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"Gehen Sie weg von meinen Früchten!"

"Gehen Sie weg von meinen Früchten!"

Ein unterschätztes Delikt: Kiloweise werden Äpfel, Nüsse, Trauben und andere Früchte von Privatgeländen geklaut. Polizeihauptkommissar Günter Schander warnt: "Den Tätern droht eine Anzeige wegen Diebstahls."

Konz. "He, gehen Sie weg da! Lassen Sie das sein!", hört man energische Rufe am Radweg in Konz-Hamm. Doch die Betroffenen reagieren nicht. Sie klauen unbeeindruckt weiter. So ähnlich muss es vor kurzem geschehen sein, als Fischer an der Saar beobachtet haben, wie Unbekannte Nüsse geklaut haben. Die dazugehörigen Bäume sind allerdings Privatbesitz und gehören Ortsvorsteherin Angela Schneider. "In diesem Jahr ist es sehr akut mit den Dieben", ärgert sie sich. "Manche werfen Stöcke in die Bäume und raffen die heruntergefallenen Nüsse auf." Inzwischen seien ihre beiden großen Nussbäume fast vollständig abgeerntet, ohne dass sie selbst eine Frucht abbekommen habe. "Mindestens zwei Weidekörbe voll wurden gestohlen", schätzt sie. "Dabei haben wir extra ein Schild an die Bäume gehängt: ,Finger weg! Das ist Privatbesitz! Wir essen unsere Nüsse selbst'." Doch helfen tut das offenbar wenig. Bäume werden oft gezielt angefahren

Auch der Besitzer eines landwirtschaftlichen Betriebs in der Konzer Gegend, der namentlich nicht genannt werden möchte, kann von dreisten Dieben ein Lied singen. "Der ein oder andere fährt unsere Apfel-Bäume gezielt an, weil er sie schon von der Straße aus sieht", erzählt der Landwirt und Winzer. Und dann würden Körbe und Taschen ausgepackt und mit Äpfeln gefüllt. Dabei klauen die Täter nicht nur das Obst, sondern zerstören oft auch gleichzeitig die jungen, zarten Obstbäume. Die Möglichkeiten, sich vor dem Diebstahl zu schützen, sind begrenzt. "Ja, wir könnten die Bäume einzäunen", sagt der Landwirt. "Aber ich bezweifle, dass das etwas hilft." Wer bewusst klauen wolle, der lasse sich von einem Zaun nicht aufhalten. "Vor zwei Jahren habe ich Anzeige bei der Polizei erstattet" - ebenfalls ohne Erfolg. Daher lasse er das inzwischen sein.Personalien von Dieben aufnehmen

"Ja, die Dunkelziffer ist hoch", bestätigt Günter Schander, Leiter der Polizeiinspektion Saarburg. Ihm sind in den vergangenen Wochen zwei Fälle von Obstklau bekannt geworden. In dem einen Fall haben am späten Abend ein 48-jähriger Mann mit seinem 15-jährigen Sohn 30 Kilo Trauben aus einem Weinberg zwischen Kanzem und Ayl gestohlen. Als die Polizei auf die beiden aufmerksam geworden war und die drei randvollen Eimer im Kofferraum entdeckt hatte, kamen die beiden Diebe in Erklärungsnot: "Sie sagten, sie wollten aus den Früchten Traubensaft machen", berichtet Schander.Im zweiten Beispiel waren eine Frau und ihre Tochter sogar am helllichten Tage in Konz-Berendsborn aktiv, als sie 20 Kilo Äpfel in Einkaufsroller und Plastiktragetaschen luden. Dabei wurden sie von dem Geschädigten selbst erwischt und festgehalten. Schander: "Er hat sie leider nur von der Seite fotografiert, so dass wir die beiden Frauen noch nicht eindeutig identifizieren konnten."Doch generell habe der Geschädigte richtig reagiert. Der Polizeihauptkommissar rät: "Wer jemanden beim Klauen erwischt, soll die Personalien des Übeltäters aufnehmen oder das Kennzeichen des Fahrzeugs notieren." Zudem sei eine Personenbeschreibung sehr hilfreich. So könne man gut nach den Übeltätern suchen. Ihnen drohe dann eine Anzeige wegen Diebstahls geringwertiger Sachen. "Den Mundraub wie man ihn von früher kennt, gibt es heute nicht mehr." Inzwischen zähle auch der Obst-Klau zum Diebstahl. Meinung Nur mal eine Hand voll "Wer hat denn schon was dagegen, wenn ich mir mal beim Spaziergang entlang des Weinbergs eine Hand voll Trauben mitnehme?" Ja, so denken viele, die sich ihren Tag mit frisch gepflückten Köstlichkeiten versüßen wollen. Doch da fängt es schon an. Denn sie überlegen nicht, dass sie leider nicht die einzigen sind, die an diesem Tag und in diesem Jahr den Weg nutzen und sich bedienen. Wenn jeder "nur mal eine Hand voll" mitnimmt, raubt man den Winzern Stück für Stück ihr Kapital, bis von den Trauben nichts mehr übrig bleibt. Damit ist keinem gedient - dem Winzer nicht und auch nicht demjenigen, der den schnellen Genuss gesucht hat. a.pipke@volksfreund.de