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Freibäder in Saarburg und Kell öffnen mit hohen Auflagen

Infrastruktur : Freibäder in Saarburg und Kell öffnen, aber...

Keine Umkleiden, keine Rutsche, kein Springturm: Die Auflagen bei der Öffnung der Bäder sind immens. Der Badleiter sprach von „spaßbefreitem Bad“. Der Rat tat sich schwer mit der Entscheidung.

Es sind eine Menge neuer Regeln, die auf die Besucher der Freibäder in Saarburg und Kell am See in Zeiten der Corona-Pandemie zukommen. Zudem wird die Öffnung, die frühestens in Mitte Juni erfolgen kann, den Haushalt der Verbandsgemeinde Saarburg-Kell mehr belasten, als würden die Einrichtungen zubleiben.

Die Regeln Badleiter Frank Falkner stellte die „strengen“ Regeln, die wegen der späten Veröffentlichung der Vorschriften ganz kurzfristig aufgestellt werden mussten, in der Verbandsgemeinderatssitzung vor. Er fasste sie mit den Worten „spaßbefreites Bad“ zusammen. Die Änderungen beginnen beim Zahlvorgang. So soll der Gast nicht mehr bar an der Kasse zahlen, sondern online verbunden mit einer Anmeldung im Internet, bei der die notwendigen Daten wie Name, Adresse, Telefonnummer eingegeben werden. Wer sich nicht per Computer anmelden kann, dem soll im Bürgerbüro dabei geholfen werden.

Die Öffnungszeiten in Saarburg werden in drei Zeitfenster à drei Stunden eingeteilt. Im kleineren Bad im Hochwald soll es zwei geben. Der Gast muss sich bei der Anmeldung für eines der Zeitfenster entscheiden. Sind die drei Stunden abgelaufen, wird das Bad vollständig geräumt und etwa eine Stunde lang gereinigt und desinfiziert. Um den vorgeschriebenen Abstand von mindestens 1,50 Metern auch im Wasser einzuhalten, wird die Besuchermenge begrenzt. In Saarburg auf 372 pro Zeitfenster, in Kell am See auf 48. Im Hochwald soll nur ein Becken geöffnet werden.

Am Eingang wird es eine Desinfektionsstation geben, drinnen eine Wegeführung. Umkleiden, Duschen und Spinte bleiben geschlossen. Besucher müssen in Badekleidung kommen oder sich wie am Strand hinter dem Handtuch umziehen. Um Menschenansammlungen zu vermeiden, bleiben alle Attraktionen wie Rutschen und Sprunganlagen zu.

Um den Sicherheitsabstand von 1,50 Metern sicherzustellen, werden Doppelbahnen abgesperrt, in denen im Kreisverkehr geschwommen wird. Das Problem: Der Langsamste bestimmt das Tempo. Im Nichtschwimmerbecken wird der Abstand per Augenmaß kontrolliert. Bei Gewitter wird es keinen Unterschlupf geben, die Besucher müssen das Bad verlassen. Das Hallenbad bleibt geschlossen, weil es nur wenige Besucher fassen könnte.

Um all die Regen umzusetzen, wird mehr Personal benötigt. Falkner empfiehlt einen „Doorman“, also Türmann oder Ordner, der am Eingang unterstützt, denn der Badleiter rechnet mit Unfrieden. Zwei Personen müssen die Toilettenbenutzung und die Abläufe im Sanitärgebäude koordinieren. Liegewiese und Planschbecken müssen kontrolliert werden. Zum Reinigen werden mehr Kräfte benötigt. Macht zusammen fünf Mitarbeiter. Der Kiosk soll geschlossen bleiben, damit das dortige Personal im Bad unterstützen kann.

Der Rat Vor diesem Hintergrund blieben viele Ratsmitglieder skeptisch, und es gab viele Fragen. Zwei Stunden lang befasste sich das Gremium mit den Fragen rund um die Öffnung. Je später die Öffnung, desto größer das Defizit, sagte Falkner, der allerdings auch mit weiteren Lockerungen der Corona-Regeln rechnet. Alle Zahlen seien Schätzungen, hieß es. Die Verwaltung rechnet damit, dass das Defizit bei einer Öffnung um fast 400 000 Euro höher liegt als bei der Komplett-Schließung. Insgesamt würde sich ein Minus von etwa 780 000 Euro anhäufen. Nach den Fragen gab es eine 25-minütige Sitzungsunterbrechung, in der innerhalb der Fraktionen und auch fraktionsübergreifend teils sehr intensiv diskutiert wurde. Schließlich stimmten 17 Ratsmitglieder mit Ja, elf mit Nein, drei enthielten sich.