Für Kneippanlage darf Hermeskeil nicht zahlen

Für Kneippanlage darf Hermeskeil nicht zahlen

Kalte Dusche für den Kneippverein Hermeskeil: Es ist ungewiss, ob er ein neues Wassertretbecken bekommt. Die 43 000 Euro teure Anlage sollte in die "Erlebnisstation" integriert werden, die 2012 am Bahnhof entsteht. Ursprünglich wollte die Stadt dem Kneippverein dafür einen Zuschuss geben. Doch das hat die Kommunalaufsicht verboten. Jetzt sollen Spenden die Finanzierungslücke schließen.

Hermeskeil. Seit 2005 wird geplant, neu konzipiert und weiter- entwickelt. Doch nun ist es endlich soweit: Die Idee einer "Erlebnisstation" am Hermeskeiler Bahnhofsvorplatz soll noch in diesem Jahr verwirklicht werden.
Der derzeit noch trostlos aussehende Bereich vor dem Bahnhofsgebäude soll ein völlig neues Gesicht erhalten. Oberhalb der heutigen Busbuchten sind auf einer Fläche von 600 Quadratmetern unter anderem ein Pavillon mit Radweg-Infozentrum, eine Buswartehalle, ein Spielplatz, eine Kletterwand und mehrere Bänke vorgesehen. Zuschüsse aus dem Leader-Programm der Europäischen Union (EU) und des Landes Rheinland-Pfalz machen die Umsetzung des insgesamt 337 000 Euro teuren Projekts möglich. Brüssel pumpt 150 210 Euro in die Hochwaldstadt, Mainz 44 790 Euro für die touristische Aufwertung des Bahnhofs, der Start- und Zielpunkt des Ruwer-Hochwald-Radwegs ist.
Nicht enthalten in diesen Zahlen ist eine mit 43 000 Euro kalkulierte Kneippanlage. Sie war ursprünglich ein Extra-Baustein im Konzept für die Umwandlung des Bahnhofsvorplatzes. Das von der Stadt und dem Kneippverein Hermeskeil erarbeitete Konzept sieht Wassertret- und Armbecken sowie eine Bewegungswiese, Kräuterecke und Beerensträucher vor. Die Stadt wollte dazu einen Beitrag beisteuern. Wegen ihres defizitären Haushalts hat die Kommunalaufsicht - also die Kreisverwaltung - es der Stadt aber untersagt, für dieses Projekt einen Zuschuss zu geben. Daher muss der vor knapp 40 Jahren in Hermeskeil gegründete Kneippverein die 43 000 Euro nun alleine stemmen.
Stadtbürgermeister Udo Moser (Bürger für Bürger) sind die Hände gebunden. Dabei verbinde die Stadt große Erwartungen mit der Anlage. Sie wäre laut Moser "eine Bereicherung für den Tourismus und die Radfahrer", die nach Hermeskeil kommen.
Die unsichere Finanzierung macht auch Siegfried Kiesselmann Sorgen. Der Vorsitzende des Hermeskeiler Kneippvereins, der zugleich Landesvorsitzender des Kneippbundes ist, weiß nicht, ob sich der lang ersehnte Wunsch nach einer neuen Anlage 2012 erfüllen lässt. Zwar hat Kiesselmann die Beckenausstattung überdacht und die Gesamtausgaben auf 35 500 Euro drücken können. Doch der Verein kann einschließlich Eigenleistung und zugesagter Geld- und Materialspenden nur etwa 11 500 Euro beisteuern.
Weitere 12 250 Euro erwartet er spätestens 2013 vom Sportbund, bei dem Kiesselmann einen Zuschussantrag eingereicht hat. Für die verbleibende Finanzierungslücke von rund 12 000 Euro hofft er auf Spenden der Bevölkerung.
In den kommenden Wochen will er persönlich von Haus zu Haus gehen und um Unterstützung bitten. Schließlich profitierten ja nicht nur Kneippianer von einer solchen Anlage, sondern alle, die etwas für ihre Gesundheit tun wollten.
Sollten die Hermeskeiler das ebenso sehen, könnte es gelingen, die Anlage trotzdem "auf die Beine zu stellen". Die Stadt lädt am heutigen Dienstag, 6. März, ab 19 Uhr alle Hermeskeiler zu einer Einwohnerversammlung in die Hochwaldhalle ein.
Ein Thema ist dabei das Projekt am Bahnhofsvorplatz.Meinung

Verschmerzbares Veto
Nicht alles, was wünschwert ist, ist auch machbar. Das gilt gerade in Zeiten leerer Kassen. Es ist sicherlich richtig, dass der trostlose Bahnhofsvorplatz in Hermeskeil neu gestaltet wird, damit es an diesem Eingangstor zur Stadt wieder manierlich aussieht. Die geplante Erlebnisstation wird diesen Bereich nicht nur optisch aufwerten. Es besteht die berechtigte Hoffnung, dass sich durch sie wieder mehr Leute, die vom Radweg her nach Hermeskeil kommen, länger in der Nähe des Bahnhofs aufhalten. Doch das alles kostet schon so viel Geld. Nun würde die Kneippanlage die geplante parkähnliche Fläche mit ihren Freizeitangeboten zwar zusätzlich aufwerten. Die Kommunalaufsicht ist aber nun mal dazu da, den Städten und Gemeinden bei ihren Ausgaben auf die Finger zu schauen. Und gerade in Hermeskeil wird ja 2012 auch noch ins Feuerwehrmuseum investiert. Insofern ist es verständlich, dass der Stadt nicht auch noch der freigiebige Zuschuss an einen Verein erlaubt wird. Dieses Veto mag man zwar bedauern. Es lässt sich aber verschmerzen. Denn aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. Die Kneipp-Anlage kann sehr wohl auch zu einem späteren Zeitpunkt in die Erlebnisstation eingefügt werden. a.munsteiner@volksfreund.deExtra

Kneippverein: Der Kneippverein Hermeskeil hatte sich schon zu Zeiten von Udo Mosers Vorgängerin Ilona König (CDU) um eine neue Kneippanlage bemüht. Eine 1978 am Dörrenbach eingeweihte vereinseigene Anlage war nach mehreren Fällen von Vandalismus aufgegeben worden. Seither läuft die Suche nach dem passenden Standort. Unter anderem waren der Stadtpark und eine Fläche am Infozentrum des Naturparks Saar-Hunsrück dafür im Gespräch. Wegen der verschiedenen Konzepte musste Kiesselmann auch mit der Finanzierung immer wieder von vorne anfangen. So hatte ihm der Sportbund vor zwei Jahren 16 000 Euro in Aussicht gestellt, die dann aber anderweitig vergeben wurden, weil die Anlage nicht realisiert wurde. Wer die Realisierung der Kneippanlage unterstützen möchte, kann spenden: Kneipp Bund e.V. Landesverband: Kontonummer 6200, bei der Volksbank Hochwald-Saarburg, Bankleitzahl 585 612 50. urs