Ganztagsschule für Zerf und Kell

Ganztagsschule für Zerf und Kell

Die letzte Hürde, die der Einführung eines Ganztagsangebots an der Realschule plus Kell/Zerf noch im Weg stand, ist gemeistert. 60 Eltern - und damit sechs mehr als gesetzlich gefordert - haben ihre Kinder dafür angemeldet. Start ist im Sommer.

Kell am See/Zerf. 54 - das war die entscheidende Zahl, auf die sich in der Realschule plus Kell/Zerf (siehe Extra) alle Augen richteten. Denn diese Mindestteilnehmerzahl musste erreicht werden, damit die Schule den Zuschlag für die Einrichtung eines Ganztagsangebots erhält. "Das haben wir geschafft. Jetzt kommt die Ganztagsschule", freut sich Rektor Bernd Staudt. Ende Februar ist die Anmeldefrist abgelaufen. 60 Eltern haben verpflichtend erklärt, dass sie ihre Kinder ab dem Schuljahr 2011/12 in die Ganztagsschule (GTS) schicken werden. Dass das Land die erste GTS in der Geschichte der Verbandsgemeinde Kell am See genehmigt, ist nur noch Formsache. Nachdem die Schule einen Antrag gestellt hatte, gewährte das Bildungsministerium schon im Dezember 2010 die Option auf Einführung des neuen Angebots (der TV berichtete). "Weil die Bedingungen erfüllt sind, steht dem Einlösen dieser Option nichts mehr im Weg", betont Eveline Dziendziol von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier. Auch der Kreistag hat die Umwandlung in eine Ganztagsschule bereits einstimmig gebilligt.

Der Elternbeirat steht hinter den Plänen, wie Sprecher Günter Dexheimer betont: "Wir haben das als Beirat schon lange gewünscht, haben die Zahlen aber früher bei Weitem nicht zusammenbekommen. Jetzt hat es zum Glück geklappt." Er spielt damit auf die Ergebnisse von drei Umfragen 2001, 2003 und 2004 an, als das Elterninteresse nur gering war. Dexheimer: "Gesellschaftlich hat sich aber einiges verändert. Es gibt inzwischen viel mehr Familien, in denen beide Eltern arbeiten." Er ist überzeugt davon, dass es in Kell und Zerf "keine reine Verwahrschule geben wird, sondern wir Eltern wissen, dass unsere Kinder dort sinnvoll beschäftigt werden und gut aufgehoben sind".

Im Groben liegt schon ein pädagogisches Konzept für die kommende GTS vor. "Jetzt kann die Planungsgruppe an den Feinschliff gehen", sagt Staudt. Reguläre Unterrichtsfächer wird es am Nachmittag voraussichtlich nicht geben. Um reine Ganztagsklassen zu bilden, seien 60 Anmeldungen, die sich über die fünf Klassenstufen fünf bis neun verteilen, doch zu gering, so Staudt.

Die Zeit am Nachmittag soll an beiden Schulstandorten zum einen für die Hausaufgabenhilfe genutzt werden. "Zum anderen wollen wir unterrichtsnahe Angebote entwickeln, mit denen wir sowohl stärkere als auch schwächere Schüler fördern", sagt Staudt. Angedacht sind Sprachzertifikate in Englisch oder Französisch oder Chemie- und Physikkurse. Eine wichtige Säule sind auch Freizeitangebote - etwa Theater- oder Sport-AG.

Inwieweit das derzeit 28-köpfige Lehrerkollegium aufgestockt und um pädagogische Fachkräfte ergänzt wird, entscheidet nun das Land. Mit dem Kreis wird die Schule darüber sprechen, was sich baulich und in Sachen Ausstattung noch ändern muss. "Gerade in Zerf haben wir keinen Platz mehr für Ruhe- und Spielräume", so Staudt. Für das Mittagessen wird es zunächst keine eigene Mensa geben. Außerhalb der Schulen - in Zerf ist zum Beispiel das nahe Rotkeuzheim im Gespräch - sollen Ausgabeküchen eingerichtet werden. ExtraRealschule Kell/Zerf: 1999 wurde aus den zwei Hauptschulen in Kell und Zerf zunächst eine Regionale Schule. Seit 2009 trägt sie den Titel "Realschule plus". 2010 ging die Trägerschaft von der Verbandsgemeinde an den Landkreis über. Zurzeit besuchen 323 Kinder die Realschule. In Kell werden die Klassen fünf und sechs, in Zerf die älteren Jahrgänge unterrichtet. Am Standort Zerf wird ab Klasse sieben in zwei Zweige getrennt. Ein Teil der Schüler arbeitet auf die Berufsreife (nach der neunten Klasse), der andere auf die mittlere Reife hin. Im Zerfer Gebäudekomplex ist auch die Grundschule mit 64 Schülern untergebracht. Für ein Ganztagsangebot gab es dort zu wenig Interesse. "Wir wollen aber die Kinder, deren Eltern Bedarf haben, nicht außen vor lassen und versuchen, sie in das Betreuungsangebot an der Realschule einzubinden", sagt Staudt, der auch Rektor der Grundschule ist. (ax)