sondern müssen nach vorne schauen.“ Für den Gemeindehaushalt seien die Zahlen eine schlechte Nachricht, erklärte Michael Finkler (Neue Liste Zerf). Ändern könne man sie aber nicht. Dieter Engelhardt (SPD) forderte, für eine effektive Bekämpfung von Käfernestern auch die privaten Waldbesitzer zu „sensibilisieren“.

Der Rat beschloss den Plan einstimmig. Darin enthalten ist eine Investition in den Walderlebnispfad Zerf, der bis 2021 instand gesetzt werden soll. Dank hoher Zuschüsse des Naturparks Saar-Hunsrück bleiben laut Lieser von 40 000 Euro Kosten nur 8000 an der Gemeinde hängen. GfZ-Mitglied Hasse begrüßte die Pläne: „Der Pfad ist in keinem einladenden Zustand. Da wir uns touristisch neu aufstellen wollen, brauchen wir solche Angebote.“

Der Gemeinderat entschied außerdem, ein Nasslager in Oberzerf zu reaktivieren. Dort wird Nutzholz aufbewahrt und zwecks Konservierung künstlich beregnet, um es später zu besseren Konditionen zu verkaufen. Die Kosten, um das Lager betriebsbereit zu machen, würden laut Förster Helmut Gödert zu 80 Prozent vom Land gefördert. Die Gemeinde müsse 35 000 Euro investieren, aber bis August tätig werden. Eine andere Option wäre die Verpachtung an das Land. Für den Fall größerer Katastrophen im Wald werden Nasslager benötigt, um Holz zwischenzulagern und damit den Holzmarkt zu entlasten. Zerf hätte dann den Anspruch, dort 3000 Festmeter Holz abzulegen – was aber im Katastrophenfall laut Gödert nicht ausreichend wäre. Die Ratsmitglieder plädierten dafür, das Lager in Eigenregie zu betreiben. Das finanzielle Risiko für Zerf sei überschauber, fand Ortsbürgermeister Rainer Hansen (CDU).