Für wen das Saarburger Jugendzentrum gedacht ist und wie junge Leute drauf sind.

Kostenpflichtiger Inhalt: Jugendzentrum Saarburg : „Es gibt Bedarf für mehr Angebote“

Für wen das Jugendzentrum gedacht ist und wie junge Leute heute drauf sind.

Viele kennen das Saarburger Jugendzentrum (Juz) allein schon deshalb, weil es im markanten alten Saarburger Bahnhof untergebracht ist. Dort wurde es vor zweieinhalb Jahren in Trägerschaft des Bistums und in Kooperation mit der Stadt Saarburg eröffnet, als auch die Jugendpflege dorthin umzog. Mit der Hangover-Lounge, einem Zelt zum Abhängen und zur Alkoholprävention, war das Juz auch gerade erst beim Saarweinfest präsent.

Laut Jugendpflegerein Jaqueline Maron liegt der Schwerpunkt im Juz bei den schwer erreichbaren Jugendlichen. Der offene Treff dort (Dienstag und Freitag von 13 bis 18 Uhr, Mittwoch und Donnerstag von 13 bis 17 Uhr) ist deshalb als niedrigschwelliges Angebot insbesondere für diese Gruppe gedacht. Und das wird angenommen. Im Schnitt kommen 40 bis 60 Jugendliche pro Tag in den alten Bahnhof. Darunter viele junge Leute, die ein Berufsfachjahr oder Berufsvorbereitungsjahr  absolvieren, weil sie den Abschluss nicht geschafft haben. Sie haben laut Maron oft Schulprobleme, weil es auch zu Hause nicht rundläuft. Der Einzugsbereich des Saarburger Jugendzentrums reicht von Merzig bis Konz-Karthaus.

Auch Drogen sind ein Problem. Jeder dritte Juz-Besucher habe Drogenerfahrungen gesammelt, Cannabis und Amphetamine würden häufig konsumiert. Aber Maron betont: „Bei uns herrscht eine 0-Toleranz für Drogen.“ Mit niedrigschwelligen Beratungsangeboten unter anderem zur Suchtberatung und Veranstaltungen zur Prävention begegnen die Mitarbeiter dem Problem. Maron räumt auch gleich noch mit einem Vorurteil auf, nämlich dem, dass die Jugendlichen im Juz ganz unter sich seien. Maron: „So ist es nicht. Es muss immer jemand von den Hauptamtlichen vor Ort sein.“

Deshalb stößt das Jugendzentrum schnell an seine personellen Grenzen und hat nur nachmittags geöffnet. Jaqueline Maron sagt: „Vor zwei Jahren ist das Jugendzentrum zu unseren Aufgaben dazugekommen.“ Die Personalstruktur habe sich nicht geändert. Neben Maron (75-Prozent-Stelle) und ihrer Kollegin Annika Valentin (50-Prozent) kümmert sich auch Bernd Bredin, Jugendsozialarbeiter der Stadt (50 Prozent) um das Juz. Bis Ende August haben zwei Bundesfreiwilligendienstleistende das Team unterstützt. Da es für diese Jobs derzeit keine Interessenten gibt, werden stattdessen zwei Minijobler (mit jeweils neun Stunden pro Woche) dazukommen.

Maron stellt fest: „Wir merken, es gibt Bedarf für mehr Angebote, auch bei Jugendlichen, die nicht zu unserer Hauptklientel gehören.“ Die einen wünschten sich längere Öffnungszeiten im Juz, die anderen mehr Bildungs- oder Jugendkulturangebote. Generell meint Maron: „Zahlreiche Jugendliche können heute viele alltägliche Dinge nicht mehr und das zieht sich durch die Bandbreite aller sozialer Schichten hinweg.“ Sie würden Termine nicht einhalten und seien nicht kritik- oder teamfähig. Maron bringt Beispiele aus der alltäglichen Arbeit: So wüssten jungen Leute nicht, wie sie mit Geld umgehen sollen, einkaufen und kochen oder sich in einer fremden Stadt orientieren sollten.

Ein Grund für die Defizite der Jugendlichen sieht Maron darin, dass viele Eltern die Erziehungsaufträge an Schulen oder auch die Fürsorge abgeben würden. Bei den schwer erreichbaren Jugendlichen treffe dies in besonderem Maße zu. Die Wissenschaft spricht laut Maron von hohem Selbstoptimierungsdruck (in der Schule, beim Aussehen und Posten in sozialen Netzwerken), großem Schuldruck und immer größerer Unsicherheit, was Lebensentscheidungen angeht in einer immer komplexeren Welt. Selbstwahrnehmung und Selbstbewusstsein nähmen ab. Auch die Widerstandsfähigkeit sei geringer. „Es fehlt an vielen wichtigen Dingen. Diese neue Entwicklung ist erschreckend“, sagt Maron. Und gerade deshalb sei Jugendarbeit so wichtig. Maron: „Sie gibt Möglichkeiten zur Entwicklung ohne Bewertung, gibt Räume zum Ausprobieren und fördert die Selbstwerdung ohne Druck.“ Viele Jugendliche versuchten den Druck mit Hilfe von Drogen wegzuschieben. Auch dem wolle Jugendarbeit entgegenwirken.

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