Freibad Kell fährt wieder hohe Verluste ein
Kell am See · Ein hartnäckiges Sorgenkind und ein Sanierungsfall, über dessen Zukunft sich noch größere Diskussionen anbahnen: Das waren am Dienstagabend prägende Punkte bei der Premierensitzung des Verbandsgemeinderats Kell unter der Regie des neuen Rathaus-Chefs Martin Alten (CDU). Das Keller Freibad schreibt erneut tiefrote Zahlen und ins Lampadener Grundschulgebäude müsste fast eine Million Euro gesteckt werden, um es zu modernisieren.
Kell am See. Das Lob kam vom Oppositionsführer und richtete sich an den neuen Bürgermeister: "Das hast du gut durchgezogen", sagte SPD-Sprecher Manfred Rauber zu Martin Alten (CDU), als dieser am Dienstagabend nach knapp 90 Minuten den öffentlichen Teil der VG-Ratssitzung im Kell beendete. Das Gremium hatte die Tagesordnung rasch und mit ausschließlich einstimmigen Beschlüssen abgearbeitet. Dabei ging es in der Sitzung auch um unerfreuliche Zahlen. Freibad Kell: Es ist kein Phänomen, das nur in der VG Kell auftritt. Freibäder in öffentlicher Hand sind vielerorts ein großes Verlustgeschäft. Auch die Politiker aus dem Raum Kell sind in dieser Hinsicht seit Jahren Kummer gewohnt. Freibad und Campingplatz gehören seit 2003 zum Eigenbetrieb VG-Werke. Wenn ein Defizit entsteht, können die Werke zwar einen Teil der Summe durch eine zweckgebundene Rücklage abdecken. Das meiste Geld muss aber aus der Haushaltskasse der VG entnommen werden. Im Rat ging es konkret um den von den Werken vorgelegten Abschluss 2013. Insgesamt wurde ein Verlust von rund 275 000 Euro eingefahren. Der VG-Etat wird auf der Ausgabenseite mit 226 000 Euro belastet. Das Ergebnis 2014 kann zwar noch nicht konkret beziffert werden und wurde im VG-Rat auch nicht behandelt. Es werde aber noch schlechter ausfallen als 2013, sagt Alten auf TV-Anfrage. Also ist mit einem Verlust von mehr als 275 000 Euro zu rechnen. In der Saison 2014 wurden nur 11 000 Besucher (2013: 21 000) im Keller Bad gezählt. Grundschulen Schillingen und Lampaden: Als ersten Schritt für das von Alten angekündigte Gesamtkonzept für die Grundschullandschaft in der VG hat ein Architekt den Sanierungsaufwand an den zwei Grundschulgebäuden in Schillingen und Lampaden eruiert. Um die Grundschule in Schillingen langfristig auf Vordermann zu bringen, wären 750 000 Euro nötig. Dass diese Sanierung angepackt wird, scheint unumstritten zu sein. Im ebenfalls vom Rat verabschiedeten Investitionsprogramm bis 2018 (separater Bericht folgt) ist dieser Betrag in mehreren Etappen vorgesehen. In erster Linie müsse das Gebäude energetisch saniert werden. Kurzfristig steht das Abdecken der Fensterfugen und die Reparatur der Blitzschutzanlage an, so Alten.Bei der kleinen Grundschule Lampaden sieht die Situation anders aus. Dort gehen zurzeit 19 Zweit- und Drittklässler in eine Kombiklasse, während die erste und vierte Klasse in Hentern unterrichtet werden. Ob das über 60 Jahre alte Lampadener Gebäude saniert wird, bleibt vorerst offen. Der Architekt hat den Kostenaufwand auf 960 000 Euro beziffert. Aufsteigende Feuchte im Untergeschoss des Hauses und alte Holzfenster sind dort zwei Problemzonen. In den nächsten Wochen sollen Experten der Unfallkasse und der Brandschutz-Abteilung der Kreisverwaltung das Gebäude genauer unter die Lupe nehmen. Danach wollen VG-Politiker mit Eltern, Lehrern und Ortsgemeinde zusammenkommen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Aus den Reihen des VG-Rats begrüßte es Erwin Rommelfanger (FWG), "dass wir uns an einem runden Tisch zusammensetzen und die Positionen abklopfen". Markus Franzen (CDU) sprach sich dagegen aus, "überall ein bisschen was zu machen. Wir müssen vom Kirchturmdenken Abstand nehmen. Auf sinnvolle Investitionen kommt es an." Diese Haltung unterstützte auch Rauber indirekt, als er direkt nach Franzen knapp bemerkte: "Es ist genug gesagt." Meinung
Schule vor unsicherer ZukunftMit der Entscheidung, das Schwimmerbecken für eine Million Euro zu sanieren, hat der VG-Rat Kell 2011 ein klares Bekenntnis abgegeben: Das Freibad soll erhalten bleiben. Etwa genau so viel Geld müsste die VG nun für die Sanierung der Grundschule in Lampaden aufbringen. Doch diesmal gab es in den Reihen des Rats niemand, der sich offen für den Erhalt dieses Standorts eingesetzt hätte. Offenbar scheuen doch viele VG-Politiker vor einer großen Investition für eine kleine Schülerzahl zurück. Es deutet einiges darauf hin, dass es für die Zukunft der Lampadener Schule eng werden könnte. a.munsteiner@volksfreund.deExtra
Bei der Frage nach Mitteln und Wegen, wie sich die Verluste im Freibad verringern lassen, herrschte im VG-Rat Ratlosigkeit. So sagte Walter Rausch (SPD). "Ich weiß nicht, wie das gehen sollte. Wir können ja nicht ständig die Eintrittspreise erhöhen." FWG-Sprecher Erwin Rommelfanger ist davon überzeugt, "dass wir ohne unsere Investitionen noch ganz andere Zahlen hätten". Das Schwimmerbecken war 2011 für eine Million Euro saniert und dabei verkleinert worden, so dass dort weniger Wasser verbraucht und Energiekosten eingespart werden. Klaus Marx (CDU) fasste es so zusammen: "Ein privater Betreiber wäre schon längst insolvent. Aber wir machen mit dem Bad ja auch Sozialpolitik." ax