Gebaggert wird in Doppelschichten

Gebaggert wird in Doppelschichten

Die Niedermenninger Straße/L 138 in Konz ist Großbaustelle. Mit Hochdruck laufen Ausbau und Sanierung im ersten Bauabschnitt am Schulzentrum. Grund der Eile: Nach Ende der Sommerferien sollen wieder Tausende von Schülern per Bus zum Unterricht anrollen können.

Konz. Von Baustellenstaus geplagte Autobahnreisende träumen davon: Ein Straßenausbau, bei dem nicht gekleckert, sondern geklotzt wird, weil der Blick der Akteure sorgenvoll auf dem vertraglich vereinbarten Fertigstellungstermin haftet. So etwas gibt es auf der Niedermenniger Straße in Konz, zwischen dem Ortseingang am Schulzentrum und der Einmündung Im Canet.
Dort haben am 8. Juli die Arbeiten am ersten, rund 370 Meter langen Bauabschnitt mit einer Vollsperrung begonnen. Bis zum Ferienende am 16. August soll die beauftragte Arbeitsgemeinschaft der Firmen Elenz und Schnorpfeil mit ihrem Pensum durch sein, denn dann beginnt das neue Schuljahr.Zeitdruck und erhöhter Einsatz


Dies bedeutet: Die Ringstraße um das Schulzentrum muss für den Schülerverkehr wieder erreichbar sein. Für die Baufirmen bedeutet dies Termindruck und erhöhten Einsatz. Zurzeit läuft das Abfräsen und Ausbaggern der alten Fahrbahnschichten auf Hochtouren. Wohin das Auge auf dem staubigen Terrain blickt: Überall bewegen sich Bagger, Radlader und LKW in der Julihitze. Die technische Führung bei dem Projekt hat der Konzer Straßenbauer Elenz. "Alles, was entbehrlich ist, haben wir auf die Niedermenniger Straße geschickt", heißt es beim Konzer Tiefbauer. Dies bestätigt auf Anfrage der Landesbetrieb Mobilität (LBM), der bei der Planung federführend ist. LBM-Dienststellenleiterin Edeltrud Bayer: "Es wird im Zwei-Schicht-Betrieb gearbeitet - von 6 bis 14 Uhr und von 14 bis 22 Uhr." Und man sei auch schon an Samstagen auf der Baustelle aktiv gewesen, heißt es bei Elenz. Nach Abschluss der Arbeiten beginnt nach dem 16. August der zweite, ebenfalls 370 Meter lange Abschnitt zwischen Im Canet und der Einmündung Wiltinger Straße. Auch dabei wird eine Vollsperrung erforderlich sein. Auf diesem Straßenstück werden wie im oberen Abschnitt Asphalt- und Tragschicht komplett erneuert und neue Gehwege angelegt. Wenn das Wetter es zulässt, könnten diese Arbeiten bis zum Jahresende abgeschlossen sein. In einem dritten Bauabschnitt soll vom 4. bis 18. Oktober die Einmündung Wiltinger Straße/K 133 auf etwa 85 Metern Länge erneuert werden.
Derzeit wird noch in einem verhältnismäßig dünn bewohnten Umfeld und vor dem verwaisten Schulzentrum gearbeitet. Für die Anlieger im stark besiedelten unteren Straßenabschnitt könnte es dagegen ein anstrengender Herbst werden (siehe Extra).Meinung

Kein Vorbild für Autobahnen
Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Aber die L-138-Baustelle in Konz zeigt, was möglich ist, wenn Planer, Straßenbaufirmen und Verwaltung an einem Strang ziehen nach dem Motto: Bis zum Tag X muss das Ding fertig sein und keinen Tag länger. Eine dieser ewigen "Schlafbaustellen", wie sie an vielen Autobahnen für Engpässe und Staus sorgen, ist dies nicht. Doch die Ranklotzerei auf der Niedermenniger Straße erfordert einen erheblichen Mehraufwand an Personal und Gerät. Übertragen auf Arbeiten an Autobahnen und Bundesstraßen wäre das eine Kostenfrage, die den derzeitigen Bundesetat für Fernstraßen überfordern würde. Der Grund ist bekannt: Die Einnahmen aus LKW-Maut, KFZ- und Mineralölsteuer werden zum größten Teil nicht zweckgebunden verwendet, sondern fließen in andere Töpfe. nachrichtenredaktion@volksfreund.deExtra

Durch die L-138-Arbeiten im ersten Bauabschnitt sind verhältnismäßig wenige Anlieger betroffen. Die meisten nehmen es gelassen. Eine vom TV befragte Bewohnerin des Hauses Im Canet 1. "Wir sind derzeit am nächsten dran, aber der Ausbau ist ja auch gut für uns", meint sie. Lärm und Staub - angenehm sei es nicht, aber es gebe Schlimmeres. Eine junge Mutter im Nachbarhaus findet es "schon nervig, wenn Punkt 6.10 Uhr der Presslufthammer unter dem Fenster losrattert und das Getöse dann bis fast 22 Uhr weitergeht". Auch der Weg mit dem Kinderwagen zur nächsten Bushaltestelle sei eine Katastrophe - überall Gräben und Löcher. Wenigstens würden die Arbeiter, falls anwesend, den Wagen über die Gräben heben. "Wir sind geradezu von Gräben umringt. Aber die Straße muss doch mal gemacht werden", sagt die Mutter der jungen Anwohnerin. Und sie fügt hinzu: "Den Männern vom Bau kann man keinen Vorwurf machen, die tun ihr Bestes." Mehr ärgert sie der nächtliche Spuk auf der Baustelle: Wenn Autofahrer die Absperrung nach Niedermennig umgehen wollen und am frühen Morgen mit Getöse die Absperrgitter beiseite räumen. Keine Probleme mit der Baustelle hat Anwohner Albert Rohles. "Das muss doch sein, es kann ja nur besser werden. Und dafür schaffen die auch samstags", sagt Rohles und fügt hinzu: "Es gibt eben keine lautlosen Bagger. Solche Arbeiten machen immer Krach." f.k.

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