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Gefährlicher Müll vor der Haustür

Gefährlicher Müll vor der Haustür

Drei gegen alle - diese Konstellation kennzeichnete in Neuhütten eine Live-Sendung des SWR zur möglichen Einrichtung einer Sondermülldeponie im Nachbarort Nonnweiler (der TV berichtete bereits mehrfach). Einmal mehr wurde deutlich: Die Pläne auf dem Tongruben-Gelände stoßen bei Bürgern und Politikern auf geballten Widerstand.

Neuhütten. Vor allem ein Schlagwort prägte vor dem Neuhüttener Bürgerhaus eine SWR-Live-Sendung, die die höchst umstrittenen Pläne für die Einrichtung einer Sondermülldeponie im saarländischen Nonnweiler-Mariahütte zum Thema hatte. Denn: Gleich mehrfach war bei "Reiss und Leute" von "moralischer Verpflichtung" die Rede. Doch dazu später mehr. Planer haben wenig Rückendeckung

Am Mittwochabend standen sich Befürworter und Gegner des brisanten Projekts gegenüber. Gleich war das Kräfteverhältnis aber nur vor der Kamera. Den Planern Martin Becker und Gerd Burkhardt sowie Jürgen Gräßer, der hinter dem Vorhaben steckt, traten Karl-Dieter Emmerich und Gerd Barth von der Bürgerinitiative (BI) Nonnweiler und der Hermeskeiler Bürgermeister Michael Hülpes entgegen. Rückendeckung erhielten sie von den knapp 80 Zuschauern, die entweder der BI angehörten oder als Bewohner der Gemeinde Nonnweiler und der benachbarten Orte wie Züsch oder Neuhütten in großer Sorge sind. Hülpes, Emmerich und Barth machten noch einmal deutlich: Eine Sondermüll-Deponie, in der möglicherweise per Definition "gefährliche Abfälle" der Kategorie III gelagert werden, bedeuten eine Gefahr für Mensch und Natur. Sie verwiesen auf die Lage des geplanten Standorts mitten im Naturpark Saar-Hunsrück und sprachen die Nähe zur Primstalsperre an, die als Hermeskeiler Trinkwasser-Reservoir dient. Hülpes verwies zudem auf die Bemühungen, die die Region im Bereich des "naturnahen Tourismus" unternimmt. "Das alles lassen wir uns nicht durch eine solche Anlage versauen." Gräßer will sich durch den geballten Widerstand aber nicht beeindrucken lassen. Er kündigte an, dass er in "wenigen Wochen" das Planfeststellungsverfahren einreichen werde. Und er betonte: "Wir ziehen die Sache durch, so weit es die gesetzlichen Möglichkeiten zulassen." Das Gelände der Tongrube, das dem hochverschuldeten Unternehmer früher gehörte und jetzt auf seine Frau überschrieben ist, biete "ideale Voraussetzungen, dass dort gelagerte Schadstoffe nicht ins Grundwasser gelangen können", so Gräßer weiter. Was genau in Mariahütte deponiert werden soll, ließ er weitgehend offen, bezeichnete aber die Einlagerung von Abfällen aus Stahlhütten, Kohlekraftanlagen oder Klärschlammwerken als denkbare Möglichkeit. Noch sei aber nicht geklärt, ob die Tongrube eine Deponie der Klasse II - wie etwa in Mertesdorf - oder III wird. Allerdings: "Wir werden das Maximum, also Kategorie III, fordern und beantragen", betonte der Unternehmer.Gerd Bath von der BI konterte, dass es für die Einrichtung einer solchen Sondermüll-Deponie weder im Saarland noch in Rheinland-Pfalz überhaupt Bedarf gebe. Es gehe bei diesem Projekt ausschließlich um die kommerziellen Interessen eines Einzelnen. "Es muss aber das Prinzip gelten, dass Allgemeinnutz vor Eigennutz geht", betonte Hülpes.Die Deponie-Planer sahen dies aber ganz anders. Sie verwiesen auf den regen Export von Sondermüll quer durch Deutschland und Europa, was Becker zu der Aussage verleitete, dass die Einrichtung der Anlage in Mariahütte eigentlich eine "moralische Verpflichtung" sei. Er erntete dafür beim Publikum einen Aufschrei der Empörung und heftigen Widerspruch. Barth betonte, dass es eine moralische Verpflichtung sei, "eine Altlast für Jahrhunderte zu verhindern, für die es keine Notwendigkeit gibt". Und Emmerich entgegnete: "Meine moralische Verpflichtung ist es, dass ich meinem Enkel in die Augen schauen und sagen kann: Ich war dagegen." Stimmen Peter Kretz, Ortsbürgermeister Neuhütten: "Die Deponie wäre komplett unvereinbar mit der Zukunftsentwicklung unseres Dorfs. Wenn sie kommt, würde das kein Mensch verstehen." Albert und Maria Bungert, Beuren: "Man darf sich diese Pläne nicht gefallen lassen und muss sich mit allen Mitteln dagegen wehren." Torsten und Carsten Gnad, Nonnweiler: "Wir sind jung und wollen noch 50, 60 Jahre hier leben. Wir möchten aber nicht auf einer Giftmüll-Halde wohnen." Susanne Jakoby, Neuhütten: "Ich habe zwei kleine Kinder und bin sehr beunruhigt. Vor allem, weil doch niemand weiß, was in diese Deponie alles reinkommen soll." Alois Prem, Neuhütten: "Ich wohne in Neuhütten und arbeite in Mariahütte, bin also zweifach betroffen. Alles was ich sagen kann, ist: Ich lehne diese Deponie unbedingt ab."