Früher wurde gleich drauflosgesungen

Früher wurde gleich drauflosgesungen

TAWERN. Die Sängervereinigung 1886 zählt mit ihren 120 Jahren zu den ältesten Vereinen in Tawern. Zurückschauend ja, aber nicht nur, richten die Sänger zum besonderen Geburtstag viel lieber ihren Blick in die Zukunft. Zum Festabend am Samstag, 4. November, 20 Uhr, in der Turnhalle ist die Bevölkerung eingeladen.

Es klingt nicht schlecht, was die Sänger der Sängervereinigung 1886 Tawern bei ihrer vorletzten Probe vor dem großen Jubiläumskonzert "vom Stapel lassen". Bevor sich Chorleiter Otmar Clemens den anspruchsvollen Liedsätzen zuwendet, um letzten Schliff anzulegen, legt er gesteigerten Wert auf ein ausgiebiges Einsingen. "Das gab es nicht immer bei uns", erinnert Vorsitzender Günter Görgen an die Zeit, da gleich losgesungen wurde bei den Proben, und es auch keine Atemübungen gegeben hat. Dabei sei dieser Teil überaus wichtig, um "was Gescheites aus den Kehlen der Sänger zu produzieren". Überalterung bereitet Kopfzerbrechen

Die 28 gestandenen Männer, die jeden Freitag zur Probe erscheinen, kommen aus voller Überzeugung, und weil sie sehr gerne in der Gemeinschaft singen. Nicht bei jedem ist das Singen das einzige Hobby, aber ganz bestimmt ein sehr wichtiges. Sonst wären die Proben nicht so gut besucht. Man muss kein Lokal-Historiker sein, um zu wissen, dass der Verein das kulturelle Leben - sowohl der Zivil- als auch der Kirchengemeinde Tawern - wesentlich mitgeprägt hat und dies noch immer tut. Ob kirchliche Feiertage oder (feierliche) Anlässe der Gemeinde: Immer ist die Sängervereinigung zur Stelle, wenn es um die Pflege des kulturellen Lebens in der Gemeinde geht. Zum zweiten Gesangverein, dem Kirchenchor, pflegt man ein überaus freundschaftliches Verhältnis. Umfassend alles stimmen würde im Verein, wenn die Vereinigung wenigstens zehn Sänger mehr in ihren Reihen zählen würde. Günter Görgen macht da aus seinem Herzen keine Mördergrube, wenn er diesen Wunsch ausspricht. Die zunehmende Überalterung bereitet den Verantwortlichen mehr und mehr Kopfzerbrechen, "weil wir an die kommenden Jahre denken müssen", sagt Görgen. Gleichwohl sei man mit 28 Aktiven noch besser dran als manch anderer Verein. Frühzeitig gegensteuern lautet seine Devise. Impulse erhofft sich der Vorstand vom Jubiläumskonzert am Samstag. Aber man sei sich auch nicht zu schade, um an den Haustüren zu klingeln und Werbung in eigener Sache zu machen. Görgen: "Die direkte Ansprache bringt vielleicht am meisten." Wer annimmt, bei der Sängervereinigung würden nur "alte Kamellen" von Heimat, Liebe und Wein geträllert, der irrt gewaltig. Chorleiter und Vereinsführung sind offen für zeitgenössische Literatur, fordern sie sogar ein. "Den Beweis dafür haben wir schon mehrfach geliefert", ergänzt Schriftführer Wolfgang Wagner. Günter Görgen: "Am Mut zum Risiko mangelt es uns am wenigsten." Beispiel "All Night, All Day". Ganz am Anfang sei vereinzelt "gemuckt" worden gegen den Titel in englischer Sprache - gerade von älteren Sängern. Heute komme es sogar vor, dass es gerade von älteren Sängern heiße: "Singen wir denn heute All Night, All Day nicht?" Mit dem Jubiläumskonzert wird gleichzeitig das Treffen des Unterkreises Konz veranstaltet. Den Gottesdienst am Sonntag, 5. November, 10.30 Uhr, Pfarrkirche St. Peter und Paul, gestalten die drei Garanten für kulturelles Engagement in Tawern: Sängervereinigung, Kirchenchor und Musikverein. Landrat Günther Schartz hat die Schirmherrschaft über das Jubiläumsfest übernommen. Wer Interesse am Singen hat wendet sich an den Ersten Vorsitzenden, Günter Görgen, Telefon 06501/12279.

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