Freibad bleibt das Sorgenkind

KELL AM SEE. Für die Wasserversorgung und die Abwasserbeseitigung müssen die Verbraucher in der Verbandsgemeinde Kell am See 2006 nicht tiefer in den Geldbeutel greifen. Das entschied der VG-Rat in seiner jüngsten Sitzung. Das größte Sorgenkind der Werke bleibt der Betriebszweig "Freibad/Campingplatz", für den im nächsten Jahr ein Minus von 315 000 Euro kalkuliert wird.

"Das Leben wird teurer" - angesichts steigender Heiz- und Stromkosten sowie höherer Abfallgebühren gilt diese Aussage auch für die rund 3300 Haushalte in der VG Kell. Immerhin: Wenn ihnen im nächsten Jahr die VG-Werke die Entgelt-Abrechnungen für die Wasserversorgung und Abwasserversorgung ins Haus schicken, erwarten sie wenigstens in dieser Hinsicht keine neuen Grausamkeiten. Anders als im Vorjahr verzichtete der VG-Rat darauf, die Tarife 2006 (siehe Extra) zu erhöhen. "Schmerzgrenze" wird nicht überschritten

Beim Wasser hatten die Werke zwar vor dem Hintergrund eines voraussichtlichen Defizits von 70 000 Euro in diesem Betriebszweig darauf hingewiesen, dass eine Benutzergebühr von 1,63 Euro pro Kubikmeter notwendig wäre, um kostendeckend zu wirtschaften. Einhellige Meinung war jedoch im Rat, die "Schmerzgrenze" von 1,50 Euro nicht zu überschreiten und beim alten Tarif zu bleiben. Kein Minus, sondern sogar einen Überschuss von 29 000 Euro weist der Wirtschaftsplan der Werke im Bereich "Abwasserversorgung" auf. Die SPD nahm dies zum Anlass, eine Senkung der Schmutzwassergebühr auf 2,23 Euro pro Kubikmeter zu beantragen. Man wolle diese Forderung nicht als Trendwende zur Gebührensenkung auf lange Sicht verstanden wissen, betonte Fraktionssprecher Manfred Rommelfanger. "Es wäre aber eine Reaktion auf die aktuell positive Situation in diesem Bereich." Die CDU lehnte diesen Vorstoß jedoch ab. "Wenn wir die Gebühren jetzt auf stabilem Niveau belassen, können wir auch nächstes Jahr auf Erhöhungen verzichten", lautete der Standpunkt von Fraktionssprecher Klaus Marx. Bei der anschließenden Abstimmung schloss sich die Ratsmehrheit dieser Auffassung an, so dass der bisherige Satz von 2,30 Euro pro Kubik auch 2006 gültig bleibt. Mit Unterstützung der anderen beiden Fraktionen setzte die CDU eine wichtige Änderung im Investitionsplan der Werke durch. Die veranschlagten Gesamtkosten von 1,3 Millionen Euro für die Erneuerung der Kläranlage Lampaden seien zu hoch, monierten die Christdemokraten. "Da halten wir den Finger drauf und deckeln die Ausgaben bei einer Million Euro", sagte Marx. Somit soll das Planungskonzept für dieses Vorhaben noch einmal überarbeitet werden. Sorgenkind Nummer eins bleibt bei den Werken jedoch der Teilbereich "Campingplatz/Freibad". Die Werke rechnen dort 2006 mit einem Defizit von 315 000 Euro. Damit verschlechtert sich das Ergebnis gegenüber 2005 (minus 274 000 Euro) noch einmal um 41 000 Euro. Dabei profitiert dieser Betriebszweig sogar noch davon, dass mit den Einnahmen vom Campingplatz die Verluste im Bad abgemildert werden. Trotz des andauernden Sturzflugs in die roten Zahlen wurde im Rat die Zukunft des Freibads nicht in Frage gestellt.Ärger über die Aufsichtsbehörde

Was die kommunalen Vertreter der VG Kell jedoch besonders ärgert, ist die Tatsache, "dass unsere eigene Aufsichtsbehörde uns Steine in den Weg legt, wenn wir versuchen, unsere Einnahmesituation zu verbessern", kritisierte Klaus Marx. Der geplanten Erweiterung des Campingplatzes um 25 neue Stellflächen für Dauercamper hat die Kreisverwaltung nämlich einen Riegel vorgeschoben. Nach den Vorgaben des Brandschutzes würden von 25 nur noch drei neue Plätze übrig bleiben, informierte Bürgermeister Werner Angsten (CDU) den Rat. Diese Entscheidung wollen aber weder der Verwaltungschef noch die Mitglieder des Keller VG-Rat auf sich sitzen lassen. Deshalb ging bei diesem Streitpunkt vor allem Klaus Marx verbal in die Offensive. "Wir lassen uns nicht ins Bockshorn jagen. Wir wollen diesen Campingplatz bauen, und wir werden ihn auch bauen", betonte der CDU-Sprecher.