Friedhofsstimmung

GUSENBURG.. Die Senioren in der Gemeinde sind sauer. Ihrem Wunsch hinsichtlich einer anderen Gestaltung der Rasengräber wurde nicht entsprochen. Der Ortsgemeinderat stimmte in einer emotionalen Sitzung mit zehn Nein- Stimmen bei vier Enthaltungen deutlich gegen eine hierfür notwendige Änderung der Friedhofssatzung.

Kopfschüttelnd, wortlos und frustriert sitzen fast 50 Gusenburger Senioren bei der Sitzung des Gemeinderates. Live haben sie gerade miterleben müssen, wie der Rat ihren Antrag auf Änderung der Friedhofssatzung mehr als deutlich abgelehnt hat. " Es ist schockierend wenn man sieht, dass sich kein Ratsmitglied sich für die Senioren einsetzt", beklagt ein sichtlich enttäuschter Karl-Heinz Nellinger, der Sprecher der Bürgergruppe. Dabei hatte die Bürgergruppe im Vorfeld sämtliche Hebel in Bewegung gesetzt. Hintergrund: Der Wunsch vieler Seniorinnen und Senioren nach anders gestalteten Rasengräbern war der Anlass, eine Befragung unter den über 60-jährigen Gusenburgern zu starten. Dabei haben sich 125 von 143 Befragten für anders gestaltete Rasengräber entschieden. Da die Rasengräber in Gusenburg nur mit einer Grabplatte und einigen persönlichen Daten versehen sind und aus Sicht der Bürgergruppe schlicht und bescheiden sind, schlugen sie dem Rat vor, die Gestaltungsvarianten der Rasengräber auf den Friedhöfen in Grimburg und Lockweiler auch in ihrem Heimatort zu übernehmen. "Wir wollen einen Grabstein mit maximaler Höhe von 40 Zentimetern und einen Grabsteinstreifen, der mit Mutterboden und Rindenmulch oder groben Kieselsteinen angelegt wird", lauteten die Vorschläge der Bürgergruppe. Außerdem soll erlaubt sein, auf dem Grabsteinstreifen eine Blumenschale und eine Grableuchte aufzustellen, was Ortsbürgermeister Heinz Schuh (CDU) während der Sitzung als "Firlefanz, der da nicht hingehört", abkanzelte. Doch die von der Bürgergruppe vorgestellten Gestaltungsmöglichkeiten stießen beim Gemeinderat auf keinerlei positive Resonanz. In einer hitzigen und vom Gemeinderat völlig unsouverän geführten Diskussion, die darin gipfelte, dass Ratsmitglied Frank Gerstel (CDU) mit den Worten, "dass ist mir hier zu niveaulos", fluchtartig den Raum verließ, war Bürgermeister Michael Hülpes ("Ich bitte doch sachlich und fair zu bleiben") mehr als Schlichter denn als Moderator gefordert. Erst nach dem Abstimmungsergebnis beruhigten sich langsam die Gemüter. "Wir haben uns für die kostengünstigere Lösung entschieden", teilte Ortsbürgermeister Heinz Schuh am Tag nach der Sitzung auf Anfrage mit. Der Rat habe sich schon vor längerer Zeit für die jetzige Form entschieden, und alles andere bedeute mehr Arbeit und weitere Kosten. "Da wir einen Geräteträger mit Anbaubagger haben, müssten wir bei einer anderen Variante entweder von Hand ausschachten oder damit eine Fremdfirma beauftragen", begründet der Ortschef weiter. 300 Euro Mehrkosten

Demnach kämen pro Grab etwa 300 Euro an Mehrkosten auf die Gemeinde zu. Nicht gestattet wird auch das Aufstellen von Grableuchten oder Blumenschalen, die den Gemeindediener bei den Pflegearbeiten behindern würden. Nur in einem Punkt ging der Gemeinderat mit der Bürgergruppe konform. Für die Problematik mit den schneebedeckten Grabplatten im Winter will der Rat sich eine Lösung ausdenken. "Da ist es schon schwierig das richtige Grab zu finden", weiß Schuh. Ob die Bürgergruppe der Senioren den Ratsbeschluss so akzeptiert, war zunächst noch unklar. "Ich überlege mir die Möglichkeit eines Bürgerbegehrens", sagte Karl-Heinz Nellinger zunächst als unmittelbare Reaktion auf das Ratsvotum. Auf TV-Anfrage teilte der Bürgersprecher am Montag aber mit, dass er "um des Dorfes Friedenswillen davon absieht", obwohl ihn viele diesbezüglich angerufen und ihm ihre Unterstützung angeboten hätten. Denn der Wunsch nach anders gestalteten Rasengräber bleibt weiterhin erhalten.