Kolumne: Frag Vroni : Wie viele Rückstände enthält deutscher Wein?

Hätte sich Gabi aus Saarburg mit ihrer Frage an ZDF-Satiriker Jan Böhmermann gewendet, weiß ich nicht, was dabei herausgekommen wäre. Vielleicht erinnert ihr euch an seine erste Weinbeschimpfung im deutschen Fernsehen.

Wenn nicht, habt ihr nichts verpasst. Gabi will wissen: „Wie viele Rückstände von Pestiziden und Fungiziden enthält unser deutscher Wein und wer kümmert sich darum? Wie hoch sind die Werte,  werden auch ausländische Weine ernsthaft untersucht?“

Diese Fragen habe ich an das Landesuntersuchungsamt in Rheinland-Pfalz geschickt, kurz LUA genannt. Diese Fachbehörde ist zuständig für Verbraucher- und Gesundheitsschutz. Sie nimmt unter anderem Aufgaben in der Lebensmittelüberwachung wahr. Und zwar für deutsche und ausländische Weine. Von dort hat mir Pressesprecherin Kerstin Stiefel geschrieben: „Von 2019 bis 2021 – 2022 ist noch nicht abschließend ausgewertet – wurden im LUA insgesamt 149 Proben von Wein auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln untersucht.“ Davon stammten 118 Proben aus Rheinland-Pfalz, 31 aus anderen Bundesländern. Wieso das denn? Stiefel sagt: „Weil Rheinland-Pfalz in Deutschland der größte Weinhersteller ist, nehmen wir natürlich mehr die Weine aus Rheinland-Pfalz unter die Lupe, aber „ernsthaft“ prüfen wir alle untersuchten Weine, auch die aus dem Ausland.“ Das Ergebnis: Bei keiner Probe mit Ursprungsland Deutschland wurde eine Überschreitungen der Grenzwerte festgestellt. Hört sich gut an.

Warum aber müssen Reben und Trauben überhaupt mit Chemie behandelt werden? Geht das nicht ohne? Kerstin Stiefel erklärt das so: „Da die Traube und der Rebstock empfindlich auf Pilzkrankheiten und tierische Schädlinge reagieren, werden während der gesamten Vegetationsphase Pflanzenschutzmaßnahmen zur Gesunderhaltung von Reben und Trauben angewendet.“ In der Europäischen Union dürften Pflanzenschutzmittel nur dann verwendet werden, wenn wissenschaftlich nachgewiesen wurde, dass sie keine schädlichen Auswirkungen auf Verbraucher oder Landwirte, keine unannehmbaren Auswirkungen auf die Umwelt haben und hinreichend wirksam seien. „Die in Lebensmitteln festgestellten Pestizidrückstände müssen für den Verbraucher sicher und so gering wie möglich sein. Daher legt die Europäische Kommission für alle Lebens- und Futtermittel europaweit einheitliche Rückstandshöchstgehalte fest“, sagt die Pressesprecherin.

Und wie schneiden Weine aus dem Ausland bei den Untersuchungen des LUA ab? Insgesamt 16 Proben der Länder USA, Italien und Frankreich hat die Behörde von 2019 bis 2021 auf Pestizide untersucht.  Der erlaubte Höchstgehalt an Pestizidrückständen sei nur in einer Probe aus dem Ausland übertroffen gewesen. Zum Schluss habe ich dann noch eine Frage: Warum werden eigentlich nicht mehr Stichproben gemacht? Darauf sagt Stiefel: „In Trauben schon, aber in fertigem Wein werden (zum Glück) sehr selten Pestizidrückstände jenseits der erlaubten Höchstmenge nachgewiesen. Deshalb werden auch mehr Stichproben von Obst und weniger von Wein auf Pestizide untersucht.“

Habt ihr Fragen zum Thema Wein? Dann fragt mich. Schickt eure Fragen an: v.kerl@volksfreund.de Bitte Vornamen und Wohnort nicht vergessen.