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Foto-Ausstellung: „Grenzräume“ in Saarburg von Ruth Stoltenberg

Saarburg : Fotoschau von Ruth Stoltenberg: Der besondere Blick auf vermeintlich Normales

Mit ihrer Ausstellung „Grenzräume“ im Saarburger Amüseum spürt die Serriger Fotografin Ruth Stoltenberg den Veränderungen der Lebensrealitäten im Dreiländereck während der vergangenen Jahrzehnte nach.

Ein riesiges Poster zieht den Blick magisch an, sobald man das Saarburger Amüseum am Wasserfall in der Altstadt betritt: Die einsame Zapfsäule für Dieselkraftstoff vor einem Wohnhaus zwischen Schengen und Remerschen zeugt von Zeiten, als Tanken in Luxemburg noch kein Shopping-Erlebnis mit Zigaretten, Sekt und Kaffee war. Doch das Schengener Abkommen von 1995, das unkomplizierte Grenzüberquerungen selbstverständlich machte, veränderte das Leben im Dreiländereck zwischen Deutschland, Luxemburg und Frankreich in kaum vorstellbarem Ausmaß. Diesen Veränderungen spürt die Serriger Fotografin Ruth Stoltenberg mit ihrer Ausstellung „Grenzräume“ nach.

Stoltenberg sucht die besondere Perspektive, das Spiel von Licht und Schatten, die Aufhebung von Größenverhältnissen. All das geschieht ganz unaufdringlich und natürlich. Die Folge: Die Fotografien sind schön anzuschauen. Und trotzdem gibt es in jedem Bild etwas, was den zweiten Blick aufregender macht als den ersten.

Ruth Stoltenberg hat ihre Kindheit in Serrig verbracht und besuchte in Saarburg das Gymnasium. Sie interessierte sich früh für Sprachen. Daher ging sie nach dem Abitur nach Auxerre (Frankreich), um auch das französische Abitur, das Baccalauréat, zu erlangen. So lernte sie bereits als junge Frau das Leben in anderen Regionen, jenseits der gewohnten Grenzen kennen.

Zurück in Deutschland studierte Ruth Stoltenberg in Heidelberg Französisch und Portugiesisch, um dann nach Hamburg zu ziehen, wo sie mit ihren Sprachkenntnissen beim Fernsehbezahlsender Premiere in der Programmabteilung arbeitete.

„Ich bin über den Film zur Fotografie gekommen“, erzählt Stoltenberg über ihren Werdegang. Sie besuchte diverse Seminare bei renommierten Institutionen, um ihre Intuition als Autodidaktin auf stabile Füße zu stellen. Der Fotograf und Dozent Wolfgang Zurborn, seit 1998 Mitglied im Präsidium der Deutschen Fotografischen Akademie, fasst seine Sicht auf Stoltenbergs Arbeiten so zusammen: „Gerade die Verflechtung einer subjektiven, persönlich begründeten Perspektive mit einer analytischen Reflexion der politischen Zusammenhänge macht die besondere Qualität dieser fotografischen Arbeit aus.“

Die in der Ausstellung „Grenzräume“ zu sehenden 29 Werke – die Schau verteilt sich auf das ganze Amüseum-Gebäude bis ins Dachgeschoss – sind auch käuflich zu erwerben. „Die Auflage pro Bild ist auf acht Exemplare beschränkt“, sagt Ruth Stoltenberg.

Öffnungszeiten des Amüseums: montags bis freitags und sonntags, jeweils von 11 bis 16 Uhr, samstags geschlossen. Die Ausstellung „Grenzräume“ kann noch bis zum 15. Januar 2023 besichtigt werden.