Ganz knapp an der Pleite vorbeigeschrammt

Ganz knapp an der Pleite vorbeigeschrammt

Die Porr AG kauft die Trierer Kalk-, Dolomit- und Zementwerke (der TV berichtete) - zum richtigen Zeitpunkt. Laut Gewerkschaft waren die Mitarbeiter kurz davor, einen Insolvenzantrag zu stellen. Aber nicht nur die Angestellten hoffen auf eine bessere Zukunft, auch der Ortschef ist optimistisch. Der Verein "Sauberes Wellen" bleibt misstrauisch.

Wellen. "Die sind doch fast pleite", "Viele Rechnungen sind offen" und "Die Gehälter werden nicht gezahlt": Das sind einige der Gerüchte, die in den vergangenen Monaten in der Gemeinde Wellen über die Trierer Kalk-, Dolomit- und Zementwerke (TKDZ) herumgingen. Einige von ihnen bestätigen sich jetzt - nachdem die österreichische Porr AG das Unternehmen gekauft hat.

Gewerkschaft froh über gezahlte Gehälter: "Die Belegschaft hätte einen Insolvenzantrag gestellt, wenn die Porr AG nicht die Gehälter gezahlt hätte", sagt Patrick Leveringhaus, Gewerkschaftssekretär bei der für die TKDZ zuständigen Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IGBCE). Die Gehälter der 31 Mitarbeiter für die beiden vergangenen Monate seien überwiesen worden.
Damit bestätigt er eine Aussage des Porr-Konzerns. Es sei erfreulich, dass die "Kollegen" von den TKDZ wieder regelmäßig ihren Lohn erhalten, kommentiert er die Firmenübernahme. "Wenn man den Betrieb weiterführen möchte, müsste man neue Mitarbeiter einstellen", meint Leveringhaus. Auch hier bestätigt er die Ankündigung des österreichischen Konzerns, neue Arbeitsplätze schaffen zu wollen (der TV berichtete).

Ortsbürgermeister erhofft Schub für Dorfentwicklung: "Dass die Porr AG die TKDZ übernommen hat, sehe ich sehr positiv", sagt Ortsbürgermeister Hans Dostert. "Die Vertreter des Konzerns haben im Ortsgemeinderat einen seriösen Eindruck hinterlassen." Anders urteilt er über die vergangenen Jahre. Mit der scheidenden TKDZ-Geschäftsführung habe es immer wieder Probleme gegeben.
Dostert erhofft sich nach dem Wechsel, dass sich das Dorf weiterentwickelt. Er sei zuversichtlich, dass Porr ungenutzte Industriegebäude abreiße, etwas für die Infrastruktur in der Gemeinde mache und den Verkehr und den Dreck im Ort minimiere.
Dostert verspricht, dass die Pläne und die Verantwortlichen der Porr-Gruppe öffentlich vorgestellt werden. Deshalb hat er nach Absprache mit dem Unternehmen für Montag, 16. Januar, eine Bürgerversammlung angesetzt. "Der Verein ‚Sauberes Wellen\' soll auch mit am Tisch sitzen, wenn Gespräche mit der Porr geführt werden", sagt Dostert.

Verein übt Kritik: Der Verein "Sauberes Wellen", der aus einer Bürgerinitiative gegen die Verklappung von belasteten Stoffen im Wellener Bergwerk entstanden ist, kritisiert die Porr AG. Die bisherige Unternehmenskommunikation sei nicht dazu geeignet, Vertrauen aufzubauen, sagt Vereinssprecher Harro von Lieres. Bisher seien die Bürger nicht informiert worden. Es habe nur nicht-öffentliche Gespräche gegeben, meint er.
Die Porr AG wolle die Wellener für dumm verkaufen, indem sie behaupte, unbelastetes Material aus dem Tunnelbau für Stuttgart 21 könne nach Wellen gebracht werden.
"Jeder Laie erkennt sofort, dass sich das nicht rechnen kann", sagt von Lieres. Er beklagt zudem, dass die Porr-Gruppe weder auf einen Brief des Vereins reagiert noch Gespräche mit den Bürgern geführt habe.

Verbandsgemeindeverwaltung fordert Transparenz:
Bei der Verbandsgemeindeverwaltung in Konz zeigt Bürgermeister Karl-Heinz Frieden teilweise Verständnis für die Bürger in Wellen: "Das Dorf leidet unter Staub und Verdreckung." Er nimmt aber auch den scheidenden TKDZ-Geschäftsführer Winfried Meseke in Schutz.
"Er hat zu Beginn seiner Zeit in Wellen viele Millionen Euro in das Werk investiert - viel mehr als andere Besitzer vorher." Diese Investitionen haben Meseke laut Frieden möglicherweise finanziell die Luft abgedreht, nachhaltig in Wellen tätig zu sein.
Der neue Eigentümer, die Porr AG habe einen hervorragenden Ruf. "Wir erwarten von der Firma, dass sie den Werkbetrieb so organisiert, dass die Belastungen für die Gemeinde minimiert werden." Wichtig ist laut Frieden, dass die Porr AG transparent handelt und mit den Bürgern in den Dialog eintritt.
Meseke selbst war auf TV-Anfrage nicht erreichbar.