Frankfurt Jazz Trio brilliert im Kloster Karthaus in Konz

Kultur : Eine Reise durch die Geschichte des Jazz

Das Frankfurt Jazz Trio liefert in Konz ein Konzert, das nicht nur Kenner mit der Zunge schnalzen lässt.

Klassischen Jazz der Extraklasse hatte sich Johannes Tittel, der Kulturmanager der Stadt Konz für das Konzert im Festsaal des Klosters Karthaus gewünscht, und genau das hat er bekommen. Das kundige Publikum dankt es ihm und dem Frankfurt Jazz Trio mit höchster Aufmerksamkeit und kräftigem Applaus. Die drei Musiker spielen in dieser Formation schon seit 2001 zusammen, und das merkt man. Jeder Einsatz stimmt, die Verständigung klappt mit einem Augenzwinkern; spielt Mastermind und Klaviervirtuose Olaf Polziehn nur einen Akkord an, wissen Thomas Cremer (Schlagzeug) und Martin Gjanovski (Bass) sofort, wo die musikalische Reise hinführt, auch wenn mal Improvisationen angesagt sind. Und die Reiseroute ist weit geschwungen.

Viele Lieder sind Eigenkompositionen von Polziehn. Den Auftakt macht sinnigerweise die „Ouverture“. Dann folgt, zum sonnigen Abend passend, „When Spring comes“. Donald Kahns „A beautiful friendship“ zaubert Band und Publikum ein Lächeln ins Gesicht, das swingt, steigert sich furios, die Füße der Zuschauer wippen im Takt. Aber auch „Hope“ von Polziehn hat einen speziellen Groove und entwickelt mächtig Drive nach dem Klavier-Intro. Dabei kann der Komponist seine Meisterschaft am Flügel beweisen. Nach der Pause wird es vor den Fenstern des mit Kronleuchtern illuminierten  Festsaals langsam dunkel, und die Musik wird romantisch. Das zweite Stück des Amerikaners Johnny Mandel, „Solitary Moon“ (nach „Time for Love“ im ersten Teil) und vor allem „The Moon is a harsh mistress“ von Jimmy Webb sind zum Dahinschmelzen soulig, balladig. Da ist jeder mit sich ganz allein, in Gedanken versunken, vielleicht in Erinnerung an eine alte Liebe. Natürlich geben die drei Herren mit dem distinguierten Jazz-Programm noch zwei Zugaben. So endet ein herrlicher Mai-Abend nach Hoagy Carmichaels „One morning in May“ sehr stimmungsvoll. Ein Appell an alle potenziellen Zuschauer, die zu Hause geblieben sind, weil sie meinen, mit Jazz nichts am Hut zu haben: Hier haben sie etwas ganz Wunderbares verpasst!