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Frauen, die Welt und andere Probleme

Frauen, die Welt und andere Probleme

Seit 20 Jahren singt der Wahlschweizer Götz Widmann, der in Heidelberg aufgewachsen ist, seine Lieder. In der einmaligen Kulisse der angestrahlten Burg hoch über der Stadt Saarburg fanden rund 250 Zuhörer Gefallen an den Alltagsgeschichten, wie er sie für sein Publikum aufbereitet hat.

Saarburg. Ralf Steiner aus Konz kommt in der Konzertpause auf Götz Widmann zu, um ihm ein Kompliment zu machen: "Gut, dass es Leute wie dich gibt, die Nöte, Ängste und Freuden verarbeiten." Der Liedermacher mit Wahlheimat Schweiz spielte gemeinsam mit der Kölner Band Billy Rückwärts, die mit ihrer frechen Alltagspoesie gut zu ihm passt.
Vor der angestrahlten Burg, umgeben von den Lichtern der Stadt, entstand eine ganz besondere Atmosphäre. Die geschätzten 250 Zuhörer saßen teils auf Bänken, teils auf Decken und lauschten andächtig.
Götz Widmann freut sich, wenn Fans textsicher sind und erkennen lassen: Ja, so isses. "Darum schreibe ich meine Lieder", sagt der studierte Betriebswirt, der in Heidelberg aufgewachsen ist. Dem TV verrät der 49-Jährige: "Liedermacher, das ist eine Art Handwerk." Nachts, wenn er seine Ruhe hat, fällt ihm meist zuerst ein Text ein. "Dabei hilft auch mal eine Flasche Bier", sagt er, wobei die Melodie zum Text am nächsten Tag eher durch guten Kaffee befeuert wird.
Zunächst war die Band Billy Rückwärts aus Köln auf der Burgbühne. Mit ihren Songs über das Leben sind Malte Quarz, Sebastian Franzen und Daniela Dietrich dicht an der Realität. So singen sie darüber, dass es zur Existenzkrise kommen kann, wenn man sein Smartphone nicht dabei hat.
Götz Widmann will sich das Recht auf Arbeitslosigkeit erkämpfen. Wegen des Volkes? Nein, wegen der Rente. Er errechnet inspiriert von einem Glascontainer, wie lang wohl die Reihe von Flaschen ist, die er in einem Jahr leert und stellt außerdem fest: "Mein bester Freund bin ich."
Fans, die ganz hinten in der Ecke auf der Treppe saßen, freuten sich: "Das ist witzig, unterhaltsam und poetisch vor fantastischer Kulisse." Ihren Namen wollten sie dann aber doch lieber für sich behalten.
Widmann fördert auch den Nachwuchs, wie etwa Marian Meyer aus Braunschweig, der ebenso gut in die Stilrichtung des Abends passte. Frauen, die Welt und alltäglich Probleme werden beschrieben. Widmann geht sogar so weit zu behaupten: "Ich bin schwanger, und weiß nicht mehr, wer die Mutter ist." Ein Lied aus skurriler Perspektive.