Friedhofsstreit landet vor Gericht
Freudenburg · Einstimmig hat der Freudenburger Ortsgemeinderat beschlossen, die Friedhofssatzung nicht zu ändern. Die einstige Freudenburgerin, die eine Änderung beantragt hatte, will die Gemeinde nun verklagen. Sie wollte erreichen, dass sie dem Letzten Willen ihrer Mutter nachkommen und ihre Urne im Grab ihres Mannes beisetzen kann.
Freudenburg. Margot Pletsch und Alfons Bentenrieder sind aufgebracht, als sie die Freudenburger Gemeinderatssitzung nach dem ersten Tagesordnungspunkt verlassen haben. Er wettert: "Jetzt geht der Kampf richtig los." Die beiden wollen nun die Ortsgemeinde verklagen. Denn nach der Ratssitzung ist klar: Es gibt keinen Kompromiss im Freudenburger Friedhofsstreit (der TV berichtete mehrfach).
Das Paar hatte beantragt, die Friedhofssatzung zu ändern. Die beiden haben gehofft, so doch noch den Letzen Willen der Mutter von Margot Pletsch erfüllen zu können. Die 85-Jährige war an Ostern gestorben und wollte im Grab ihres Ehemanns beigesetzt werden. Doch dies scheiterte an einer Fristüberschreitung von drei Monaten. Laut der Freudenburger Friedhofssatzung kann eine Urne nur dann in ein Erdbestattungsgrab gegeben werden, wenn eine Ruhezeit von mindestens 15 Jahren dort gewährleistet ist. Im Fall Pletsch wäre dies nicht möglich
gewesen. Denn das Reihengrab mit einer Liegezeit von 25 Jahren existierte zum Todeszeitpunkt bereits zehn Jahre und drei Monate. Schweren Herzens setzte Margot Pletsch ihrer Mutter vorläufig in der Urnenwand des Freudenburger Friedhofs bei.
Am Montagabend ist der Rat des rund 1670 Einwohner zählenden Orts mit dem Punkt Friedhofssatzung schnell durch. 17 Minuten nach Sitzungsbeginn stimmen alle Ratsmitglieder bei der Frage, ob die Friedhofssatzung geändert werden soll mit Nein.
Ortsbürgermeister Bernd Gödert hat zuvor erklärt, dass das Ehepaar seinen Antrag auf Aufhebung der 15-jährigen Ruhezeit von Urnen an die Landesregierung hätte richten müssen. Denn diese Frist habe das Land festgesetzt, da könne die Gemeinde nichts dran ändern.
Was die Freudenburger tun könnten, sei die Liegezeit der Reihengräber von 25 auf 30 Jahre zu erhöhen oder Familiengräber wieder einzuführen, sagt Gödert. Zur Beratung gibt er das Wort an die Ratsmitglieder weiter. Die geben kurze Stellungnahmen ab, am längsten redet SPD-Fraktionsvorsitzende Stephanie Zehren. Sie sagt: "Wir haben uns viele Gedanken gemacht und auch mit älteren Menschen geredet." Fazit: Die lange Pflege eines Grabs sei nicht erwünscht, eine Liegezeit von 28 Jahren für Reihengräber ginge vielleicht noch, nicht jedoch 30 Jahre. Zum Thema Familiengräber stellt sie fest, dass der Friedhof im Bezug auf die Gemeindegröße klein sei und zusätzliche Gräber dieser Art schwierig seien. Würden diese in die Reihen der Erdgräber, die reihenweise abgeräumt werden, integriert, ende dies im Chaos.
Für die Unabhängige Wählergruppe (UWF) meint Stephan Weber, dass auch bei einer Verlängerung der Ruhezeit von Reihengräbern auf 30 Jahre ein Fristenproblem auftreten könne. Weber: "Wir können nicht alle Wünsche erfüllen." Michael Metrich sagt für die Wählergruppe Bauschert, sie habe sich lange Gedanken gemacht. Ergebnis: Für ein separates Feld für Familiengräber sei der Friedhof zu klein.
Die einstimmige Entscheidung fällt gegen 19.47 Uhr. Die zehn Zuhörer verlassen den Saal. Außer den Betroffenen will sich keiner gegenüber der Presse äußern. Das Ehepaar ist nicht nur wütend, sondern auch enttäuscht. Immerhin hatte es sich nach einer Odyssee durch die Behörden auch an die Ministerpräsidentin gewandt. Von dort hieß es: Man habe mögliche Lösungswege mit den Behörden eruiert. Der Ortschef habe versichert, bürgerfreundlichere Bestattungsmöglichkeiten zu prüfen. Dies sei die erfolgsversprechende Lösung.Meinung
Ein Trauerspiel
Es scheint, als hätte der Freudenbuger Rat im Friedhofsstreit nicht wirklich nach einer einvernehmlichen Lösung suchen wollen. Zwar hat der Ortschef zwei mögliche Wege aufgezeigt, doch die Fraktionsvorsitzenden präsentierten lediglich Gründe, die dagegen sprachen. Hinterfragt wurde nichts. Doch reicht der Platz tatsächlich nicht aus für Familiengräber? Der Ortschef nannte weder Maße noch Prognosen für Sterbefälle. Wenn es eine Planung gibt, ist fraglich, ob sie aktuell ist. Denn laut der Freudenburger Bestatterin hat sich die Beerdigungskultur auch im Ort in den vergangenen Jahren stark gewandelt: 70 Prozent wählen demnach heute eine Urnenbestattung - und die ist platzsparend. Doch wenn es tatsächlich an Platz mangelt, wieso werden dann mehrere Gräberreihen auf dem Friedhof bislang nicht abgeräumt, obwohl ihre Liegezeit bis zu drei Jahren überschritten ist? Wieso sind bei einer zufälligen Befragung dreier Menschen drei Befürworter von Familiengräbern zu finden, obwohl laut Ratsmitgliedern kein Bedarf nach dieser Gräberart besteht? Und warum bringt eine Fraktionsvorsitzende, die ihre Rede nach der Sitzung der Presse schickt, den darin formulierten Kompromissvorschlag nicht in der Sitzung vor? Inhalt: Die Verwaltung solle prüfen, ob man die Urne der Mutter im Grab des Mannes beisetzen könne, bis dieses geräumt werde. Dann solle die Urne wieder in die Wand umgebettet werden. Kompromissbereit? Bürgerfreundlich? Dieser Rat hat im Umgang mit den Trauernden keine gute Figur abgegeben. Das war eher ein Trauerspiel. m.maier@volksfreund.de