Gegner des Moselaufstiegs nehmen den Kampf wieder auf

Gegner des Moselaufstiegs nehmen den Kampf wieder auf

Der Moselaufstieg war schon tot, jetzt steht er erneut im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans. Die Bürgerinitiative aus Igel spricht von einer ökologischen Katastrophe und bringt Alternativen ins Spiel. Gelingt ein zweiter Coup vor Gericht?

Igel/Konz/Trier Wachsam sind sie immer geblieben, aber dass der totgeglaubte "Feind" eines Tages wieder vor der Tür steht, damit hatte der Vorstand des Vereins Nein zum Moselaufstieg nicht gerechnet. Doch seit Dezember 2016 ist es amtlich: Die Westumfahrung, so heißt die Verbindungsstraße von der Umgehung Konz-Könen vorbei an Igel und Zewen bis zur Luxemburg-Autobahn bei Fusenich mittlerweile offiziell, steht im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans (der TV berichtete). Dabei war das Projekt nach der gerichtlichen Aufhebung des Planfeststellungsbeschlusses vor zwölf Jahren eigentlich schon abmoderiert (siehe Info).

Wenn etwas aufgehoben sei, existiere es normalerweise nicht mehr. Diese Logik greife beim Moselaufstieg leider nicht, sagte Richard May, Vorsitzender der Bürgerinitiative (BI), am Donnerstagabend im Igeler Bürgerhaus. Er legte den etwa 120 Besuchern dezidiert die wundersame "Aufwertung" des Kosten-Nutzen-Verhältnisses dar, die das Projekt vom alten zum neuen Bundesverkehrswegeplan genommen hat. Im alten Plan, so May, habe der Moselaufstieg noch mit dem Kosten-Nutzen-Faktor 1,3 und dem Hinweis "mit sehr hohem Umweltrisiko" gestanden. Im neuen sei die Bewertung auf 11,05 hochgeschnellt, das Umweltrisiko werde als "mittel" eingestuft. "Es ist mit unlauteren Mitteln gearbeitet worden, das ist so ähnlich wie Betrug", folgerte May.

Die ökologischen Einschnitte seien enorm. Ein Naherholungsgebiet mit Wald und Streuobstwiesen werde zerstört, die Frischluftzufuhr für die Stadt Trier durch Aufschüttungen abgeschnitten. Auf die Bewohner von Igel, Zewen, Herresthal und Fusenich kämen durch die vierspurige Bundesstraße mehr Lärm und Abgase zu.
Die Bürgerinitiative ist davon überzeugt, dass der insbesondere von der CDU geforderte Moselaufstieg nicht die erhoffte Entlastung für die verkehrsgeplagte Stadt Trier bringt. 83 Prozent des Aufkommens im Oberzentrum sei Ziel- und Quellverkehr. Auch für die Bürger aus den Verbandsgemeinden Konz und Saarburg spiele der Moselaufstieg keine große Rolle. Berechnungen hätten gezeigt, so die BI, dass der Moselaufstieg nur für etwa 7000 Fahrzeuge von Interesse sei - das seien sechs Prozent des gesamten Verkehrsaufkommens in diesem Raum. "Müssen wir deshalb alles aufgeben?", fragte May. Er zeigte den Besuchern per Beamer Alternativen auf: Die Moselbrücke in Höhe des Hafens Mertert ("Luxemburg hat den Bau zwei Mal angeboten, Deutschland hätte nur die Anschlüsse zahlen müssen") und die sogenannte "Zwei-Brücken-Lösung". Das ist eine Verbindung von der B 419 zwischen Wasserliesch und Wellen mit Brücken über Mosel und Sauer sowie einem 600 Meter langen Tunnel zur Bundesstraße 418 bei Langsur. Die Kreis-SPD hatte diese Variante ins Spiel gebracht (der TV berichtete). Sie soll 35 Millionen Euro kosten, der Moselaufstieg ist mit 60 Millionen veranschlagt.KommentarMeinung

Diese Straße wird Trier nicht retten
Er wurde schon als Running Gag verspottet, doch nun ist der Moselaufstieg wieder im Gespräch. Zum wievielten Mal eigentlich in über 40 Jahren? Wäre er wirklich so wichtig für die Region, dann müsste er längst gebaut sein. Der Moselaufstieg war ein Politikum, und er ist es heute mehr denn je. Ähnlich wie die CSU ihr Maut-Mantra runterbetet, so beharrlich verknüpft die CDU die Lösung der Verkehrsprobleme in der Region mit dem Moselaufstieg. Die ideologische Betrachtungsweise birgt jedoch die Gefahr, dass man andere mögliche Lösungen nicht sieht oder nicht sehen will. Der Moselaufstieg, und das bestreiten selbst viele Befürworter nicht, ist für Trier nicht der große Wurf. Das wäre er allenfalls in Verbindung mit der Meulenwaldautobahn, gewesen. Autofahrer nehmen den kürzesten Weg, und der wird auch mit Moselaufstieg weiterhin durch Trier führen, wenn es Richtung Osten geht. a.follmann@volksfreund.deDER MOSELAUFSTIEG IN ZAHLEN

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Länge sechs Kilometer Steigung 6,5 Prozent auf 2,9 Kilometer Höhenunterschied 218 Meter Flächenverbrauch 70 Hektar (Trasse), Ausgleichsfläche 140 Hektar Aufschüttungen zwischen B 49 und Zewener Wald bis zu 25 Meter hoch, maximale Breite der Aufschüttung 140 Meter Abholzung circa 26 Hektar Wald Bauwerke fünf Brücken sollen gebaut werden, die größte ist 672 Meter lang und überspannt die B 419, die Mosel und die Bahnlinie Trier-Luxemburg (Quelle: Verein Nein zum Moselaufstieg; die Angaben stammen aus der Offenlegung der Pläne aus dem Jahr 2003)CHRONOLOGIE DES WIDERSTANDS

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Das ist der geplante Verlauf des Moselaufstiegs. Von einer neuen Moselbrücke kommend, verläuft die Trasse zwischen Igel und Trier-Zewen weiter und stößt bei Herresthal auf die Luxemburg-Autobahn. Bei einem Infoabend in Igel (Foto links) wies die Bürgerinitative „Nein zum Moselaufstieg“ auf die Zerstörung von Wald und Flur hin. TV-Foto: Albert Follmann, Visualisierung: LBM.
Foto: (h)

1994 Bürger schließen sich zum Protest gegen den Moselaufstieg zusammen. Am 20. November gibt es einen Demonstrationszug mit etwa 3000 Teilnehmern 1995 Vereingründung "Nein zum Moselaufstieg" 2003 Offenlegung Planfeststellungsverfahren, der Verein bringt Einwände vor 2004 Planfeststellungsbeschluss (Baureife), Verein reicht Klage beim OVG Koblenz ein 2005 Das OVG hebt den Planfeststellungsbeschluss wegen Verfahrensfehlern auf, eine Revision wurde nicht zugelassen 2006 Die Beschwerde des Landes gegen die Nichtzulassung der Revision weist das Bundesverwaltungsgericht zurück

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