Fragebogen-Aktion in Hermeskeil: Was fehlt in der Stadt?

Stadtentwicklung : Bürger sind gefragt: Was fehlt in Hermeskeil?

Es winken Millionen-Zuschüsse für die Aufwertung der Innenstadt. Um herauszufinden, welche Verbesserungen sich die Hermeskeiler wünschen, startet in den nächsten Wochen eine Befragung. Bei Workshops im April können sich die Bürger ebenfalls einbringen.

Wie zufrieden sind die Menschen in Hermeskeil mit dem Stadtbild? Fehlt ihnen eine wichtige Einrichtung? Was sagen sie zu Verkehrswegen, Freizeitangeboten oder zur Wohnsituation für Senioren und junge Familien? Zu solchen Fragen möchten die politischen Vertreter der Stadt möglichst viele Antworten zusammentragen. Dabei soll ihnen ein Fragebogen helfen, der über die Heimatzeitung Rund um Hermeskeil an alle Haushalte verteilt werden soll.

Hintergrund ist das Förderprogramm Stadtumbau, in das Hermeskeil aufgenommen wurde. Aus diesem Fördertopf winken in den kommenden zehn Jahren Zuschüsse von bis zu sechs Millionen Euro für Projekte zur Aufwertung der Innenstadt. Laut Stadtplanerin Julia Kaiser vom Büro Stadtgespräch ist dies „eine Riesenchance, den Stadtkern auf Vordermann zu bringen und lebendig zu halten.“ Die ersten 112 000 Euro sind inzwischen vom Land bewilligt, teilte Stadtbürgermeister Mathias Queck (CDU) im Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung mit: „Der Bescheid kam am 2. Januar, jetzt können wir richtig loslegen.“

Doch bevor es an Planung und Umsetzung von Bauvorhaben geht, für die jeweils eine 75-prozentige Förderung feststeht, muss die Stadt noch Hausaufgaben erledigen. Dazu zählt die Befragung der Bürger. Entwickelt wurden insgesamt zwei Fragebögen, wovon aber nur einer an alle Haushalte geht. Darin sollen die Bürger Aussagen zu Themen wie Nahversorgung, Verkehr, Bauen/Wohnen, Betreuung, Freizeit, Tourismus, Handel und Gastronomie bewerten – und zwar mit Noten von 1 wie „trifft in vollem Umfang zu“ bis 6 wie „trifft nicht zu“. Zusätzlich gibt es Platz, um Anregungen, Wünsche und fehlende Angebote zu notieren. „Man kann das schnell beantworten, indem man nur Kreuzchen macht. Man kann sich aber auch ausführlich äußern“, erklärte die Planerin, die das gesamte Projekt begleiten wird.

Auf Anregung eines Ausschussmitglieds soll der Fragebogen auch online über www.hermeskeil.de abrufbar sein. Zeit zum Ausfüllen bleibt bis zum 3. März, Abgabe ist im Rathaus. Den zweiten Fragebogen erhalten per Post nur diejenigen, die ein Haus im potenziellen neuen Sanierungsgebiet besitzen. Dieses Gebiet ist noch nicht exakt abgegrenzt, liegt aber im Bereich von Fußgängerzone, Donatusplatz, Neuer Markt und Teilen der Saarstraße und Trierer Straße. Dort sollen auch private Sanierungsvorhaben bezuschusst werden, wie hoch, ist vom Stadtrat noch festzulegen. Zusätzlich winken dort steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten.

Der Fragebogen soll nun Aufschluss darüber geben, wie hoch der Sanierungsbedarf und die Handlungsbereitschaft der Eigentümer sind. Die Fragen zielen auf Baujahr, Zustand und Nutzung der Gebäude ab und auf geplante Modernisierungen. Bevor ein Bauherr loslegen kann, muss er allerdings eine Vereinbarung mit der Stadt abschließen und die Förderzusage abwarten. Dabei hilft und berät Julia Kaiser.

Parallel zur Befragung werden die Planerin und ihr Team in den nächsten Wochen die Stadt Hermeskeil genau unter die Lupe nehmen. „Wir gehen durch das Gebiet und schauen uns an, wo es städtebauliche Missstände gibt.“ Diese Voruntersuchungen seien Pflicht. Vorgeschrieben ist laut Kaiser auch eine „intensive Bürgerbeteiligung“, die mit dem Fragebogen erst beginne. „Damit wollen wir ein erstes Stimmungsbild bekommen.“

Ins Detail gehe es dann in den Bürger-Workshops, die nach einer Auftakt-Infoveranstaltung (21. März) am 2., 9. und 16. April jeweils abends im Johanneshaus ablaufen werden. Jeder Workshop wird laut Kaiser ein übergeordnetes Thema haben. Am 7. Mai folgt ein Abend speziell für die Anliegen der Gewerbetreibenden, am 9. Mai die Abschlusspräsentation und am 14. Mai die Vorstellung der Ergebnisse im Stadtrat.

Bis sich der neue Stadtrat nach der Kommunalwahl (26. Mai) konstituiert hat, will die Planerin die gewonnenen Erkenntnisse auswerten und einen Vorschlag für das Entwicklungskonzept machen. Dieses ist Grundlage für die dann jährlich zu beantragende Förderung. Es enthält die geplanten Projekte für zehn Jahre inklusive grobem Zeitplan und Kostenschätzung. „Es ist aber flexibel und kann jedes Jahr angepasst werden.“

Einige Ausschussmitglieder befürchteten, die Ergebnisse der Befragungen könnten zu wenig Aussagekraft haben, weil man zu wenig Menschen damit erreiche. Manche boten an, in ihren Wohngebieten gezielt dafür zu werben, den Fragebogen auszufüllen und abzugeben. Die Menschen zu mobilisieren, das sei nun genau die Aufgabe aller Rats- und Ausschussvertreter, sagte Kaiser: „Es geht darum, etwas für Hermeskeil zu tun. Je mehr Infos wir bekommen, desto besser.“

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