Geboren in der Kaiserzeit

Luise Befort aus Nittel hat vor einigen Tagen ihren 100. Geburtstag gefeiert. Ihr bewegtes Leben hat sie geistig frisch gehalten. Und sie konnte jetzt bereits den fünften Urenkel auf den Arm nehmen.

Nittel. (jbo) Vor 100 Jahren wurde Luise Befort in Schlesien geboren. Aber nicht der Zweite Weltkrieg und die Vertreibung haben sie nach Nittel geführt. Sie kam vor mehr als 90 Jahren als kleines Kind gemeinsam mit ihrem Bruder aus der Großstadt in das damals noch ausgesprochen ländliche Nittel. Ihre Mutter hatte nach dem Tod ihres ersten Mannes einen Nitteler Eisenbahner kennengelernt, der im Ersten Weltkrieg seinen Dienst in Schlesien leisten musste. Die Umstellung von der gehobenen Gesellschaft in das bäuerlich geprägte Leben an der Obermosel fiel zunächst nicht leicht. Aber heute spricht Luise Befort "Nitteler Platt", als wäre sie nie woanders gewesen. Für Luise Befort war der Umzug letztlich insofern ein großes Glück, weil sie eine leidenschaftliche Köchin ist. In Nittel und Luxemburg lernte sie in jungen Jahren die französische Küche kennen und entwickelte sich zur Meisterin in der moselfränkischen Kochkunst. Enkelsohn Marcel liebt noch heute "Omas Butternudeln". Meist arbeitete der echte Familienmensch bei luxemburgischen "Herrschaften", bis sie 1942 den Nitteler Winzer Matthias Befort heiratete. Aus der fast 49-jährigen Ehe - Matthias Befort verstarb 1991 - gingen drei Kinder, fünf Enkelkinder und fünf Urenkel hervor. Luise Befort freute sich besonders, als ihr erster weiblicher Urenkel Louisa ihren Namen erhielt.

Ihren 100. Geburtstag feierte Luise Befort gemeinsam mit der Familie. Der Nitteler Musikverein spielte ein Ständchen, und zahlreiche Nachbarn kamen zum Gratulieren vorbei. Heute lebt sie bei absoluter geistiger Frische und leidlich guter Gesundheit im Haus ihrer Tochter in der Nitteler Weinstraße. Den Haushalt führt sie nicht mehr, aber sie hält sich über alles auf dem Laufenden. Insbesondere interessiert sie sich für die aktuellen politischen Ereignisse und verfolgte als jemand, der in der Kaiserzeit geboren wurde, interessiert die Bundespräsidentenwahl.

Als Geheimnis, warum sie sich mit ihren 100 Jahren eines so guten Zustands erfreut, nennt sie - wie könnte es anders sein - das eine oder andere tägliche Glas Wein.