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Fürstenklänge auf Graf Siegfried

Fürstenklänge auf Graf Siegfried

SAARBURG. Schon die Fanfaren zur Enthüllung des neuen Graf-Siegfried-Denkmals auf der Saarburg kündigten ein hochkarätiges Konzert an. Und tatsächlich: das "Buccina Ensembles" aus Bonn erwies sich im Konzert der Mosel Festwochen als hochprofessionelle Formation.

Fürstlicher kann die Enthüllung eines Denkmals kaum mehr verlaufen. Von der Treppe zu Turm der Ruine der Saarburg schmettern vier Bläser des Bonner "Buccina Ensembles" auf ihren zwei Meter langen Businen klangvolle Fanfaren, und das Herz jedes Liebhabers monarchischer Bräuche schlägt höher. Saarburgs Stadtbürgermeister Jürgen Dixius übernahm kurzfristig die Herrscherrolle und verteilte Begrüßungs- und Dankesworte an die anwesende Prominenz, darunter Landtagsabgeordneter Alfons Maximini und Verbandsgemeindebürgermeister Leo Lauer, an die Sponsoren, vor allem aber an die Künstlerin Curdue und an Annette Barth, die das Projekt betreute. Dann ertönte von der Treppe die nächste Fanfare und das Denkmal, bis dahin noch in Leinen verpackt, präsentierte sich unverhüllt. Es besteht aus einem eher bescheidenen Steinsessel, umrahmt von Kacheln, die die Geschichte von der schönen Wassernixe Melusine und dem Grafen Siegfried nacherzählen. Die Skulptur soll eine Erinnerung an den Luxemburger sein, der 964 die Saarburg erwarb, und zugleich ein Beitrag zum historischen Selbstverständnis der Saarburger. Die jedenfalls waren von der Skulptur sichtlich angetan. Bürgermeister Dixius nahm sogar auf dem Steinsessel Platz, hob das Weinglas und verkündete: "Die nächste Ratssitzung findet hier statt!" Nachdem alle Gäste das schmächtige Monument gebührend bewundert hatten, fand der Rest des kulturellen Sonntagvormittags in der Laurentiuskirche statt. Als die dunklen Wolken immer bedrohlicher aufzogen , hatten die Veranstalter Hermann Lewen (Mosel Festwochen) und Annette Barth (Stadt Saarburg) das an die Enthüllung anschließende Konzert in die Saarburger Pfarrkirche verlegt. Dort entwickelte sich, was vorher nur Begleitmusik war, zur Hauptsache. Vier Bläser und ein Pauker verbinden die klangvolle Archaik der historischen Trompeteninstrumente mit einem zeitgemäßen Blechbläsersound, der manche Musik in ganz neues Licht rückt. Zwei Bruckner-Motetten auf modernen Ventil-Instrumenten zu spielen, ist ein künstlerisches Risiko, das sich auszahlt: Selten einmal entwickelte die a-cappella-Musik Bruckners eine solch frappierende Nähe zur würdigen Wucht seiner Sinfonik. Überhaupt balancierten die fünf Instrumentalisten des "Buccina Ensembles" hochprofessionell zwischen dem historischen Instrumentarium und den Instrumenten neuer Bauart. Während im wunderbar kernigen Klang der Businen und Naturtrompeten die Repräsentativmusik vergangener Zeiten bestens aufgehoben war, zeigten sich Kompositionen größeren Gewichts auf den modernen Ventiltrompeten aus neuer Perspektive - beispielsweise eine Suite aus englischen Stücken um 1600, die wohl für Tasteninstrumente gedacht waren. Stilsicherheit, die überzeugt

Da brillierten die Bläser mit einem Klangglanz und einer Beweglichkeit, mit einer Stilsicherheit und einem Ensemblegeist, die schlichtweg überzeugen. Und auf Nachbauten alter römischer Businen zeitgenössische "Römische Impressionen" zu spielen - welch hübsche musikhistorische Pointe! Helle Begeisterung.