Freundschaft auf dem Prüfstand

Mit dem Abzug von Frankreichs Armee aus Saarburg geht ein Teil der Stadtgeschichte zu Ende. Gleichzeitig wird die deutsch-französische Freundschaft zwischen einigen Gemeinden im Umland und der Garnison auf die Probe gestellt. Stellenweise scheint sie bereits eingeschlafen zu sein.

Saarburg. An kaum einem anderen Ort ist die Freundschaft zwischen Deutschen und Franzosen intensiver gelebt worden als in Saarburg und Umgebung. Dabei war es das Militär, in diesem Fall das französische, das die ehemals verfeindeten Nationen nach dem Zweiten Weltkrieg dort wieder zusammengeführt hat. So unterhielt und unterhält manche Gemeinde aus dem Umland eine offizielle Partnerschaft mit einer Kompanie des 16. Jägerbataillons in Saarburg.

Gemeinsame Unternehmungen trugen dazu bei, dass die guten Beziehungen zwischen den Bürgern vor Ort und den Soldaten sowie deren Familien noch enger wurden.

In Ayl gibt es auch private Verbindungen



Unterdessen läuft die Verlegung des Bataillons ins 130 Kilometer entfernte Bitche in Lothringen auf Hochtouren. Wie aber geht es danach mit den Partnerschaften weiter?

Erst seit 2008 ist Ayl offiziell mit der Instandsetzungs- und Nachschubkompanie befreundet. Dennoch steht für Ortsbürgermeister Siegfried Büdinger fest: "Wir wollen die Freundschaft aufrechterhalten. Wie, das ist noch offen. Wichtig ist aber, dass wir als Gemeinde dranbleiben, sonst schläft die Sache ein." Unterdessen haben sich in Ayl auch schon private Kontakte zwischen Deutschen und Franzosen ergeben.

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert ist Irsch mit der Garnison, derzeit mit der Unterstützungs- und Versorgungskompanie, verbandelt. Ortsbürgermeister Jürgen Haag: "Wir werden auf jeden Fall versuchen, den Kontakt zu halten." Gleichwohl könne momentan noch keiner sagen, ob das auch gelinge. Etwas Zeit bleibt den Irschern noch, die Zukunft ihrer Partnerschaft zu planen. Haag: "Noch bis Oktober ist unsere Kompanie in Saarburg." Danach werde man die "französischen Freunde" mit einem gemeinsamen Ausmarsch aus der Kaserne verabschieden.

Trassemer wollen Kompanie besuchen



Ebenfalls "den Kontakt halten" will die Gemeinde Trassem, wie Ortsbürgermeister Wolfgang Benter berichtet, der die Entfernung zum neuen Standort des Bataillons und der vierten Kompanie für "nicht so entscheidend" hält. "Wir werden die Kameraden auf jeden Fall mal besuchen", kündigt Benter an.

Enttäuscht gibt sich Ockfens Ortsbürgermeister Leo Steinmetz. So sei die zweite Kompanie, zu der die Gemeinde bisher eine Partnerschaft unterhalten habe, schon 2009 nach Bitche verlegt worden - "still und heimlich", wie Steinmetz berichtet. "Seither haben wir nichts mehr von den Soldaten gehört." Generell hätten sich die Kontakte - abgesehen von offiziellen Anlässen mit Vertretern beider Seiten - in Grenzen gehalten, Beziehungen auf privater Ebene seien nicht entstanden.

Steinmetz: "Die Kompanie-Chefs und Soldaten haben zu häufig gewechselt, es gab praktisch kein Stammpersonal, mit dem man etwas Dauerhaftes hätte aufbauen können."