Gegenwind aus Greimerath hält an

Gegenwind aus Greimerath hält an

Der Greimerather Rat hat eine formelle Stellungnahme zur Änderung des Flächennutzungsplans (FNP) der saarländischen Gemeinde Losheim abgegeben. Das Gremium lehnte die darin vorgesehene Ausweisung eines Gebiets zur Windkraftnutzung auf dem Judenkopf einstimmig ab. Auch ein Fledermaus-Gutachten spielte in der Diskussion eine Rolle.

Greimerath. Die Gemeinde Greimerath und die Bürgerinitiative Pro Hochwald wollen den Bau von Windrädern auf dem Judenkopf unbedingt verhindern. Diese Proteste gegen das Projekt auf dem Gebiet der Gemeinde Losheim machen seit Wochen Schlagzeilen. Insofern war der aktuelle Beschluss des Greimerather Rats am Mittwochabend reine Formsache. Das Gremium lehnte die vorgesehene Änderung des Losheimer FNP ab, in dem auf dem Judenkopf ein 95 Hektar großes Areal für die Windenergienutzung ausgewiesen wird. Dort will eine Investorengemeinschaft - sie besteht aus den Technischen Werken Losheim, der VSE Saar und dem Unternehmer Wendelin von Boch - fünf jeweils rund 200 Meter hohe Anlagen errichten.
Im Zuge des nach Baugesetzbuch geregelten Verfahrens legt die Gemeinde Losheim die Planungsunterlagen bis zum 8. April öffentlich aus. Die Greimerather haben die Möglichkeit, zu diesen Plänen Stellung zu nehmen, was die Gemeinde mit dem aktuellen Ratsbeschluss auch getan hat.
Alle Bedenken und Einwände, "die wir bisher schon vorgebracht haben, werden wir wieder in unsere Stellungnahme aufnehmen. Es gibt aber auch neue Erkenntnisse", so Ortsbürgermeister Edmund Schmitt (FWG). Konkret sind damit die Aussagen der Landschaftsplanungsgesellschaft FÖA gemeint, die im Auftrag der Verbandsgemeinde (VG) Kell tätig war. Die Trierer Fachleute haben das Gutachten zum Fledermausvorkommen auf dem Judenkopf geprüft, das von saarländischer Seite in der Planung des Windparks vorgelegt wurde. Dieses Gutachten wurde von einem Faunistik-Büro aus Troisdorf bei Bonn erstellt. "Es weist aber erhebliche Mängel auf. Unser Raum wurde überhaupt nicht ausreichend berücksichtigt", sagt der Keller VG-Chef Werner Angsten unter Berufung auf die Stellungnahme von FÖA.
Die Trierer Experten kommen nach Durchsicht des von saarländischer Seite vorgelegten Gutachtens beispielsweise zu dem Ergebnis, dass bei den Fledermauserfassungen "fachliche Rahmenbedingungen nicht eingehalten wurden". Weiter heißt es: "Die Bereiche, an denen Untersuchungen stattfanden, wurden offenbar weniger nach fachlichen als nach landeshoheitlichen Gegebenheiten ausgerichtet". Das bedeutet: Die Trierer Fachleute halten ihren Kollegen aus Troisdorf vor, dass sie das Vorkommen von geschützten Fledermausarten auf rheinland-pfälzischer Seite nicht ausreichend untersucht haben. Mit Blick auf die Planung von Windkraftanlagen auf dem Judenkopf kommt das Büro FÖA zu dem Schluss, "dass die Verbote des Paragrafen 44 im Bundesnaturschutzgesetz nicht ausgeschlossen werden können". Deshalb sei "das Vorhaben auf Basis der vorliegenden Unterlagen artenschutzrechtlich unzulässig", so die Trierer Fachleute.
Für Angsten stellt sich nun die Frage, ob die Genehmigungsbehörden "über diese deutlichen Aussagen einfach hinweggehen können." Auch die Sprecher der Greimerather BI kamen in der Ratssitzung zu Wort. Ihr Vorsitzender Rainer Schmitt betonte: "Wir werden gegen dieses Projekt kämpfen, solange es nur geht. Wir dürfen aber nicht nur dribbeln, sondern müssen auch Tore schießen." Die BI denkt offen über einen Gang vor Gericht nach. Ziel sei es, über eine einstweilige Verfügung das weitere Verfahren zum geplanten Bau von Windrädern auf dem Judenkopf zum Stillstand zu bringen.
Extra

In die Diskussion um Windräder auf dem Judenkopf hat sich auch der CDU-Landtagsabgeordnete Bernhard Henter eingeschaltet. Er hat formell eine Anfrage an die Landesregierung in Mainz gerichtet. Darin bittet er um Auskunft, wie Mainz "die Planungen der saarländischen Gemeinde Losheim sowohl materialrechtlich als auch verfahrensrechtlich bewertet". Zudem will Henter wissen, ob die rheinland-pfälzische Landesregierung die Gemeinde Greimerath bei ihren juristischen Bemühungen zur Wahrung ihrer Rechte und zum Schutz ihrer Belange unterstützen wird. Eine Antwort liegt Henter noch nicht vor. Unterdessen hat sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Bernhard Kaster am Montag, 25. März, zu einem Ortstermin in Greimerath (Treffpunkt 13 Uhr am Dorfplatz) angekündigt. ax

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