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Gackern in Zerf bald 12 000 Hühner?

Gackern in Zerf bald 12 000 Hühner?

Ein Hühnerfarm-Betreiber aus Nordrhein-Westfalen möchte auf einer Wiese bei Oberzerf einen Biostall für 12 000 Hühner bauen. Wie genau das aussehen soll, hat einer der Firmeninhaber im Gemeinderat erklärt. Dabei ging er auch auf kritische Fragen ein.

Zerf. Ungewöhnlich viele Zuhörer waren am Donnerstagabend zur Ratssitzung ins Zerfer Bürgerhaus gekommen. Rund 15 interessierte Bürger wollten sich anhören, wie das Konzept zur Ansiedlung einer Hühnerfarm bei Zerf aussieht, das auf der Tagesordnung stand. Die Informationen gab Hermann-Josef Hennes. Er führt gemeinsam mit seinem Bruder die Eierhof Hennes GmbH mit Sitz in Euskirchen (siehe Hintergrund). Das Unternehmen betreibt deutschlandweit Hühnerfarmen in Bio-, Freiland- und Bodenhaltung und möchte nun auch einen Betrieb in Zerf ansiedeln.

Die Pläne: Laut Hennes ist - anders als anfangs kommuniziert - keine Freilandfarm geplant. Dafür sei das Gelände "zu hügelig" und biete nicht ausreichend Platz. Denn diese Art der Haltung sei "erst ab einer Größenordnung von 40 000 Tieren interessant". Deshalb werde man stattdessen einen kleineren Biostall bauen für 12 000 Hühner - mit der Option, diesen später um weitere 6000 Tiere zu erweitern. Ausmaße: 100 Meter Länge, zwölf Meter Breite, sechs Meter Höhe. Investitionskosten: 1,2 bis 1,5 Millionen Euro. Der Stall beinhalte einen Wintergarten, wo die Hühner "an der Luft sind, wenn sie mal nicht raus können". Morgens um 10 Uhr lasse man die Tiere auf die Wiese. Insgesamt seien fast fünf Hektar Fläche notwendig.
Vor Ort werde man zwei bis drei Mitarbeiter beschäftigen, das Management komme aus Heddert. Dort betreibt die Firma seit 2008 eine Farm mit 110 000 Hühnern in Bodenhaltung. "Das ist mit dem, was wir in Zerf planen, aber nicht gleichzusetzen", erklärte Hennes. "Hier wird alles viel kleiner." Die Eier würden zweimal pro Woche von Lastwagen zum Verpacken gebracht und weiter zu den Supermärkten gefahren. Futterlieferungen gebe es "alle ein bis zwei Wochen".

Kritische Fragen: Ratsmitglied Alfred Gelz (Gemeinsam für Zerf) erkundigte sich nach dem Unterschied zwischen Freilandfarm und Biostall. Dieser liege vor allem beim Futter, erklärte Hennes. Die Hühner in Zerf würden mit ökologisch erzeugtem Biofutter großgezogen. Der vorgeschriebene Auslauf - vier Quadratmeter pro Huhn - sei derselbe. Bei der Biohaltung dürften allerdings pro Auslauffläche nur maximal 3000 Tiere gehalten werden. In Zerf werde es daher vier Wiesen geben, die "streng voneinander zu trennen" seien.
Der Unternehmer beantwortete auch kritische Fragen. Bruno Thiel (CDU) wollte wissen, wie es mit der Geruchsbelästigung aussehe - auch im Hinblick auf den etwa 500 Meter entfernten Campingplatz Rübezahl. "Bei 12 000 Tieren geht das gegen null", sagte Hennes. Bei amtlichen Messungen habe man festgestellt, dass etwa der Bauernhof nebendran "deutlich mehr Geruch" verursache. Selbst in Heddert, wo es zehn Mal so viele Hühner gebe, "steigen sie aus dem Auto und riechen nichts".
Das war allerdings nicht immer so. Unter dem Vorbesitzer gab es in Heddert viele Beschwerden über Gestank, wie der TV damals berichtete. Denn anfangs wurde der Hühnerkot als flüssige Gülle abgefahren. Und nach der Umstellung auf Trockenkot sei dieser häufig in offenen Wagen weggefahren worden, berichteten Anwohner damals. "Wir fahren den Kot getrocknet ab, in geschlossenen LKW", betonte Hennes. Auch die Lärmbelästigung durch die Tiere sei gering: "Die Türen sind zwar auf, aber es gehen nie alle 12 000 Hühner auf einmal raus."

Das weitere Vorgehen: Der Standort Zerf, erklärte Hennes auf Nachfrage, sei für ihn vor allem wegen der Nähe zu Heddert und zu einem Werk für die Eier-Verarbeitung in Weiskirchen "interessant". Zudem seien Bioeier "in Rheinland-Pfalz gefragt". Denkbar sei auch eine Zusammenarbeit mit den örtlichen Bauern: "Wenn sie uns das Biofutter liefern."
Der Rat will sich nun - bevor er eine Zusage macht -, bei der Firma in Euskirchen einen Biostall anschauen. Die Einladung dazu kam von Hennes: "Wir möchten ihr Vertrauen gewinnen. Es ist nichts Schlimmes, was wir vorhaben." Werde sich die Ortsgemeinde mit der Firma einig, müsse ein Bebauungsplan für das Bauprojekt im Außenbereich aufgestellt werden, sagte Norbert Willems von der Verbandsgemeinde Kell. Der Investor trage dafür die Kosten. Und die Gewerbesteuer zahle man in Zerf, betonte Hennes.Extra

Der Eierhof Hennes mit Sitz im nordrhein-westfälischen Euskirchen wurde nach Angaben von Hermann-Josef Hennes 1954 als Eierhandel von dessen Eltern gegründet. Er habe den Betrieb 1989 gemeinsam mit seinem Bruder Karl-Heinz als GmbH übernommen. Zurzeit beschäftige man rund 175 Mitarbeiter und betreibe deutschlandweit mehrere Hühnerfarmen mit Bio-, Freiland- oder Bodenhaltung sowie sogenannte "Aufschlagwerke". Dort werden die Eier geöffnet und Bestandteile wie Eigelb, Eiweiß und Flüssigei beispielsweise an Nudel- oder Kuchenhersteller weiterverkauft. Die abgepackten Eier werden an Lebensmittelketten geliefert. Laut Hennes ist die Firma zudem europaweit führend als Hersteller von gefärbten Eiern. In der Region betreibt der Eierhof eine Farm in Heddert, in der etwa 110 000 Hennen in Bodenhaltung Eier produzieren. Ein "Aufschlagwerk" besteht seit etwa 20 Jahren in Weiskirchen-Konfeld im Saarland. Nach eigenen Angaben erwirtschaftet das Unternehmen im Jahr einen Umsatz von durchschnittlich 130 Millionen Euro und produziert jährlich rund 1,3 Milliarden Eier. cweb