Frust in Fusenich

Trierweiler-Fusenich. Die Fusenicher Bürgerin Cornelia Butz sucht im Ort ein Baugrundstück. Dabei entwickelt sich zwischen ihr und dem Trierweilerer Bürgermeister ein handfester Krach.

Cornelia Butz fällt es sichtlich schwer, darüber zu sprechen. Ihr Vater hat Krebs und wird nicht mehr lange leben. Als sei diese Nachricht nicht schon schlimm genug, hat sie auch finanzielle Auswirkungen für die junge Frau aus Fusenich. Das große Haus, in dem die Butz' gemeinsam leben, ist für Cornelia Butz alleine nicht tragbar. Sie ist deshalb auf der Suche nach einem Bauplatz in Trierweilers Ortsteil Fusenich, um sich ein kleineres, ein finanzierbares Haus zu bauen. "Ich stamme von hier, die ganze Familie ist von hier, unsere Freunde wohnen hier. Ich will im Ort bleiben und auf keinen Fall wegziehen", sagt sie. Mit diesem Anliegen wandte sich Cornelia Butz im Juli 2005 schriftlich an Ortsbürgermeister Matthias Daleiden. Der antwortete prompt: Zurzeit verfüge die Gemeinde über keine Bauplätze. Im Zusammenhang mit der Diskussion um das neue Gemeindehaus sei jedoch nicht auszuschließen, dass eine etwa 1000 Quadratmeter große Fläche abgetrennt und als Baustelle ausgewiesen werden wird. "Sollte dieser Fall eintreten, wird das Baugrundstück ausgeschrieben und Sie hätten dann die Möglichkeit, sich darum zu bewerben", schrieb Daleiden. Grundstücksverkauf ohne Ausschreibung

Im Dezember 2005 tat sich dann schließlich etwas rund ums neue Gemeindehaus. Jedoch nicht das, was Cornelia Butz sich erhoffte. Die abgetrennten rund 1000 Quadratmeter wurden ohne Ausschreibung unter der Hand an einen anderen Interessenten für 105 Euro pro Quadratmeter verkauft. Dieser gab daraufhin wie verabredet ein anderes Grundstück, das in einem seit langem ausverkauften Neubaugebiet des Ortes liegt, an die Gemeinde zurück. Cornelia Butz schrieb sogleich an Ortsbürgermeister Matthias Daleiden, eine Antwort habe sie aber nicht erhalten. Gemeinsam mit ihrem Vater und Bernhard Schuster, Mitglied des Fusenicher Ortsbeirats, suchte sie dann im Januar Ortsbürgermeister Daleiden persönlich auf. Was dann folgte, wird von den drei Bürgern gleichermaßen beschrieben. Die Tonlage des Ortsbürgermeisters habe sich arg verändert. Er sei laut geworden, habe keine vernünftigen Auskünfte zu dem Thema geben wollen, sondern nur gesagt, das zurückgegebene Grundstück werde ausgeschrieben "und fertig". Der inzwischen eingeschaltete Rechtsanwalt schreibt von "unbeherrschtem Ton", "unverständlichen Ausflüchten" und "Abfertigung". Cornelia Butz und ihre Begleiter waren geschockt und empört. Weiter schreibt der Rechtsanwalt: "Da ein fester Standardpreis für die Grundstücke im Neubaugebiet bestand, war eine Ausschreibung zum Zwecke einer möglichen Preistreiberei schon im Hinblick auf die Wahrung des Gleichheitsgrundsatzes unsinnig." Merkwürdig sei auch, dass in der Kreisverwaltung die Vorstellung vorgeherrscht habe, dass Cornelia Butz' Vater der Kaufinteressent sei und die Richtigstellung dort "ein gewisses Erstaunen im Amt" hervorrief. Unterstützung bekommt Cornelia Butz vom Ortsbeirat und Ortsvorsteher Werner Bonertz. "Das ist Willkür, das kann kein Bürger verstehen", sagt Bonertz, der Daleiden auch über die Haltung des Ortsbeirats informierte. Bürgermeister: "Fairer geht es nicht"

Ortsbürgermeister Daleiden sieht die Geschichte anders. "Frau Butz meint, weil sie in Fusenich wohnt, müsste sie das Grundstück kriegen, aber das ist nicht so. Für mich sind alle gleich in der Gemeinde Trierweiler, deshalb wurde das Grundstück jetzt ausgeschrieben, und sie hat damit immer noch die Chance, das Grundstück zu kriegen." Dies sei aber dann eine Entscheidung des Gemeinderats. Der habe dieses Vorgehen auch so beschlossen. "Fairer kann man damit gar nicht umgehen", betont der Ortsbürgermeister. Dass der andere Interessent das Grundstück für 105 Euro erhalten habe, sei nicht vergleichbar. Wer ziehe schon direkt neben das Gemeindehaus. Im Übrigen hätte die Gemeinde hier sogar noch 40 000 Euro für den Abriss des alten Gebäudes zahlen müssen. Das mache jetzt der neue Eigentümer auf eigene Kosten, betont Daleiden. "Der ist also nicht bevorteilt, sondern sogar benachteiligt worden. Hier wären bei einer Ausschreibung niemals 105 Euro zu erzielen gewesen." Den Preis von 110 Euro verteidigt er: "Im Neubaugebiet haben wir den Preis vom Katasteramt festlegen lassen und kamen dort auf 110 Euro. Der Gemeinderat wird nach der Ausschreibung entscheiden, wer das Grundstück bekommt. Das kann die Frau Butz sein, das kann auch jemand anders sein. Das ist ein ganz faires Verfahren." Außerdem, so Daleiden weiter, sei dies Verfahren auch von der Verbandsgemeinde so vorgegeben und sogar von der Kommunalaufsicht bestätigt worden. Die Gemeinde sei da auf der absolut sicheren Seite. Zu dem Streit sagt Daleiden: "Sie hat gesagt: Mir steht das Grundstück zu. Und ich habe gesagt: Das wird so gemacht und nicht anders."