Gegen das Vergessen

Zum Bericht über den Jüdischen Friedhof in Saarburg und dem Kommentar "Denkmalschützer seid wachsam!" (TV vom 25. Oktober):

Eine gängige Definition beschreibt den Begriff und das Ziel "Denkmalschutz" in etwa wie folgt: " [...] dafür zu sorgen, dass Kulturdenkmale dauerhaft erhalten und nicht verfälscht, beschädigt, beeinträchtigt oder zerstört werden und Kulturgüter dauerhaft gesichert werden." Mit einem Aspekt ihres Kommentars liegen Sie nun richtig: Die Denkmalbehörde wusste von unserer Aktion nichts. Leider können wir für ihren Artikel nicht mehr Zustimmung finden. Wären Sie mit dem Ablauf und der Intention unserer Aktion vertraut, dann wäre ihnen sicherlich bewusst gewesen, dass durch eben diese der Jüdische Friedhof als Kulturdenkmal weder "verfälscht" noch "beschädigt, beeinträchtigt" oder gar "zerstört" wurde. Ganz im Gegenteil. Was Sie sehr pragmatisch als "Eingriff in die Substanz" bewerten, ist für uns weit mehr. Abgesehen von der Tatsache, dass es keinerlei "Eingriff in die Substanz" des Friedhofs gegeben hat und von unserer Seite aus nie geben wird, dafür sind wir auch überhaupt nicht zuständig, sehen wir das Aufräumen von Trümmern jüdischer Grabsteine, die seit etwa 60 Jahren im angrenzenden Waldstück verwahrlosen, als politisches Statement und vielmehr als eine Aktion, die im Gedenken an die damaligen Verbrechen höchst überfällig gewesen ist. Dass sich dafür erst eine Gruppe Jugendlicher im Jahr 2006 finden muss, ist eher ein Armutszeugnis für die Generationen, die genau dies bisher versäumt haben, als ein Grund, diese Aktion zu kritisieren. Indem Sie unsere Aktion als "Eingriff in die Substanz" werten, reduzieren sie die Aktion auf etwas, das sie nicht ist und nie sein wird. Sie lassen außer Acht, dass sich der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Herr Vorenberg, an zwei Ortsterminen ein Bild von unseren Vorhaben gemacht hat und diese begrüßt hat. Bei einem Treffen mit Vertretern der Stadt Saarburg wurden dabei insbesondere von Herrn Vorenberg weitere bauliche Maßnahmen angesprochen, die mit unserer ursprünglichen Idee nichts zu tun hatten, wenngleich wir selbige als sehr begrüßenswert empfanden. Was weiterhin auf dem Jüdischen Friedhof passieren soll, so zum Beispiel Maßnahmen zur verbesserten Begehbarkeit des immer noch aktiv genutzten Jüdischen Friedhofs sowie die Anbringung einer Beschilderung und einer Informationstafel zur Information über den Friedhof an sich und seine Geschichte, muss zunächst einmal geplant werden. Dass diese Planung in Absprache mit den zuständigen Behörden, Ämtern und Persönlichkeiten geschieht, ist für uns selbstverständlich. Auch wenn der Jugendsozialarbeiter der Stadt Saarburg, Bernd Bredin, den Sie in ihrem Kommentar als unseren "Betreuer" bezeichnen, von ihnen sinngemäß zitiert wird mit "wir wissen noch nicht, was wir mit den Grabsteintrümmern machen sollen", besteht durchaus bereits die Idee, die Trümmer in einer Art "Denkmal" einer neuen Funktion zukommen zu lassen. Wie dieses Denkmal aussehen wird und wer es errichten soll, steht allerdings noch nicht fest. Wir weigern uns jedoch, dies als Grund anzusehen, die Trümmer weiter in einem Waldstück unter Hecken und Büschen ihrem Schicksal zu überlassen. Johannes Türstig Organisationsteam Jugendtreff Saarburg