Forstamtsmitarbeiter packen ihre Sachen

Forstamtsmitarbeiter packen ihre Sachen

In Hermeskeil geht eine mehr als 100-jährige Geschichte zu Ende: Die Stadt ist künftig nicht mehr Standort eines Forstamts. Die Büro-Mitarbeiter der Behörde ziehen diese Woche nach Dhronecken, dem neuen Sitz des Forstamts Hochwald, um. Damit setzt das Land eine schon lange angekündigte Entscheidung um.

Hermeskeil/Dhronecken. Das Schild mit der Aufschrift "Forstamt" hängt zwar immer noch neben der Eingangstür. Doch in den Büros der Hermeskeiler Behörde stapeln sich schon die Umzugskartons. "Am Donnerstag kommen die Möbelpacker und bringen alles nach Dhronecken." Das sagt Bernhard Buss. Der 62-Jährige war seit 2004 Leiter des Forstamts Hochwald mit Sitz in Hermeskeil. Diese Aufgabe übernimmt er nun kommissarisch im zehn Kilometer entfernten Dhronecken.
Die dort schon lange in der Burg angesiedelte Behörde wechselt zum einen ihren Namen - aus dem Forstamt Dhronecken wird nun dort das Forstamt Hochwald. Zum anderen ändert sich auch das Zuständigkeitsgebiet (siehe Extra). Die Auflösung des Forstamtsstandorts Hermeskeil und der Umzug nach Dhronecken war eine Entscheidung mit frühzeitiger Ansage. Getroffen hat sie das Umweltministerium in Mainz im Januar 2014 (der TV berichtete mehrfach). Das Land will damit in der Hochwald- und Hunsrück-Region neue forstliche Organisationsstrukturen schaffen, die mit der geplanten Einrichtung des Nationalparks zusammenhängen. Denn die beiden früheren Forstämter in Hermeskeil und Dhronecken geben einen Teil ihrer Staatswaldflächen an den Nationalpark ab, dessen künftiger Verwaltungssitz sich in Birkenfeld befinden wird.
Buss betont im TV-Gespräch, dass auch nach der Übersiedlung nach Dhronecken die Bewirtschaftung des Walds nach seiner Einschätzung "weitgehend wie bisher laufen wird und sich auch an den Ertragsverhältnissen für die Waldbesitzer nichts ändert."
Das neue Forstamt Hochwald betreut nach Auskunft des Umweltministeriums eine Waldfläche von 16 500 Hektar, die sich auf rund 50 Kommunen verteilen. Wegen des geänderten Zuschnitts des Forstamts werden auch neue Reviergrenzen gezogen. Dies soll im Einvernehmen mit den Waldbesitzern - also neben Privatleuten auch Gemeinden - geschehen und zum 1. Januar 2016 umgesetzt werden.
Kommunalpolitiker der Stadt und Verbandsgemeinde (VG) Hermeskeil hatten sich nach Bekanntwerden der Landespläne im Frühjahr 2014 vergeblich gegen die Auflösung des Forstamts in Hermeskeil gewandt. Auch Buss hatte damals seinen Standpunkt deutlich gemacht, dass wegen der Infrastruktur ein Forstamtsstandort in Hermeskeil gegenüber Dhronecken Vorteile habe.
"Die Entscheidung ist aber nun mal gefallen", sagt der 62-Jährige nun im aktuellen TV-Gespräch. Auch Stadtbürgermeister Mathias Queck (CDU) hält es nicht für sinnvoll, noch einmal nachzukarten.
"Wir mussten die Entscheidung zur Kenntnis nehmen und werden die weitere Entwicklung aufmerksam begleiten. Wichtig ist, dass die Liegenschaft erhalten und weiter mit Leben gefüllt bleibt."
Mit dieser Aussage ist das Kompetenzzentrum Waldtechnik Landesforsten (KWL) gemeint, das im Mai 2014 am Hermeskeiler Forstamt eröffnet wurde. Dort arbeiten laut Ministerium knapp 35 Mitarbeiter. Davon sind 30 direkt am Standort Hermeskeil beschäftigt. Das KWL übernimmt Serviceleistungen im Nationalpark. So ist es für die Holzentnahme aus dem künftigen Schutzgebiet zuständig. Außerdem werden im KWL umwelt- sowie bodenschonende Holzernteverfahren entwickelt und erprobt, die später landesweit in den Wäldern angewendet werden.
Da in Hermeskeil auch weiterhin der Holzmarktservice und der Ausbildungsstützpunkt für Forstwirte bestehen bleiben, sieht das Land den Standort nicht geschwächt.
Ganz im Gegenteil: Hermeskeil werde mit dem KWL "im Vergleich zu einem herkömmlichen Forstamt deutlich gestärkt", sagte Ministeriumssprecherin Stefanie Lotz auf TV-Anfrage.

Extra

Das bisherige Forstamt in Hermeskeil hatte insgesamt 48 Mitarbeiter. Der kleinere Teil war dabei die Büromannschaft. Der Großteil der Bediensteten war jedoch über die Fläche verteilt - zum Beispiel die Revierförster. Nach Auskunft von Forstamt-Leiter Bernhard Buss werden sieben Mitarbeiter nach Dhronecken wechseln und dort Büroräume beziehen. Die neun Reviere erstreckten sich über die Verbandsgemeinden (VG) Hermeskeil und Ruwer sowie Teile der VG Trier-Land. Aus den landeseigenen Staatswald-Revieren Züsch und Königsfeld-Thiergarten werden Teile herausgeschnitten und dem Nationalpark zugeordnet. Das bisherige Forstamt Dhronecken war für sechs Reviere zuständig, die sich über die VG Thalfang, die Einheitsgemeinde Morbach und Teile der VG Schweich und Bernkastel-Kues erstreckten. Es hatte 49 Mitarbeiter. Ihm wird nun ein Teil des früheren Hermeskeiler Personals zugeordnet. Andererseits gibt auch die Dhronecker Behörde Mitarbeiter ab, weil zum Beispiel für die Reviere im Raum Morbach künftig das Forstamt Idarwald in Rhaunen zuständig ist. Aus den landeseigenen Staatswald-Revieren Erbeskopf und Malborn werden Teile herausgeschnitten und dem Nationalpark zugeordnet. Das neue Forstamt Hochwald mit Sitz in Dhronecken betreut nun künftig die Waldflächen in den VG Hermeskeil, Ruwer und Thalfang sowie in Teilen der VG Schweich und Trier-Land. ax Kontakt unter Telefon: 06504/95470; Fax: 06504/954729.

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