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Für viele ist die Tafel ihre Rettung

Für viele ist die Tafel ihre Rettung

Seit sieben Jahren gibt es in Konz eine Tafel. 30 Ehrenamtliche versorgen dort 80 Haushalte mit Lebensmitteln, die sie vorher bei Händlern eingesammelt haben. Immer mehr Konzer seien auf dieses Angebot angewiesen, sagen die Tafel-Mitarbeiter.

Konz. Mittwochvormittags geht es in der Karthäuser Straße 23 geschäftig zu. Auf der Straße versammeln sich kleine Grüppchen Bedürftiger und warten, während im Inneren des ehemaligen Ladengeschäftes Sieglinde Daum und andere ehrenamtlichen Mitarbeiter der Konzer Tafel die Lebensmittelausgabe vorbereiten.
Die zuvor mit dem betagten Kleinbus bei verschiedenen Discountern und Bäckereien eingesammelten Nahrungsmittel werden in Kisten aufgestellt, Verdorbenes aussortiert. Übrig bleibt eine erschreckend große Menge einwandfreier Lebensmittel, die sonst einfach weggeworfen worden wäre. Die Menschen, die vor der Tür warten, benötigen diese dringend.
Sieglinde Daum, die sich seit 18 Jahren ehrenamtlich bei der katholischen Kirche engagiert, hat die Anfänge der Konzer Tafel miterlebt. "Begonnen hat alles vor etwa sieben Jahren mit sechs gepackten Tüten." Diese holte sie bei der Tafel in Trier ab, um sie dann in Konz an Bedürftige zu verteilen. Doch die Nachfrage stieg ständig.
So richtete man eine kleine Wohnung in der Saarstraße in Konz ein, doch diese platzte bald aus allen Nähten. Seit etwa drei Jahren hat die Tafel nun ihren Platz in einem ehemaligen Ladenlokal in der Karthäuser Straße.
Kundschaft ist bunt gemischt


"Wir sind zu einer festen Größe geworden", sagt Pastoralreferent Horst Steffen. Etwa 30 Ehrenamtliche engagieren sich aktuell bei der Tafel. Vor wenigen Jahren waren es noch um die 50 Haushalte, die durchschnittlich bei der Ausgabestelle auftauchten, mittlerweile sind es um die 80, wie die Tafel-Mitarbeiter schätzen. Die Tendenz sei steigend.
Die "Kundschaft" der Konzer Tafel ist bunt gemischt. Neben Erwerbslosen bilden Asylbewerber aus den nahegelegenen Wohnheimen, aber auch Rentnerinnen mit geringem Auskommen wichtige Gruppen.
"Die menschlichen Problemlagen sind sehr vielfältig", sagt Steffen. Um das Angebot der Tafel nutzen zu können, muss man seine Bedürftigkeit belegen - etwa über den Nachweis einer staatlichen Förderung wie Arbeitslosengeld II oder Wohngeld.
Obdachlose nutzen die Tafel in Konz eher selten. Duschgelegenheiten brauche man trotzdem, sagt Steffen. "Viele Menschen haben zu Hause keinen Strom, weil sie ihn einfach nicht bezahlen können."
Zusätzlich zur Lebensmittelausgabe veranstaltet die Tafel monatlich ein Frauenfrühstück, das einen Austausch ermöglichen soll. Die Menschen sollen raus aus ihrer Isolation, neue Kontakte knüpfen, sich gegenseitig unterstützen.
Obwohl die Ehrenamtlichen stolz auf ihre Leistung sind, bleibt ein großer Wermutstropfen. "Es wäre besser, man würde uns nicht brauchen", sagt Steffen. Doch das wird wohl auf absehbare Zeit Wunschdenken bleiben: "Ich kann mich nicht erinnern, dass jemals eine Tafel-Ausgabestelle wegen mangelnder Notwendigkeit geschlossen wurde."
Extra

Hilfe für die Tafeln: Wer ohne Aufwand die Tafeln unterstützen möchte, kann dies über die Flaschenpfand-Option beim Discounter Lidl tun: Drückt man bei der Flaschenrückgabe den Spenden-Knopf, kommt das Flaschenpfand direkt den Tafeln zugute. Bislang wurden auf diese Weise mehr als sechs Millionen Euro gespendet. Wer speziell die Konzer Tafel unterstützen möchte, sollte sich an das Pfarrbüro St. Nikolaus in der Martinstraße wenden. Geldspenden werden für die Miete der Räume - die nicht vollständig von der Stadt Konz übernommen wird - und sonstige Betriebskosten benötigt. Aktuell braucht die Tafel dringend einen neuen Kleinbus zum Abholen der Lebensmittel. Daneben ist auch ehrenamtliches Engagement willkommen. red