Für Schallschutz noch zu leise

SCHWEICH. Effektive Lärmschutzwände zum Wohle der Anwohner am Autobahndreieck Moseltal? Der Stadtrat Schweich hoffte auf das Ergebnis eines Gutachtens – doch das Ergebnis war ernüchternd. Aufgeben wollen Stadtvorstand und Ratsmitglieder aber nicht.

Auf Antrag der Stadt hatte die Verbandsgemeinde Schweich das Trierer Ingenieurbüro Boxleitner mit einem Lärmgutachten für die Stadt Schweich und die Gemeinde Longuich-Kirsch beauftragt. Grund ist die seit Jahren stetig zunehmende Verkehrsbelastung auf den Autobahnen (A) 1 und 602. Insbesondere der stark gestiegene Schwerlastverkehr führt rund um die Uhr zu einer fast konstanten Lärmemission, die bis in den Schweicher Stadtkern ausstrahlt.Als die Verkehrswege in den 60er-Jahren geplant und genehmigt wurden, waren die zugrunde gelegten Grenzwerte noch im damaligen Toleranzbereich. Die Hoffung von Stadtvorstand und Rat galt nun dem Boxleitner-Gutachten.

Ließe sich aus den darin dokumentierten Werten ein Anspruch auf Lärmschutz ableiten?

Nach Neubaumaßstäben zu hoch belastet

Doch nach dem Referat von Boxleitner-Mitarbeiter Kurt Müller gab es lange Gesichter: Im Ergebnis sind die von den Experten errechneten Werte in weiten Bereichen Schweichs zu hoch. Bei einem Straßenneubau müsste dies durch Lärmschutzmaßnahmen berücksichtigt werden.

Für Schweich liegt der Fall jedoch anders: Da es sich bei A 1 und A 602 nicht um Straßenneubauten handelt, sind dort Grenzwerte für eine Lärmsanierung (Nachbesserung) heranzuziehen.

Müller: "Die Werte werden jedoch in Teilbereichen der Stadt nicht überschritten, so dass sich kein Anspruch auf Lämsanierung ableiten lässt."

Ein anderer Ansatz könnte sich aus den Baugenehmigungen für die A 1/A 602 ergeben - sie müssten dazu eine fehlerhafte Einschätzung des künftigen Verkehrsaufkommens enthalten. Dies sei aber laut Müller derzeit nicht zu klären, zumal die Baugenehmigung bereits in den 60er-Jahren erfolgte. Müller: "Selbst wenn sich daraus ein Anspruch ergäbe, stünden wir vor der Frage, wie ein effektiver Lärmschutz für Schweich aussehen müsste." Die Kosten für einen Lärmschutz entlang der A-1-Moselbrücke und der A-602-Hangbrücke schätzt Müller auf drei bis 3,5 Millionen Euro.

Die fraktionsübergreifende Reaktion im Rat war maßlose Enttäuschung. Stadtbürgermeister Vitus Blang sprach von einem "völlig unbefriedigenden Ergebnis für die Bevölkerung". Hans-Dieter Natus (SPD) vermisste Beistand von der Verbandsgemeinde - "nur ein Gutachten ohne Kommentar der Verwaltung, das ist zu wenig". Johannes Heinz (CDU) rief dazu auf, sich nicht mutlos machen zu lassen und auf politischer Ebene aktiv zu bleiben.

Am Donnerstag wird das Lärmgutachten für Longuich-Kirsch vorgestellt. Der Stadtrat beschloss, das Ergebnis abzuwarten und sich mit dem Longuichern auf ein gemeinsames Vorgehen zu verständigen. Auch wird die Verbandsgemeinde aufgefordert, weiter tätig zu bleiben.