Friedensdienst für die Hilflosen

Saarburg-Beurig · Kinder und Jugendliche mit geistigen oder körperlichen Behinderungen werden in der ehemaligen Sowjetrepublik immer noch ausgegrenzt und weggesperrt. In solchen Heimen will Jakob Grüter den Betroffenen ein Stück Lebensqualität und Freude bringen. Der 19-Jährige sucht dazu noch Paten, die diesen Freiwilligendienst finanziell unterstützen.

 Will behinderten Kindern und Jugendlichen in Weißrussland helfen: Jakob Grüter (19), hier mit einem Abschiedsgeschenk einer Behinderteneinrichtung in Konz-Könen. TV-Foto: Herbert Thormeyer

Will behinderten Kindern und Jugendlichen in Weißrussland helfen: Jakob Grüter (19), hier mit einem Abschiedsgeschenk einer Behinderteneinrichtung in Konz-Könen. TV-Foto: Herbert Thormeyer

Saarburg-Beurig. "Ich weiß nicht, was mich erwartet. Die Situation der Betroffenen ist nicht mit Deutschland zu vergleichen", sagt Jakob Grüter aus Saarburg-Beurig. Der 19-jährige Abiturient will ein Jahr lang im Auftrag der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) in den weißrussischen Städten Minsk und Nawinki mit geistig und körperlich behinderten Jugendlichen arbeiten. Eine gemeinnützige Organisation vor Ort hilft ihm dabei.
"Kinder mit Behinderungen werden in Weißrussland immer noch in Heimen weggesperrt", weiß Grüter. Eine staatliche Einrichtung, in der er arbeiten wird, steht exakt an der Stelle, wo die Nazis im Zweiten Weltkrieg psychisch kranke Menschen unterbrachten und später ermordeten.
ASF stellte den Freiwilligen vor die Wahl, entweder Norwegen oder Weißrussland. Grüter entschied sich für den Osten, weil es im Norden im Winter monatelang am Stück dunkel ist.
Vorbereitet hat sich Grüter mit einem Praktikum bei der Lebenshilfe in Konz-Könen: "Der Behinderungsgrad der Betroffenen ist derselbe, aber die Umstände sind extrem anders." In solchen Heimen in dem autoritär geführten Staat herrsche vermutlich ein ziemliches Chaos. Individuelle Betreuung sei eher Mangelware. Grüter hofft auf engagierte Menschen vor Ort. "Urlaub wird das keiner", sagt der Saarburger selbstironisch. Doch was reizt ihn an dieser Aufgabe? "Es ist die Möglichkeit, mit wenigen Mitteln Behinderte zum Lächeln zu bringen", erklärt er im Gespräch mit dem TV. Dieses Glücksgefühl sei unbezahlbar. Für Grüter stand fest, nach dem Abitur eine Auszeit zu nehmen, um danach das große Ziel, ein Psychologiestudium, anzugehen. Ein Freiwilliges Soziales Jahr wollte er machen. Als Hilfsmittel für diese Arbeit kann er auf seine Musikalität zurückgreifen. Er spielt Querflöte und Kontrabass. "Das hat auch bei den Kindern in Könen gut geklappt", freut er sich. Bis zum Abflug am 1. September müssen noch Sponsoren (siehe Extra) gefunden werden. Eine weitere Herausforderung ist das Erlernen der russischen Sprache. Jakob Grüter ist sich sicher: "Wenn ich aus Weißrussland zurückkomme, kann mich bestimmt hier in Deutschland nichts mehr so leicht schocken." doth

Extra

Freiwillige, die im Auftrag der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V. entsandt werden, suchen sich für ein Jahr 15 Paten, die ihre Arbeit ein Jahr lang mit jeweils 15 Euro im Monat unterstützen. Diese Spende ist steuerlich absetzbar. Weitere Informationen gibt es direkt von Jakob Grüter, Tel. (06581) 1219. Er beantwortet auch Fragen, die per Mail ( jakob.grueter@t-online.de) an ihn gestellt werden. doth

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