Für Moselaufstieg und gegen Autobahnmaut

Für Moselaufstieg und gegen Autobahnmaut

Den Unternehmen im Kreis Trier-Saarburg geht es insgesamt ganz gut - doch nur Grund zum Jubeln haben sie nicht. Beim Empfang der Wirtschaft in Konz bemängelten Experten insbesondere Lücken bei der Straßenanbindung und der digitalen Vernetzung.

Konz. Beim Wirtschaftsempfang im Kloster Karthaus herrscht eine Stimmung zwischen vorsichtigem Optimismus und einiger Ungewissheit ob der Dinge, die da in den nächsten Monaten kommen könnten. Vor rund 150 geladenen Unternehmerinnen und Unternehmern aus Stadt und Verbandsgemeinde (VG) Konz bringt dies Bürgermeister Karl-Heinz Frieden so auf den Punkt: "Wir schauen zurück auf ein Jahr mit Vollbeschäftigung und einer freundlichen Großwetterlage für unsere Wirtschaft. Aber wir gehen auch einer spannenden Bundestagswahl mit einigen Ungewissheiten entgegen. Wie wird die politische Konstellation am Ende aussehen?"
Und wie sehen die Unternehmen in der Region die aktuelle Situation selbst? Der Wirtschaftsexperte Christian Fisch von der Universität Trier präsentiert dazu das Ergebnis einer Umfrage, an der sich im Auftrag der Initiative Region Trier und der Kammern 833 Unternehmen aus der Region beteiligt hatten. Dabei sollten sie die wichtigsten Standortfaktoren nach Bedeutung und Zufriedenheitsgrad einstufen (der TV berichtete).
Als vorrangig bewertet wurden die Breitbandinfrastruktur und die Erreichbarkeit über die Straße. Hohen Rang haben auch die Verfügbarkeit von Fachkräften und eine familienfreundliche Infrastruktur.
Dem öffentlichen Personennahverkehr wird von den Unternehmen die geringste Bedeutung zugemessen. Experte Fisch: "Die Sichtweise zwischen Politik und Wirtschaft ist hierbei völlig unterschiedlich."
Wie ist die Situation in der Stadt und der VG Konz? Darüber sprechen unter der Moderation von Thomas Vatheuer hochkarätige Gäste: Hauptgeschäftsführer Jan Glockauer von der Industrie- und Handelskammer, Hauptgeschäftsführer Axel Bettendorf von der Handwerkskammer, Ernst Holbach, Vorsitzender Konzer Stadtmarketing, und Bürgermeister Frieden. Eine kontroverse Diskussion präsentiert das Quartett auf dem Podium nicht - in den wesentlichen Punkten herrscht Übereinstimmung. Etwa über den zu geringen Umfang der Breitbandversorgung, bei der "diese Region sicher nicht in der ersten Liga spielt". Und die Unternehmen seien ja grundsätzlich bereit, Steuern und Abgaben zu zahlen, sie erwarteten dafür aber auch infrastrukturelle Gegenleistungen.
Zu den Negativposten zählen in der Runde der Straßenausbau und die Verkehrspolitik. Wo bleibt der für Konz so wichtige Moselaufstieg? Warum dauern Projekte so lange? "Das scheint an Deutschland zu liegen", vermutet Ernst Holbach. Und als politischer Irrläufer wird die geplante Autobahnmaut eingestuft - besonders dieser grenznahe Raum könnte die wirtschaftlichen Folgen spüren. Jan Glockauer: "Ein völlig falsches Signal, das keinen einzigen Vorteil bringt."
Ernst Holbach hofft immerhin auf einen Vorteil für Konz, denn "wenn die Luxemburger in Grevenmacher die Autobahn verlassen, um die Maut zu umgehen, dann kommen viele vielleicht zum ersten Mal in die Einkaufsstadt Konz". Axel Bettendorf warnt schließlich vor neuer Kleinstaaterei und fordert "weniger Maut und mehr ICE-Anschlüsse".Meinung

Viel Verdruss
Ein klares Ja zum Moselaufstieg und ein ebenso deutliches Nein zur Autobahnmaut. In diesen Punkten gehen drei Vertreter der Wirtschaft und ein Verwaltungschef völlig konform. Doch auf das Straßenprojekt werden die Konzer (und auch die Saarburger) vermutlich noch lange warten müssen. Die Widerstände dagegen sind groß, was die vier Diskutanten im Kloster Karthaus aber völlig ausgeblendet hatten. Fakt ist: Auf der anderen Seite der Mosel wohnen Tausende, die schon genug Verkehr vor der Haustür haben und nicht noch eine Schnellstraße als Querverbindung wünschen. Da liegen die Interessen anders als auf der Konzer Seite. Schneller als der Moselaufstieg wird die Autobahnmaut kommen. Weil einer in Bayern das so wollte. Bringen wird sie nichts - außer viel Verdruss. Grenznahe Regionen werden die Hauptleidtragenden sein - auch durch stärkeren Verkehr auf den Landstraßen. Im Trierer Tal müssen vermutlich Konz, Igel und Zewen diese Maut-Suppe auslöffeln. trier@volksfreund.de