Geburtsurkunden aus Bronze

Das Testament des schwerreichen Diakons Adalgisel Grimo trägt das Datum 30. Dezember 634. Gleichfalls ein bedeutsamer Tag für vier Gemeinden aus dem Kreis Trier-Saarburg, denn in diesem Dokument werden sie erstmals urkundlich erwähnt. Bronzetafeln sollen nun Zeugen des Ereignisses sein.

Kell am See. (doth) Die Testamentsurkunde des Diakons Adalgisel Grimo vom 30. Dezember 634 trägt im Landeshauptarchiv Koblenz die Bestandsnummer "1 A Nr. 1", was für den Heimatforscher Dittmar Lauer allein schon die Bedeutung dieses Dokumentes unterstreicht. In einer Feierstunde wurden in Kell vier Bronzetafeln überreicht. Sie sollen im Laufe des Jahres an zentralen Stellen in Kell am See, Schöndorf, Taben-Rodt und Temmels feierlich enthüllt werden. Zur Zeit des Diakons Adalgisel aus ebenso frommem wie reichem Hause hießen Kell am See noch "Callido", Schöndorf "Fidivis", Taben-Rodt "Tautinna" und Temmels "Tamaltio". Heimatforscher Lauer steckte einen enormen Arbeitsaufwand in die Dokumentation des Geburtstags der vier Orte, ganz wie vor 25 Jahren, als sogar mit einem Umzug gefeiert wurde. Warum Adalgisel viele seiner Besitztümer verschenkte und an wen, arbeitet Lauer gerade in einem Buch auf, das möglichst genau am 30. Dezember 2010 erscheinen soll. Darin wird es eine Abschrift der Urkunde in heutiger Schrift und eine Übersetzung in die heutige Sprache geben, denn was da vor 1375 Jahren niedergeschrieben wurde, verstehen nur noch wenige Experten.

Lauer erklärte die Zusammenhänge vor Vertretern der vier Orte in seiner unnachahmlichen Art so, als sei es gestern und er selbst dabei gewesen. Der fromme Diakon habe einer einflussreichen fränkisch-austrasischen Familie der Merowingerzeit angehört. "Gilmo besaß Gold und Silber, Häuser, Gehöfte, ja ganze Dörfer und Weiler, mehrere Mühlen und Weinberge, inklusive der Menschen, die dort lebten", erklärte Lauer. Es sei damals üblich gewesen, am Lebensabend seinen weltlichen Besitz zu verschenken, um "Punkte" fürs Jenseits zu sammeln. Mit der Deutung des Dokuments hatten auch Fachleute so ihre Probleme. "Fidivis" wurde zunächst für das saarländische Fitten gehalten, später als Weiten bei Orscholz identifiziert, wo auch vor 25 Jahren das 1350-jährige Bestehen in großem Stil gefeiert wurde. Lauer machte noch einmal klar: "Die Historiker Franz-Josef Heyen und Wolfgang Haubrichs haben nachgewiesen, dass es sich bei dieser strittigen Ortslokalisierung eindeutig um Schöndorf handelt."

Als Haupterbe bestimmte der Diakon das von ihm gegründete Kloster St. Agatha in Longuyon. Dort richtete er eine Armenstiftung ein und ermahnte den Abt eindringlich, bei der Versorgung der Menschen neben Nahrung und Kleidung auch nicht mit persönlicher Zuneigung zu sparen. Weitere kirchlich-mildtätige Einrichtungen kommen in den Genuss der Schenkungen des Diakons. Für Heimatforscher Lauer tut sich mit dem historischen Dokument eine Schatztruhe auf, in der sich wertvolle Nachrichten zur Siedlungs-, Verfassungs-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Region befinden.

In seinem Buch will der Autor diese Zeit der Geschichte der letzten 50 Jahre gegenüberstellen. "Wir sollten die gemeinsamen historischen Wurzeln weiter pflegen", lautete denn auch der Rat des Keller Bürgermeisters Werner Angsten an die Vertreter der vier Ortsgemeinden.

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